Fussball

Vorsicht vor der russischen Geheimwaffe

Von Für SPOX in Moskau: Stefan Rommel
Am Samstag treffen in Moskau u.a. Alan Dsagojew (l.) und Michael Ballack aufeinander
© Getty

Es kommt zum Duell der Zwillinge und zum Duell der Super-Techniker. Und Michael Ballack erwartet eine IQ-Schlacht (17 Uhr im LIVE-TICKER). Der Head-to-Head-Vergleich zum entscheidenden Qualifikationsspiel des DFB-Teams in Russland.

Alle Augen richten sich auf Moskau: Selbst der Rest Europas hält vor dem Spiel der Spiele den Atem an.

Russland gegen Deutschland, Zweiter gegen Erster der WM-Qualifikationsgruppe 4. Vor dem Knaller im Moskauer Luschniki-Stadion ist nur eins klar: Die Russen müssen gewinnen, um die direkte Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika aus eigener Kraft zu schaffen.

Dementsprechend offensiv wird Trainer Guus Hiddink seine Sbornaja gegen Deutschland ins Rennen schicken. Bundestrainer Joachim Löw dagegen wird sehr wahrscheinlich auf das neu installierte 4-2-3-1 zurückgreifen, um dem russischen Angriffswirbel eine gestärkte Mittelfeldformation entgegenzustellen.

Die einzelnen Positionen und ihre jeweiligen Protagonisten im Head-to-Head-Vergleich von SPOX.

Torhüter: Akinfejew vs. Adler:

Eine der Schlüsselpositionen des Spiels. Im Prinzip könnten Akinfejew und Adler auch Zwillinge sein.

Beide stark im Rauslaufen und als Spezialwaffe mit ungeheuren Reflexen ausgestattet.

Sind auch mit dem Fuß recht gut unterwegs. Allerdings kleiner Vorteil für Akinfejew: Der Russe ist deutlich erfahrener als Adler.

 

 

Sturm gegen Abwehr: Kerschakow/Arschawin vs. Mertesacker/Westermann

Eine ganz heikle Kiste. Beide Russen sind schnell und wuselig, mit sehr viel Witz und Esprit gesegnet. Kerschakow wird wohl den Vorzug vor Pogrebnjak (nicht unbedingt Hiddinks Liebling) und Pawljutschenko (war einige Wochen verletzt) erhalten.

Sollten wirklich beide im Sturmzentrum spielen, dürfte die deutsche Innenverteidigung in der Luft kaum Probleme bekommen. Am Boden sieht's aber schon ganz anders aus. Kerschakow ist ein Allrounder im Sturm, wie Real Madrids Raul: Kann nichts hervorstechend gut, aber von allem etwas. Guter rechter Fuß, schneller Antritt, kalt vor dem Tor.

Und Arschawin ist eine Geschichte für sich. Der Hoffnungsträger schlechthin in Russland. Löw über den Arsenal-Star: "Er ist der Spieler, der die meisten Freiheiten in der Offensive bekommt. Er schleicht meist über links ins Zentrum, wechselt aber auch viel. Wir müssen ihn doppeln."

Sollte Arschawin als hängende Spitze mehr über die linke Seite kommen, könnte ihn Friedrich wie im Hinspiel übernehmen. Für die Innenverteidiger wird das Stellungsspiel von zentraler Bedeutung sein. Sind die Russen erstmal entwischt, sind sie fast kaum mehr zu verteidigen.

Flügel gegen Außenverteidiger: Bystrow/Syrianow vs. Friedrich/Lahm

Es ist stark davon auszugehen, dass Lahm wieder auf die linke Seite rücken wird. Also bleibt Friedrich wie schon im Hinspiel die Mammutaufgabe: Im Verbund mit Schweinsteiger gegen Arschawin und/oder Syrianow und wenn es ganz übel kommt, auch noch den offensivstarken Schirkow.

Syrianow ist wie Kerschakow und Arschawin der wendige Spielertyp, hat die Bayern mit St. Petersburg vor zwei Jahren fast im Alleingang auseinandergenommen. Bystrow ist im Prinzip das passende Gegenstück auf der linken Seite.

Ein Dribbler vor dem Herrn, aber nicht unbedingt torgefährlich. Auch wenn er zuletzt viermal in vier Spielen getroffen hat. Insofern ist Lahm der perfekte Gegenspieler für Bystrow - der macht wenig nach hinten, Lahm kann dafür umso mehr nach vorne Druck machen.

