Kapitän sucht Gefolgschaft

Von Stefan Rommel
Donnerstag, 26.03.2009 | 23:03 Uhr
Ballack bestreitet gegen Liechtenstein sein 91. Länderspiel - und steht unter Beobachtung
© Getty
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Bei den Spielen gegen Liechtenstein und Wales steht besonders Michael Ballack im Fokus. Der Kapitän ist auf der Suche nach dem richtigen Maß - und seiner Zeit schon weit voraus.

"Jeder freut sich, zu seinen Wurzeln zurückkommen zu können. Das mache ich auch." Michael Ballack wirkte auf der Pressekonferenz am Donnerstag zufrieden.

Der gebürtige Sachse Ballack kehrt zurück in die größte Stadt seines Bundeslandes. 2005 war er mit der deutschen Nationalmannschaft schon einmal hier. Der Besuch gilt als Fixpunkt auf dem Weg zum damaligen Sommermärchen.

Im Spiel um Platz drei wurde im nagelneu umgebauten Zentralstadion Mexiko in einem mitreißenden Spiel 4:3 geschlagen. Die Erinnerungen an Leipzig sind sehr gut.

Voller Fokus auf Ballack

Im Frühjahr 2009 heißt der Gegner in der WM-Qualifikation zwar nur Liechtenstein und von einem deutlichen Sieg der DFB-Auswahl gegen das drittklassige Fürstentum ist auch auszugehen. Es gibt wenige Spiele, die schon im Vorfeld so eindeutig zu prognostizieren sind.

Nur eine Sache verschleiert den klaren Blick auf den Auftritt der DFB-Elf am kommenden Samstag. Eine Sache, die seit Monaten schon Fragen aufwirft: Wie wird Kapitän Ballacks Spiel sein? Wie sein Verhältnis zu den Teamkollegen und sein Draht zu Bundestrainer Joachim Löw?

Seit zehn Jahren dabei

Es wird die spannendste Frage des Abends. So viel ist geschrieben worden seit den öffentlich gemachten Streitereien mit Teammanager Oliver Bierhoff, mit Löw, mit einzelnen Mannschaftskollegen.

Seit fast zehn Jahren streift sich Ballack mittlerweile schon das Trikot mit dem Adler über. 1999 gab er gegen Schottland sein Debüt, nur zwei Jahre später war er schon einer der Führungsspieler. Drei Ballack-Tore sicherten Deutschland in den Playoffs gegen die Ukraine den Weg zur WM 2002.

"Kann es nicht jedem Recht machen"

Seither war der 32-Jährige unumstritten. Bis zur EM im vergangenen Jahr. Die letzten sechs Monate fokussierte sich das Augenmerk um Ballack weg vom Spielfeld - und hin zu Nebenkriegsschauplätzen, zuletzt der angeblich herrische Führungsstil des Kapitäns.

Die "SportBild" will nun einen Sinneswandel bei ihm festgestellt haben: "Jetzt geht Ballack auf Schmusekurs".

Davon will Ballack aber nichts wissen: "Ich bin der Typ, der ich immer war und habe meinen Stil nicht verändert. Ich habe mich entwickelt, aber nicht verändert. Ich bin einer, der offen ist. Aber man kann es auch nicht jedem Recht machen."

WM 2010 als letzte Chance

Ungewollt umgibt Ballack eine undurchsichtige Aura. Gerade deshalb steht er selbst gegen einen Gegner von zweifelhaftem internationalem Format wie Liechtenstein auf dem Prüfstand.

Aber Ballack wäre nicht Ballack, würde er nicht schon längst in größeren Dimensionen denken, weit weg von der Diskussion um seine Person.

Drei große Finals hat er schon verloren - und das Halbfinale 2006 bei der Heim-WM gegen Italien.

Viele Chancen bekommt er nicht mehr, vielleicht ist die WM 2010 schon seine letzte. Deshalb zieht er jetzt, zum Unzeitpunkt, verbal schon wieder die Zügel an.

