"Einer wollte immer Maradona sein"

SID
Dienstag, 02.03.2010 | 08:49 Uhr
Mario Gomez absolvierte bisher 31 Länderspiele für Deutschland und erzielte dabei elf Tore
© Getty
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Mario Gomez ist einer der großen Hoffnungsträger der deutschen Nationalmannschaft im Hinblick auf die WM 2010. SPOX begleitet den Stürmer des FC Bayern München exklusiv auf seinem ganz persönlichen Weg nach Südafrika. Im neunten Star Watch spricht Gomez über den Argentinien-Kracher und stellt sein ganz persönliches Stürmer-Ranking auf.

Hallo zusammen,

kurz vor dem Länderspiel-Klassiker gegen Argentinien melde ich mich zum ersten Mal im neuen Jahr bei Euch.

Auch wenn wir in dieser Woche ein tolles Länderspiel vor der Brust haben, ist die WM ehrlich gesagt momentan noch sehr weit weg. In den nächsten Wochen stehen mit den Bayern viele Endspiele auf dem Programm, ob in der Champions League gegen Florenz, in der Bundesliga oder im DFB-Pokal-Halbfinale auf Schalke.

Aber trotzdem ist das Argentinien-Match natürlich ein wichtiges Spiel und eine erste Standortbestimmung in diesem Jahr, auch für uns als Mannschaft. Und dann ist es auch die letzte Partie vor der WM-Nominierung. Wir wollen jedes Spiel gewinnen, ganz egal ob das ein Freundschaftsspiel ist oder nicht. Für mich persönlich ist es das erste Match gegen Argentinien. Ich freue mich sehr auf diesen traditionsreichen Klassiker und erwarte ein heißes Spiel.

Es wird ein Kräftemessen mit einem Top-Team, und da ist es unser Ziel, ein positives Zeichen zu setzen. Da kann man dann auch viel Selbstvertrauen für die nächsten Aufgaben mitnehmen. Außerdem spielen wir in einem tollen Stadion und wahrscheinlich vor ausverkauftem Haus. Es gibt nichts Schöneres, und das wollen wir den Fans zeigen - vor allem aber natürlich ein gutes und erfolgreiches Spiel.

Die Mannschaft steht hinter Joachim Löw

Was die Situation um Joachim Löw angeht, wird im Moment natürlich auch eine gewisse Unruhe von außen hineingetragen. Davon lassen wir uns nicht beeindrucken, sondern konzentrieren uns zu hundert Prozent auf die bevorstehenden Aufgaben. Die Mannschaft steht hinter ihm und ich hoffe, dass der Bundestrainer auch nach der WM Joachim Löw heißt.

Wenn Ihr mich nach den Stärken und Schwächen von Argentinien fragt, ist klar, dass ihre Offensive ohne Zweifel zu den besten zählt, die es gibt. Sie haben fantastische Einzelspieler, allen voran Lionel Messi. Da kann jeder ein Spiel entscheiden und mit einer Aktion den Unterschied ausmachen. Das zeigt sich gerade bei engen Begegnungen auf hohem Niveau.

Dennoch hatten sie Probleme in der WM-Qualifikation und sind nicht so souverän aufgetreten, wie man das eigentlich von den Argentiniern gewohnt ist. Da waren sie vor allem in der Defensive anfällig. Das zeigt, dass auch große Mannschaften Schwächen haben.

Maradonas Solo gegen England war Wahnsinn

Diego Maradona habe ich zur Hochphase seiner Karriere leider nicht mitbekommen, weil ich noch etwas zu klein war, aus diesem Grund habe ich auch keine bewusste Erinnerung an ihn. Dennoch war sein Name auf dem Bolzplatz nicht wegzudenken und ein großer Begriff. Einer wollte immer Maradona sein.

Er hatte eine unglaublich enge Ballführung, ein hohes Tempo beim Dribbling und war wahnsinnig schwer vom Ball zu trennen. Wenn ich an seinen Sololauf im Spiel gegen England bei der WM 1986 denke, wo er über das gesamte Spielfeld dribbelt und nicht aufzuhalten ist - Wahnsinn.

Da wir gegen Argentinien auf Lionel Messi treffen, dachte ich mir, ich stelle Euch noch meine Top-5-Stürmer vor. Mein persönliches Ranking - mit aktuellen und ehemaligen Weltklasse-Stürmern.

Lionel Messi

Bei Lionel Messi beeindruckt mich neben seiner ganzen fußballerischen Klasse und seinem unglaublichen Talent vor allem auch die Tatsache, dass er sehr gelassen und entspannt wirkt. Er gibt alles für die Mannschaft und entscheidet Spiele oft allein. Er bekommt Lob von allen Seiten und bleibt dabei total unaufgeregt. Das zeichnet für mich auch eine große Persönlichkeit aus.

Didier Drogba

Didier Drogba wurde ja erst recht spät Profi. Sein Durchbruch gelang ihm bei Marseille und im Jahr 2004 wechselte er dann zum FC Chelsea in die Premier League. Er gehört für mich zu den besten Stürmern der Welt, mit seinem unbändigen Willen. Der Ivorer ist körperlich sehr stark, nur sehr schwer zu verteidigen und vom Ball zu trennen.

Zlatan Ibrahimovic

Der Schwede verbindet für mich alles in einem - Dynamik, Wucht und eine sehr gute Technik. Er ist unheimlich selbstbewusst, und genau das braucht er auch für sein Spiel. Zlatan Ibrahimovic ist ein absoluter Torjäger und ich bin mir sehr sicher, dass er überall auf der Welt seine Treffer erzielt. In Italien hat er es schon gezeigt, und beim FC Barcelona macht er weiter - das musste zuletzt auch der VfB schmerzhaft erfahren.

Romario

Die Verbundenheit zu Romario lag in erster Linie an unserem "fast" gleichen Namen. Das fand ich als kleiner Junge einfach cool. Die WM 1994 in Amerika war das erste große Turnier, das ich bewusst wahrgenommen habe. Und da ist Brasilien direkt Weltmeister geworden - auch dank der Tore von Romario. Er war ein großartiger Stürmer, der mich in jungen Jahren beeindruckt hat.

George Weah

Es war das Spiel zwischen dem AC Milan und Hellas Verona in der Saison 1996/97, als George Weah den Ball nach einer Ecke des Gegners im eigenen Strafraum aufnahm und einen unnachahmlichen Sprint über das gesamte Spielfeld hinlegte - und ein Tor erzielte. Er war nicht aufzuhalten, vereinte eine große Explosivität und Genauigkeit im Abschluss. Ein unglaublicher Treffer, den ich mir noch immer gerne ansehe.

Euer Mario

 

 

 

 

 

Mario Gomez, geboren am 10. Juli 1985 in Riedlingen, gehört zu den besten Stürmern Deutschlands. Von 2001 bis 2009 ging er für den VfB Stuttgart auf Torejagd. Seit dieser Saison spielt Gomez für den FC Bayern München. Mit der Nationalmannschaft wurde er 2008 in Österreich und der Schweiz Vize-Europameister. Mehr Informationen über Mario Gomez gibt es unter www.mario-gomez.de.

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