Die Alternativen nach dem Ausfall von Träsch

Lahm, Westermann oder ein neues System

Von Für SPOX in Eppan: Stefan Rommel
Dienstag, 25.05.2010 | 15:10 Uhr
Da war noch alles in Ordnung. Heiko Westermann (r.) und Christian Träsch beim Sprinttraining
© Getty
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Christian Träschs WM-Traum ist geplatzt! Der nächste Rückschlag für Joachim Löw. Dem Bundestrainer gehen nach und nach die defensiven Mittelfeldspieler aus. Welche Alternativen hat Löw jetzt noch?

Christian Träsch ist kein Stammspieler der deutschen Nationalmannschaft. Christian Träsch ist für die Mannschaft und ihr Gefüge längst nicht so wichtig wie Michael Ballack oder Rene Adler.

Aber jetzt ist Christian Träsch verletzt. Er hat eine schwere Bänder- und Kapselverletzung im rechten Sprunggelenk. Das bedeutet zwei Wochen Pause, vier Wochen Reha und das WM-Aus.

Zyniker könnten jetzt sagen, dass das Prinzip der natürlichen Auslese Bundestrainer Joachim Löw die Entscheidung, wen er nach dem Testspiel in Budapest gegen Ungarn nach Hause schicken muss, abnehmen könnte. Doch der Bundestrainer hat durch den Ausfall des Stuttgarters abseits aller schlechten Witze die nächste knifflige Situation zu lösen.

Da waren's nur noch zwei

Träsch war der einzig verbliebene defensive Mittelfeldspieler, der hauptsächlich in der Rückwärtsbewegung seine Stärken hat. Zudem war er ein perfekter Rollenspieler, der nicht durch die große individuelle Leistung glänzt, sondern als wichtiger Baustein im Mannschaftsgefüge.

Jetzt bleiben Löw nur noch zwei defensive Mittelfeldspieler, die in dieser Saison auch über Monate auf der Position gespielt haben: Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira.

Also stand schon wieder das Thema Nachnominierung im Raum. Hitzlsperger, Hummels oder doch Frings? Löws Assistent Hansi Flick erstickte dieses Thema auf der Pressekonferenz am Dienstag im Keim und schloss eine Nachnominierung aus.

Die Lücke wird also mit Spielern aus dem bestehenden Kader ausgefüllt. Aber bleiben Löw überhaupt noch sinnvolle Alternativen - und wenn ja, welche? Ein paar Gedankenspiele.

Philipp Lahm: Eine auf den ersten Blick riskante und ungewöhnliche Variante, trotzdem naheliegend und auch durchaus denkbar. Lahm wurde in der Jugend und bei den Bayern-Amateuren im zentralen defensiven Mittelfeld ausgebildet, wechselte auch als defensiver Mittelfeldspieler 2003 zum VfB Stuttgart.

Erst der damalige VfB-Coach Felix Magath versuchte es mit Lahm auf der linken Abwehrseite und funktionierte seinen Neueinkauf damals um. Im August 2007 erinnerte sich Löw daran, als ein deutsches Rumpfteam zur Eröffnung des neuen Wembley-Stadion gegen England auflief und Lahm auf der Sechserposition eines seiner stärksten Länderspiele überhaupt machte.

Löw zeigte sich damals sehr angetan von Lahm. "Ich musste nach den Ausfällen von Ballack und Frings einen intelligenten Spieler ins Mittelfeld stellen, der hinter Schneider und Trochowski den zweiten Ball abfängt und zudem dann wieder klug nach vorne spielen kann. Das hat Philipp perfekt gemacht."

Ein anderer Faktor könnte das Zusammenspiel mit Bastian Schweinsteiger werden. Lahm und Schweinsteiger kennen sich aus der täglichen Trainingsarbeit, die Abstimmung läuft - wenn auch auf etwas anderen Positionen - reibungslos.

