"Habe kein Problem, meine Meinung zu sagen"

Von Interview: Stefan Rommel
Freitag, 27.03.2009 | 08:26 Uhr
Marcell Jansen absolvierte bisher 28 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft
© Getty
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Der Wechsel vom FC Bayern zum HSV hat Marcell Jansen richtig gut getan. Seit Wochen ist der 23-Jährige in Topform und überzeugte dadurch auch Nationaltrainer Joachim Löw. Im SPOX-Interview spricht der gelernte Linksverteidiger über seine Entwicklung zum Mittelfeldspieler, die Unterschiede zwischen Martin Jol und Jürgen Klinsmann und seine Sorge um Mönchengladbach. Zudem erklärt er, was es mit seiner Lebensmittelallergie auf sich hat.

SPOX: Herr Jansen, zum ersten Mal seit dem Testspiel gegen Belgien im August 2008 sind Sie wieder bei der Nationalmannschaft dabei. Was hat sich für Sie seitdem verändert?

Marcell Jansen: Für mich gilt es, das in den letzten Monaten Verpasste aufzuholen. In Hamburg ist für mich zuletzt alles gut gelaufen. Ich stand auch immer in Kontakt zu Joachim Löw, also war ich nie wirklich ganz weg bei der Nationalmannschaft. Es galt die Absprache, dass ich die Einzelspieltage dazu nutzen sollte, um mich körperlich wieder heranzuarbeiten. Das habe ich getan, jetzt bin ich hier.

SPOX: Hat Ihnen der Bundestrainer schon mitgeteilt, wo er Sie in seinen Planungen sieht - als linker Außenverteidiger oder im linken Mittelfeld?

Jansen: Beim HSV habe ich die meisten Spiele im Mittelfeld bestritten. Aber ab und zu war ich auch als linker Verteidiger aufgestellt. Je nachdem, wo ich der Mannschaft am besten helfen konnte. Es kam eine zweite Position für mich dazu. Jetzt wurde ich auch als Mittelfeldspieler berufen. Das zeigt, dass es für mich eine sehr positive Entwicklung war und dass ich mich unter neuen Voraussetzungen in den Blick der Nationalmannschaft gespielt habe.

SPOX: Es stellt für Sie aber kein Problem dar, sich immer umstellen zu müssen?

Jansen: Im Gegenteil. Durch die verschiedenen Interpretationen der Rollen und der Laufwege kann man auch noch viel dazulernen.

SPOX: Bei den Bayern wurden Sie aber offenbar nicht so gesehen: So variantenreich, so offensiv. Da waren Sie der Linksverteidiger Jansen, davor stand aber Philipp Lahm...

Jansen: Das ist so nicht korrekt. Im ersten Jahr habe ich Linksverteidiger gespielt und hatte insgesamt 30 Einsätze. Im zweiten Jahr hat das Gesamtbild dann nicht mehr gepasst, deshalb bin ich nach Hamburg gewechselt.  Dort konnte ich  mich weiterentwickeln. Genauso wie es im ersten Jahr bei den Bayern auch war. Bis zu meiner Verletzung habe ich in mehr als der Hälfte der Ligaspiele links gespielt und Philipp rechts. Das war sehr schön und sehr lehrreich. Bei Ottmar Hitzfeld war ich vom ersten Spieltag an Stammspieler. Dann kam die Verletzung und ich musste hinterherlaufen.. Aber solche Phasen gehören bei einem jungen Spieler auch dazu. Daraus habe ich gelernt.

SPOX: Jetzt spielen Sie in Hamburg. Was unterscheidet Martin Jol von Jürgen Klinsmann?

Jansen: Beides sind gute Trainer, aber mein Stellenwert ist ein ganz anderer. Deshalb wechselt man ja: Dort wird anders gearbeitet und es wurde für mich eine Perspektive gesucht. Ich habe die nötige Zeit bekommen und es wurde sehr gut analysiert, was bei mir in den letzten Jahren alles passiert ist.  Dann dauert es eben auch zwei, drei Monate länger - aber dann ist man in Topform.

SPOX: Wo fühlen Sie sich denn wohler: In der Abwehr oder im Mittelfeld?

Jansen: In Hamburg habe ich schnell gelernt, dass die Position im Mittelfeld gar nicht so viel offensiver ist als die hinten. Beide sind in der Defensivarbeit sehr anspruchsvoll. Es kommt immer darauf an, wie der Trainer die Position ausgefüllt haben möchte.

SPOX: In der EM-Vorrunde waren Sie nach dem Kroatien-Spiel der Buhmann. Hätten Sie sich da schon während des Spiels mehr Unterstützung gewünscht? Die Arrivierten wie Ballack oder Frings haben oft mit Ihnen gemeckert...

Jansen: Meckern würde ich nicht sagen. Ich hatte vorher und danach ein gutes Standing innerhalb der Mannschaft. Gegen Kroatien haben wir als Mannschaft nicht die Leistung gebracht, die wir bringen sollten.

SPOX: Aber Sie waren derjenige, an dem das festgemacht wurde...

Jansen: Das ist teilweise korrekt. Aber ich habe das nie so erwähnt, weil es nicht so aussehen sollte, als würde ich jammern. Wir waren als Mannschaft nicht gut und im Nachhinein war es einfach, es am Jüngsten festzumachen, der bei einem Gegentor nicht gut ausgesehen hat.  Dann kam die Schulterverletzung auch noch dazu. Die paar Tage danach hatte ich Zeit, alles zu verarbeiten. Und im Endspiel hat sich dann für mich alles wieder zum Guten gewendet.

SPOX: Sie haben im Finale gut gespielt...

Jansen: Das ist komischerweise untergegangen. Ich war nicht sauer, aber ich fand es schade. Ich war zuerst froh, ein EM-Finale gespielt zu haben, selbst wenn die Enttäuschung groß war, dass wir verloren haben.

SPOX: Und jetzt kehren Sie quasi in einer neuen Rolle ins Nationalteam zurück.

Jansen: Martin Jol hat mit mir gesprochen und meinte, dass die Defensivarbeit im Mittelfeld anfängt und die Gegner oft mit ihren rechten Verteidigern marschieren. Ich war schnell mit dem Trainer einverstanden, es war das Beste für die Mannschaft und nach und nach hat es sich so eingependelt. Für mich als junger Spieler war eine zweite Position sehr gut, ich wollte alles aufsaugen, alles mitnehmen und dadurch wieder ins Blickfeld geraten.

SPOX: Empfinden Sie deshalb auch ein bisschen Genugtuung?

Jansen: Nein, gar nicht. Genugtuung ist das falsche Wort. Das erste Jahr in München hat mir richtig Spaß gemacht, da war richtig Feuer drin. Die Meinungen sind mit dem neuen Trainer auseinander gegangen, aber das ist jetzt abgehakt.

SPOX: Ist Ihnen Michael Ballack in seinem Umgang auch zu hart?

Jansen: Für mich gar nicht. Ich bin mit ihm nie wirklich angeeckt. Und wenn, dann finde ich es auch normal, wenn von einem älteren oder erfahrenen Spieler die Meinung als Hilfestellung oder Wachrütteln kommt. Das ist völlig in Ordnung. Im Gegenteil: Ich habe oft viel Lob bekommen von ihm oder von Torsten Frings. Ich hatte da nie ein Problem damit. So lange jeder seine Leistung bringt, muss er auch versuchen, die Mannschaft mitzuziehen.

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