Fussball

Gegen die Blockade

Von Für SPOX in Leipzig: Stefan Rommel
Mit Volldampf zum Torerfolg: Mario Gomez will gegen Liechtenstein unbedingt treffen
© Getty

Gegen Liechtenstein will Mario Gomez endlich seinen ganz persönlichen Albtraum beenden und seinen Wert für die deutsche Nationalmannschaft unter Beweis stellen.

Die Zahlen sprechen eindeutig für Mario Gomez. 36 Pflichtspiele hat der 23-Jährige in dieser Saison für seinen Arbeitgeber VfB Stuttgart absolviert. Die Quote von 32 Scorerpunkten, darunter 25 Tore, ist atemberaubend.

Die Zahlen sprechen eindeutig gegen Mario Gomez. Seit einem Jahr und zwei Tagen ist er für den Deutschen Fußball Bund ohne Tor. Zwölf Spiele hat Gomez nicht mehr getroffen. Die Quote von 545 Minuten ohne eigenen Torerfolg ist für einen Stürmer - für den deutschen Stürmer derzeit - ebenfalls atemberaubend.

VfB- und DFB-Gomez

Gibt es zwei Gomez', einen VfB- und einen DFB-Gomez? Fast scheint es so. Da trifft es sich ganz prima, dass die deutsche Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation mit Liechtenstein auf den schwächsten aller Gruppengegner trifft, das ganze noch zu Hause und dass Mario Gomez von Beginn an stürmen wird (19.45 Uhr im LIVE-TICKER).

"Wenn nicht jetzt, dann nie", könnte sich Gomez denken. Aber selbst im zarten Alter von 23 Jahren ist Gomez schon so weit, um die Dinge differenzierter zu sehen und hinter den plumpen Zahlen mehr zu erkennen, als nur x-beliebige Serien.

"Teilweise war es Unvermögen, teilweise Pech, teilweise habe ich nur ein paar Minuten gespielt", sagt Gomez, der von einer reinen Kopf- und keiner Qualitätssache spricht.

Im Kopf sitzt immer noch eine Blockade

Im Verein läuft es schließlich prächtig, Gomez ist so gut drauf und fit wie noch nie - rein körperlich. Ganz weit hinten im Kopf sitzt aber noch eine kleine Blockade: "Vielleicht ist es bei mir doch auch eine Kopfsache. Diese vergebene Chance bei der EM war eben lange noch präsent."

Diese vergebene Chance. Die meisten denken wohl an die unwirkliche Szene gegen Österreich, als dem kaltschnäuzigen Gomez ein Fauxpas unterlief, wie er zwar immer mal wieder vorkommen kann, so aber nie vorkommen sollte.

Wer Gomez und vor allem sein Spiel aber besser kennt, dem dürfte wohl eher ein ganz anderer Handlungsstrang in den Sinn kommen. Bereits im ersten Spiel der EM gegen Polen kam ein etwas schlampig gespielter Querpass von Miro Klose angeflogen. Gomez machte sich lang - und grätschte den Ball mit der Zehenspitze am leeren Tor vorbei.

Nun zeigte der Stuttgarter in jenem Spiel trotzdem eine ansprechende Leistung, für seinen Werdegang beim ersten großen Turnier seiner Karriere war die vergeben Großchance allerdings so etwas wie der frühe Genickbruch.

Mit nur einer Aktion zurück im Spiel

Manchmal, in der Bundesliga, gibt es auch Spiele, bei denen lange nichts läuft. Dann aber bringt ihn eine einzige Aktion, die nicht mal zwingend in einem Treffer enden muss, zurück ins Spiel. Zu seinem Spiel.

Dieses frühe Erfolgserlebnis war auch bei den Titelkämpfen in Österreich und der Schweiz möglich. Gomez hat es im wahrsten Sinne des Wortes verpasst. Die Chance gegen Österreich machte sein Scheitern plastisch.

Die gegen die Polen aber hat ihm, dem davor alles geglückt war und für den es nur bergauf ging, gezeigt, dass auch er verwundbar ist.

Knapp zehn Monate später sind die Erinnerungen an die EM nur noch rudimentär vorhanden. Sagt zumindest Gomez selbst. "Die Erlebnisse beim EM-Turnier kannte ich in dieser Art noch nicht. Damit habe ich mich auch eine ganze Zeit lang beschäftigt. Jetzt ist aber alles verarbeitet."

Gomez ist gereift

Und jetzt ist auch Liechtenstein. Gomez geht mit Schwung in das 13. Spiel seit seinem letzten Tor beim 4:0-Auswärtssieg in der Schweiz. Die Verarbeitung der EM hat ihn in seinem Reifeprozess einen großen Schritt nach vorne gebracht.

"Ich erwarte von uns, dass wir ein gutes Spiel abliefern und überzeugend gewinnen. Und das erwarte ich auch von mir. Das Ergebnis ist dabei zweitrangig."

Gomez ist erstaunlich reif, seine Gelassenheit wirkt nicht aufgesetzt wie bei vielen anderen seiner jungen Kollegen. Trotz oder vielleicht sogar wegen der schlechten Phasen, die er auch mit dem VfB Stuttgart durchlief. Jetzt steht er wieder oben. Und mit ihm der VfB.

Gomez profitiert von Babbels Spiel-Philosophie

Einen nicht unerheblichen Anteil daran hat sein neuer Trainer Markus Babbel. "Ich bin kein Spieler, der sich an der Mittellinie den Ball holt und dann zehn Gegner ausdribbelt. Markus lässt uns wieder einen erfrischenden, zielstrebigen und laufintensiven Fußball spielen, davon profitiere ich."

Beim Länderspiel in Düsseldorf gegen Norwegen zeigte er eine ansprechende Leistung, aber er erzielte kein Tor. Die Folge waren Pfiffe der eigenen Fans, als er sich durch die Stadionkatakomben auf den Weg zum Mannschaftsbus machte.

Vielleicht lag es aber auch an der Tatsache, dass Gomez ein paar Tage zuvor mit dem VfB Stuttgart in eben jenem Stadion den Übergangsmieter Bayer Leverkusen traf. Stuttgart zerlegte Bayer damals nach Belieben. Mario Gomez traf zweimal und war bester Mann auf dem Platz.

Mario Gomez im Steckbrief

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