Was gegen die Lahm-Variante spricht: Sowohl Lahm (1,70 Meter) als auch Schweinsteiger (1,80 Meter) zählen nicht zu den Riesen. Deutschland hätte im defensiven Mittelfeld dann deutliche Nachteile in der Luft.

Heiko Westermann: Neben Lahm und Träsch der andere Allrounder im Team. Der Schalker hat für die Position in der Innenverteidigung nicht die besten Karten. Löw referierte zuletzt sehr gerne über die "Spielauslösung" seiner Verteidiger und hier hat Westermann deutlich die größten Defizite. Natürlich auch ein Minuspunkt auf der Position vor der Abwehr.

Aber er könnte mit seiner Robustheit und Zweikampfstärke den geeigneten Gegenpart zum eher spielerischen Schweinsteiger bilden - ähnlich wie Mark van Bommel bei den Bayern.

Dass er jetzt noch aus dem Kader gestrichen wird, scheint nach der Verletzung von Träsch ausgeschlossen.

Dennis Aogo: Flick zählte den Hamburger neben Westermann ausdrücklich zu den Alternativen für Träsch. Aogo ist das absolute Gegenteil zum Schalker: kleiner, wendiger, technisch versierter.

Allerdings kam Aogo beim HSV in dieser Saison fast ausschließlich als Linksverteidiger zum Einsatz. Bei seinem früheren Arbeitgeber in Freiburg und der U 21 füllte er diese Rolle hingegen öfter aus.

Jerome Boateng: Bringt von seiner Statur her ähnliche körperliche Voraussetzungen mit wie Westermann. Ist nicht so laufstark wie der Schalker, aber dafür mit besserer Übersicht und Technik gesegnet.

Allerdings gilt Boateng als erster Anwärter auf den Platz auf der Position des Rechtsverteidigers, wenngleich seine Lieblingsposition im Abwehrzentrum ist. Kam beim HSV in dieser Spielzeit auf allen drei Positionen zum Einsatz. Kann auf jeder Position überragende Spiele abliefern, wenn ihm nicht sein Phlegma im Weg steht.

Systemumstellung: Im Moment plant Löw für die WM mit einem 4-2-3-1. Und solange Schweinsteiger und Khedira von Verletzungen und Sperren verschont bleiben, wird sich daran auch nichts ändern. Aber für den Fall der Fälle "gibt es noch die eine oder andere Variante, die wir im Kopf haben", sagte Flick.

Um dabei auf ein System mit nur einem Sechser zu kommen, muss man kein Hellseher sein. Das Problem: Schweinsteiger und Khedira sind von ihrer Spielanlage her zu offensiv für diesen Posten. Bleiben Westermann und Boateng.

Aus dieser Prämisse ergeben sich drei mögliche Systeme: 4-1-4-1, 4-4-2 mit Raute und 4-3-2-1.

Im 4-1-4-1, das Löw im Test gegen den FC Südtirol testete, wäre der Mann vor der Abwehr der Staubsauger für die offensive Viererreihe hinter einer Sturmspitze. Bei einem Ausfall Khediras könnte Schweinsteiger im Zentrum etwas weiter vorne agieren oder wieder auf die rechte Außenbahn rücken. Jansen hätte gute Chancen auf der linken Außenbahn ebenso wie Kroos. Im Zentrum wären Özil, Kroos und Müller Spieler, die immer wieder in die Spitze gehen könnten.

Im 4-4-2 würden Schweinsteiger oder Khedira auf die Halbpositionen und Özil auf die Zehn rücken. Um den letzten freien Platz würden sich Kroos, Müller, Marin und Trochowski streiten. Allerdings scheint auch dieses System mit zwei Stürmern vor allem gegen stärkere Gegner keine Alternative für Löw zu sein.

Im 4-3-2-1 würde sich der Konkurrenzkampf im Mittelfeld etwas entzerren. Für Kroos, Müller, Marin und Trochowski stünden zwei Plätze zur Verfügung. Einer in der defensiveren Halbposition und einer an der Seite von Özil im offensiven Mittelfeld.

WM-Aus für Träsch - Keine Nachnominierung

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