Friedrich sollte sich wie schon im Hinspiel komplett auf die Defensive konzentrieren - hat der Berliner einen Gegenspieler, den er ausschalten soll, zeigt er im DFB-Team seine besten Leistungen.

Schaltzentrale gegen Schaltzentrale: Semak/Semschow vs. Ballack/Hitzlsperger

Das Duell der Gehirne. Semak ist der Taktgeber des russischen Spiels, der unumstrittene Anführer der Sbornaja. Jeder Angriff wird über den Mann vor der Abwehr eingefädelt.

Semak rückt oft sehr weit mit auf, um die Außen im Passspiel zu unterstützen. Hier liegt eine große Möglichkeit für Özil...

Semaks kongenialer Partner daneben ist Semschow. Passsicher und mit extrem viel Übersicht ausgestattet, allerdings im Zweikampf mit zu wenig Schmackes. Das Gute: Von beiden geht wenig Torgefahr aus, weil beide zu selten in die kritische Zone vor dem Tor mit aufrücken.

Sehr wahrscheinlich wird Semschow die Aufgabe haben, den nachrückenden Ballack in seinem Wirken einzuschränken. Geht der deutsche Kapitän öfter mit Zug durch die Mitte zum Tor, zieht Semschow mit. Die Folge ist ein Loch im Halbraum vor dem russischen Tor - die nächste Möglichkeit für Özil...

Hitzlsperger wird sich zunächst verstärkt auf die Defensive einrichten müssen, viele Möglichkeiten zum Torabschluss wird es für den Stuttgarter nicht geben. Es sei denn aus der zweiten oder dritten Reihe. Trotzdem könnte der zuletzt im Verein schwache Hitz ein Risikofaktor des deutschen Spiels sein.

Flügel gegen Außenverteidiger: Anjukow/W. Beresutski vs. Podolski/Schweinsteiger

Klumpfuß Anjukow ist nicht der offensivstärkste, aber in der Defensive ein beinharter Geselle. Podolski darf sich von den beherzten Tacklings nicht gleich den Schneid abkaufen lassen. Auf der linken deutschen Seite liegt aber eine große Chance. Lahm und Podolski können den Russen so richtig zusetzen.

Auf der anderen Seite bekommt es Schweinsteiger wohl mit Beresutski zu tun. Schirkow ist seit längerem verletzt und wird offenbar nicht rechtzeitig fit.

Wenn der Münchener neben seinen Defensivaufgaben noch Zeit für ein bisschen Offensive fände, ist auch hier einiges möglich. Beresutski wäre schließlich nur die Notlösung auf der linken Seite.

Abwehr gegen Sturm: Ignaschewitsch/A. Beresutski vs. Özil/Klose

Zwei russische Betonklötze gegen zwei sehr bewegliche Stürmer. Wobei Özil nur bei passender Gelegenheit mit in die Spitze gehen soll und ansonsten der zentrale Anspielpunkt der deutschen Offensive ist.

Der Youngster soll vielmehr in die Freiräume zwischen dem defensiven Mittelfeld und der Viererkette der Russen stoßen, um dort seine Torgefahr auszuspielen. Klose ist gegenüber den hölzernen Innenverteidigern das reinste Bewegungstalent, soll sich wie immer gut bewegen und die Russen so beschäftigen.

Gegen die kopfballstarken Ignaschewitsch und Beresutski soll Klose auch im Luftkampf die Bälle behaupten.

Geheimwaffe gegen Geheimwaffe: Alan Dzagoew vs. Marko Marin

Der heimliche Superstar der Sbornaja. Bis jetzt taucht der Regisseur von ZSKA Moskau in keiner voraussichtlichen Aufstellung auf, aber wer Guus Hiddink und seinen Sinn für Überraschungen kennt, dem kommt schnell Dzagoew in den Sinn.

Im Prinzip ein zweiter Arschawin, schnell, trickreich, wendig, torgefährlich. Auch der perfekte Joker, sollten die Russen noch mehr Druck machen müssen.

Die deutsche Antwort auf Dzagoew ist  Marin. Podolski ist alles andere als gesetzt auf der linken Seite, gegen den hüftsteifen Anjukow könnte Marin seine überragende Stärke im Dribbling ausspielen.

Der Bremer ist nach ein paar Anlaufschwierigkeiten in Bremen momentan in absoluter Topform und wäre mit seiner Spielweise ein Farbtupfer im eher defensiv ausgerichteten deutschen Spiel.

Alles zur deutschen Qualifikationsgruppe

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