Fussball

Guus Hiddink vs. Joachim Löw: Vorteil Russland

Von Für SPOX in Moskau: Stefan Rommel
Guus Hiddink (l.) und Joachim Löw: unterschiedliche Wege zum Erfolg
© Getty

Michael Ballack, Mario Gomez oder Andrej Arschawin: Die Spieler stehen im WM-Quali-Spiel zwischen Russland und Deutschland (Sa., ab 16.30 Uhr im LIVE-TICKER) im Vordergrund. Doch die heimlichen Stars werkeln im Hintergrund. SPOX vergleicht die Trainer und stellt fest: die Sbornaja ist im Vorteil.

Ein dunkles Kapitel haben beide in ihrer Vita: Es ist der Karlsruher SC. Guus Hiddink und Joachim Löw haben große Karrieren hingelegt oder sind auf dem besten Weg dorthin. Aber an Karlsruhe erinnern sich beide nur noch sehr ungern.

Löw war nach seinem erfolgreichen Intermezzo in der Türkei Anfang des Jahrtausends als Retter in den Wildpark gekommen. Nach nur einem lumpigen Sieg aus 18 Spielen scheiterte er kläglich, der KSC stieg noch im selben Jahr aus dem Profi-Fußball ab.

Sechs Jahre zuvor erlebte Hiddink an selber Stelle seine bis heute schwärzeste Stunde: Als Tabellenführer der Primera Division und mit einem 3:1-Hinspielsieg reiste der Niederländer mit dem FC Valencia im UEFA-Cup an und verlor 0:7.

Impulse von der Bank mitentscheidend

Zwei Episoden, die eher zufällig einen gemeinsamen Nenner haben. Vor dem vorentscheidenden WM-Qualifikationsspiel Russland gegen Deutschland am Samstag (ab 16.30 Uhr im LIVE-TICKER) standen bisher immer die Spieler und deren Befindlichkeiten im Vordergrund.

Die heimlichen Stars aber werkeln im Hintergrund. Nicht nur Ballack, Arschawin, Gomez oder Pawljutschenko entscheiden die Partie am Samstag. Von entscheidender Bedeutung werden die Impulse von der Bank sein. Ein Vergleich der beiden Trainer und ihrer Philosophien.

Die Ausgangslage:

Obwohl die Russen gewinnen müssen, ist der Druck auf Guus Hiddink relativ moderat. Niemand in Russland würde den Niederländer in Frage stellen, würde die Sbornaja als Gruppenzweite in die Playoffs müssen.

Hiddinks Beliebtheitsgrad in der Bevölkerung erreicht ungeahnte Höhen: Eine Umfrage der "Moscow News" sieht den 62-Jährigen derzeit als beliebtesten Ausländer der russischen Föderation. 47 Prozent der Befragten würden sich Hiddink als Staatschef wünschen - und nicht Medwedew oder Putin.

Der Druck auf Löw ist ungleich höher. Noch nie ist Deutschland sportlich in einer WM-Qualifikation gescheitert, zuletzt war der DFB vor 41 Jahren nicht mehr bei einem Großereignis vertreten. 1967 scheiterte Deutschland in der Qualifikation für die EM ein Jahr später. Auch wenn Präsident Dr. Theo Zwanziger dem Bundestrainer auch im schlimmsten Falle eine Art Jobgarantie ausstellte, dürfte klar sein: Scheitert Löw, dann wird eine weitere Zusammenarbeit fast unmöglich.

Die Karriere:

Hiddink war ein eher durchschnittlich begabter Spieler mit Stationen in Eindhoven, Washington, San José und Nijmegen - also verdingte er sich schnell als Trainer. Der Durchbruch gelang 1998, als er mit dem PSV den Europapokal der Landesmeister holte. Seitdem geht es im Prinzip nur bergauf, als Nationaltrainer schaffte er es schon fünfmal, sich für ein großes Turnier zu qualifizieren.

Löw kam 1997 quasi aus dem Nichts zum Cheftrainer-Job beim VfB Stuttgart, packte seine Chance aber beim Schopf. Dennoch musste er nach einer erfolgreichen Saison gehen, weil er Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder nicht glamourös genug war. Nach Stationen in der Türkei und Österreich kehrte er nach Deutschland zurück. 2004 holte ihn Jürgen Klinsmann als Co-Trainer in sein Team, zwei Jahre später wurde er Cheftrainer.

Die Geschichte:

Hiddink hat den schlafenden Riesen wachgeküsst. Seit der Niederländer im Sommer 2006 seinen Job angetreten hat, hat sich aus einem darbenden Haufen talentierter Spieler eine funktionierende Mannschaft gebildet. Hiddink hat als erster Trainer seit Perestroika und Glasnost die Politik voll und ganz hinter sich gebracht, das Volk und die Spieler lieben ihn. Die Sbornaja schwebt auf einer Welle der Begeisterung, ähnlich wie Deutschland damals nach dem Sommermärchen.

Löw führt Klinsmanns Werk in seinem Sinne fort und will aus einer auf Emotionen basierenden Mannschaft eine spieltaktisch reife und ausgewogene Mannschaft formen. Das Vorhaben schien im März 2007 beim Auswärtssieg in Tschechien schon am Ziel angelangt, seitdem aber unterliegt sein Team immer wieder starken Leistungsschwankungen.

Die Einflüsterer:

Sascha Borodjuk und Urs Siegenthaler. Borodjuk ist der Mittelsmann zwischen Hiddink, der kein Wort russisch spricht, und der Mannschaft. Auf das Wort des Ex-Schalkers vertraut Hiddink, er ließ und lässt sich Mentalität, Kulturkreis, die russische Denkweise und seine Nationalität erklären. So findet er Zugang zu den Spielern.

Löws rechte Hand ist vordergründig Hansi Flick. Im Hintergrund aber zieht Siegenthaler die Fäden. Der Schweizer ist Löws Borodjuk, allerdings zumeist in anderer Rolle. Bei Siegenthaler holt sich Löw alle Informationen über den Gegner ein und legt sich im Dialog seine Taktik zurecht. Die Sitzungen mit Siegenthaler und Flick dauern nicht selten mehrere Stunden. Siegenthaler ist das Mastermind aller taktischen Schachzüge.

Hiddink vs. Löw, Teil II: die Philosophie und der Spezialkniff

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