Normen und Werte im Nachwuchsbereich

Mahnmal Kroos und seine Folgen

Von Florian Bogner / Philipp Dornhegge / Stefan Moser
Donnerstag, 26.03.2009 | 15:38 Uhr
Optimal vorbereitet aufs Profi-Leben? Die Hertha-Youngster Bigalke, Hartmann, Riedel und Radjabali
© Imago
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"Fehler sind für uns Lerngelegenheiten", sagt der Pädagoge, der an der Sporthochschule in Köln studiert hat. "Jugendliche machen Fehler. Wir müssen ihnen Möglichkeiten aufzeigen, wie sie es vermeiden können, diese Fehler zu wiederholen."

Und Fehler sieht auch Ingo Anderbrügge vom DFI noch genügend - vor allem beim Blick auf die Bundesliga: "Eines stört mich am heutigen Fußball am allermeisten: Hochbezahlte Profis als Jammerlappen", sagt der ehemalige Schalker und nennt konkrete Beispiele.

Ein Wink an die heutigen Profis

"In der Halbzeit die Mannschaft im Stich lassen, sich über mangelnde Einsatzzeiten beschweren, ständig mit dem Schicksal hadern - das sind Dinge, die gehen einfach nicht", so Anderbrügge. Bei einem Auszubildenden könnte man das noch verstehen, "aber nicht bei einem gestandenen und hoch bezahlten Profi". Er ist überzeugt, "dass ein gut geschulter Spieler solche Situationen anders löst".

Und so steht auch der Umgang mit den Medien im Lehrplan. Den Internatsschülern am DFI, die unter anderem mit den Nachwuchsmannschaften der Bundesligisten Borussia Dortmund, Schalke 04 und VfL Bochum trainieren, soll schon früh Routine im Umgang mit Journalisten beigebracht werden.

"Wir planen zum Beispiel mit unseren Spielern eine Radiosendung selbst zu produzieren, wo sie selbst mal Interviews führen und die Hintergründe kennenlernen", erzählt Anderbrügge. "Und ganz ehrlich: Mein allererstes Interview als Spieler war ja auch deutlich schwächer als mein fünfundzwanzigstes."

Mit Videoanalysen gegen Kritikresistenz

Kritikfähigkeit ist vor allem bei älteren Semestern ein heikles Thema. Dem kommen Krücken in Berlin und Eglinski in Marl mit Videoanalysen bei.

Bei der Hertha werden die Spieler während des Trainings, ohne das sie es mitbekommen, gefilmt, "hinterher schauen wir uns das mit den Spielern an. Da geht es sowohl ums Taktische als auch ums Verhalten mit den Mannschaftskameraden und um die Körpersprache", erklärt Krücken.

Auch beim DFI stellen viele Jugendliche dann fest, "wie sie vor der Gruppe stehen und rumzappeln, einen fahrigen Eindruck machen und den Blickkontakt nicht suchen", ergänzt Eglinski.

"DFB kocht seine eigene Suppe"

Neben aller Eigenverantwortung der Vereine geht auch der DFB den neuen Weg und vergibt herausragenden Jugendabteilungen die Lizenz "Nachwuchsleistungszentrum". "Ich glaube, dass die entscheidenden Personen erkannt haben, dass wir bei unseren Jugendlichen eine bedenkliche Entwicklung haben", sagt Eglinski.

Er selbst ist von der Zusammenarbeit mit dem DFB jedoch ein wenig enttäuscht. "Die kochen lieber ihre eigene Suppe", sagt er.

"Wenn man Vorschläge unterbreitet - selbst wenn man Theo Zwanziger persönlich anspricht - wird das an die entsprechenden Stellen weitergeleitet und dann hört man nie wieder was von ihnen." Fünf, sechs Jahre später bekomme man dann mit: Der DFB arbeitet an einem Konzept, das man vor langer Zeit schon vorgeschlagen hat.

Bei der Hertha hat man deswegen kein Problem, sich auch mit anderen Vereinen auszutauschen. Trotz diverser Ansätze im Nachwuchsbereich "sitzen wir doch alle in einem Boot und wollen den deutschen Fußball nach vorne bringen", sagt Krücken, der den Kontakt zu anderen Trainern bewusst sucht.

Als Beispiele von Bundesligisten, die auf ähnlichem Niveau wie die Hertha arbeiten, nennt Krücken den FC Bayern München, den 1. FC Köln, den VfB Stuttgart und 1899 Hoffenheim.

Ein Buch von Labbadia

Der 48-jährige Eglinski ist froh, dass sich die Wahrnehmung in Deutschland mittlerweile geändert hat. In Zeiten, in denen man Pädagogen bei Bundesliga-Vereinen wohl noch vom Hof gejagt hätte, arbeitete er schon mit Mario Basler oder Bruno Labbadia in puncto Persönlichkeitsbildung zusammen.

Bruno Labbadia ist für ihn ein gutes Beispiel: "Der kam mit wenigen Anleitungen gut zurecht, weil er auch mal ein Buch zur Hand nimmt und sich selbst bildet. Auf der anderen Seite habe ich Spieler erlebt, die in ihrer 15-jährigen Karriere als Fußball-Profi nicht ein einziges Buch gelesen haben."

Bei Toni Kroos muss es nicht soweit kommen. Schließlich hat der nun in Leverkusen - Bruno Labbadia als Trainer.

Hertha-Nachwuchscoach Thomas Krücken im SPOX-Interview

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