Der Kapitän fordert Weitsicht

"Jetzt wird der Grundstein dafür gelegt, dass wir dann bei der WM die Spiele, die im übertragenen Sinne über Leben und Tod entscheiden, erfolgreich gestalten können. Darauf versuche ich als Kapitän hinzuweisen", sagte Ballack.

Und fügte später, seiner Zeit schon sehr weit voraus, hinzu: "Wir werden uns für die WM qualifizieren. Wir werden bei der WM die Vorrunde wieder überstehen, auch wenn es eng werden kann. Aber dann kommen die Spiele gegen die großen Mannschaften. Da muss man eben auch höher gehandelte, bessere Mannschaften schlagen, wie es uns im EM-Finale gegen Spanien nicht gelungen ist. Diese Weitsicht muss jetzt schon jeder haben, das ist wichtig."

Ohne Frings aber mit Lehmann?

Davor wird für Ballack Liechtenstein auch so etwas wie eine Probe aufs Exempel.

Sein Adjutant Torsten Frings ist nicht dabei; und ob er so richtig noch mal wiederkommen wird, ist noch nicht sicher.

Jens Lehmann hat vor etlichen Monaten schon aufgehört. Und ob er noch einmal wiederkommt? Nicht ausgeschlossen! Das jedenfalls berichtet die renommierte "Süddeutsche Zeitung".

Unter Berufung auf interne Quellen meldet die Zeitung, Lehmann denke - angesichts der "verführerisch offenen Torwartfrage" tatsächlich über ein Comeback nach. "Jens Lehmann, 39, der Vorgänger von Adler und Enke und Wiese, kann sich offenbar gut vorstellen, auch ihr vorübergehender Nachfolger zu werden", so die "SZ".

Neue Hierarchie mit Lahm und Schweinsteiger

Doch selbst wenn es dazu wirklich kommen sollte: Ballack muss in Sachen Hierarchie schon ein wenig für die Zukunft proben - und sich neue Helferlein zur Seite ziehen. Spieler, die Verantwortung über- und von ihm abnehmen.

Ballack: "Spieler wie Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger gehören zum Gerüst derjenigen, die diese Rolle auch ausfüllen. Sie müssen sich nun Schritt für Schritt mit einbringen. Da ist jeder gefragt und angehalten, sich den Aufgaben zu stellen."

Miroslav Klose hat er in diesem Zusammenhang nicht genannt. Klose hatte ihn angegriffen, jetzt konterte Ballack nur lakonisch. "Ich kann mit dieser Aussage nichts anfangen und habe mit Miro bisher nicht darüber gesprochen. Ich weiß nicht, was er damit bezwecken wollte."

"Es muss auch mal Reibung da sein"

Vielleicht will Ballack damit zu viel Ruhe und Selbstzufriedenheit vorbeugen, die sich schnell wieder einschleichen könnte. "In einer Mannschaft muss es Spannungen geben, und die darf man auch nicht einfach nur wegwischen oder glätten. Es ist nicht immer nur eitel Sonnenschein, sondern es muss auch mal Reibung da sein."

Vielleicht steckt er auch nur sein Revier ab. Der Auftritt gegen Liechtenstein und vor allem dann gegen Wales in Cardiff wird Aufschluss darüber geben, wie sehr Ballack schon wieder der Chef der deutschen Auswahl ist.

Ein Ende der Diskussionen

"Man muss einfach mehr tun, da muss jetzt eine Reaktion kommen. Und die wird auch kommen", verspricht Ballack.

DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, der sich zuletzt negativ über die gezeigten Leistungen geäußert hatte, baut weiteren Diskussionen schon einmal vor.

"Wenn die Mannschaft eine gute Leistung abliefert, was ich erwarte", sagte Zwanziger, "werden bestimmte Dinge, die zuletzt diskutiert wurden, auch kein Thema mehr sein."

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