DFB-Team: Wer nutzt seine Chance?

Von Für SPOX in Berlin: Stefan Rommel
Mittwoch, 19.11.2008 | 09:21 Uhr
DFB-Training mit Fitness-Coach Forsythe, Tasci, Weis, Friedrich und Trochowski (v.l.)
© Imago
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Das letzte Länderspiel des Jahres gegen England ist für die deutsche Nationalmannschaft nicht nur ein Leckerbissen zum Abschluss. Für einige Spieler aus Joachim Löws Kader geht es ein letztes Mal um sehr viel.

Die Abwesenheit der (Ex-)Stammspieler Michael Ballack, Torsten Frings und Philipp Lahm eröffnet dem einen oder anderen gegen einen ambitionierten Gegner den Weg auf die große Bühne (20.30 Uhr im LIVE-TICKER). Das Leistungsprinzip zählt, sagt der Bundestrainer - und es soll wie selten zuvor seine Anwendung finden.

Ein Überblick über den deutschen Kader - und was der Klassiker gegen England für jeden Einzelnen bedeutet.

Torhüter

Rene Adler: Die neue Nummer eins muss sich keine Gedanken machen. Adler ist gesetzt, für den Leverkusener geht es primär darum, etwas Erfahrung zu sammeln und die guten Leistungen aus den beiden Spielen gegen Russland und Wales zu bestätigen

Tim Wiese: Für den Bremer geht es bei seinem ersten Länderspieleinsatz um nichts weniger als eine Weiterbeschäftigung im DFB-Dress. Ob als Nummer zwei oder drei, ist dabei offen. In der verletzungsbedingten Abwesenheit von Robert Enke geht es für Wiese - so hart das klingt - darum, entscheidende Punkte im Ranglistenkampf zu sammeln.

Der Klassiker Deutschland gegen England: Jetzt auch unterwegs top-informiert sein!

Abwehr

Arne Friedrich: Der Berliner darf sein "Heimspiel" im Olympiastadion genießen. Seine Defensivqualitäten sind hinlänglich bekannt, gegen den ersatzgeschwächten Gegner darf Friedrich gerne auch mal etwas von seiner Offensivkraft preisgeben.

Per Mertesacker: Der einstige Mr. Perfekt ist auf der Suche nach ein wenig Konstanz. Auch im Verein konnte Merte bisher nicht vollends überzeugen und mit Tasci und neuerdings auch Compper sitzen ihm zwei aufstrebende Neulinge im Nacken. Ein wichtiges Länderspiel für den Bremer.

Heiko Westermann: Dem schwachen Auftritt in Finnland folgten gegen Russland und Wales zwei überzeugende Länderspiele. Westermann ist auf einem guten Weg zu einem Stammplatz auf seiner Lieblingsposition in der Innenverteidigung, muss aber weiter in jedem einzelnen Spiel Überzeugungsarbeit leisten.

Marvin Compper: Es ist ein Schnupperlehrgang für den Hoffenheimer, zu viele Hoffnungen sollte sich Compper nicht machen. Auf der Innenverteidigerposition ist der Konkurrenzkampf aber so offen wie nirgendwo - und das Angebot an geeigneten Spielern beschränkt.

Marcel Schäfer: Das Spiel gegen England wird für den Wolfsburger zum Auftakt im Kampf um Platz zwei auf der linken Verteidigerposition hinter dem sakrosankten Philipp Lahm. Die Konkurrenz in Person von Marcell Jansen und Christian Pander kann nur tatenlos zuschauen. Eine große Chance für Schäfer - zumal mit Theo Walcott der Spieler ausfällt, der Schäfer stark in die Defensive gedrängt hätte.

Andreas Hinkel: Nach seiner Rückkehr ins DFB-Team bisher nur mit acht Minuten Einsatzzeit. Das Freundschaftsspiel könnte zur willkommenen Chance in Sachen Eigenwerbung werden - zumal Konkurrent Clemens Fritz in dieser Saison noch gar nicht ins Laufen kommt.

Serdar Tasci: Der Stuttgarter hatte zuletzt Pech, als ihn eine Verletzung stoppte. Der Stammplatz ist erstmal an Westermann vergeben. Gerade deshalb muss Tasci gegen die Engländer einiges zeigen, um die Lücke zum Schalker wieder zu schließen.

Mittelfeld

Bastian Schweinsteiger: Schweinis Rolle im Team ist unumstritten. In Abwesenheit der Platzhirsche Ballack und Frings muss der Bayer als einer der erfahrensten Spieler in die Führungsrolle schlüpfen und seine erkennbare Weiterentwicklung in dieser Saison auch in der Nationalmannschaft unter Beweis stellen.

Jermaine Jones: Die ganz große Bewährungschance. Ballack nicht dabei, Frings nicht dabei, Hitzlsperger außer Form - wenn der Schalker angesichts der fast übermächtigen Konkurrenz im zentralen Mittelfeld eine Chance haben will, muss er gegen England beherzt auftreten.

Simon Rolfes: Entwickelt sich langsam zur festen Größe und hat im Dreikampf mit Frings und Hitzlsperger um den Platz neben Ballack momentan die Nase vorn. Ist zum ersten Mal im zentralen Mittelfeld mit der Chefrolle betraut - der Bundestrainer wird ganz genau hinschauen, wie Rolfes mit den neuen Voraussetzungen umzugehen weiß.

Piotr Trochowski: Waren die Gala-Auftritte gegen Russland und Wales nur Eintagsfliegen oder hat sich Troche den Platz im linken Mittelfeld verdient? Im  Verein hängt der Hamburger seitdem ein wenig durch, ein vernünftiger Auftritt wäre die richtige Antwort auf die Kritik der letzten Wochen - und würde Löw endlich die geforderte Nachhaltigkeit in seinen Leistungen beweisen.

Thomas Hitzlsperger: Der Stuttgarter durchläuft im Moment eine schwere Zeit. Für einen Einsatz gegen England spricht nicht viel. Trotzdem - oder gerade deshalb - weiß Löw sehr genau, was er an Hitzlsperger hat.

Tobias Weis: Der Youngster soll lernen, lernen, lernen. Weis darf das Leben bei der Nationalmannschaft genießen und erste Erfahrungen sammeln. Vom Hoffenheimer wird am wenigsten erwartet - vielleicht nutzt er die mögliche Chance umso eindrucksvoller.

Marko Marin: Die letzten beiden Länderspiele erlebte Marin am Fernseher - mehr oder weniger selbstlos opferte sich der Gladbacher in den U-21-Playoffs gegen Frankreich auf. Marins Problem: Die fehlende Konstanz. Sein Vorteil: Er besitzt mit seiner Dribbelstärke eine der Spezialfähigkeiten, die Löw so schätzt. Ein wichtiges Länderspiel für Marin.

Angriff

Miroslav Klose: Der omnipräsente Luca Toni schränkt Klose im Verein schon wieder ein. Die Nationalmannschaft dient als Zufluchtsort und Gelegenheit, wieder mehr Selbstvertrauen zu sammeln. Als Kapitän ist Klose zudem besonders gefordert.

Patrick Helmes: Löw ging den Leverkusener nach der EM hart an, kitzelte Helmes mit eindeutigen Aussagen. Die Leistungen im Verein stimmen, im DFB-Dress wartet jetzt gegen einen Weltklasse-Verteidiger wie John Terry eine erste echte Standortbestimmung.

Lukas Podolski: Seine Geschichte ist hinlänglich bekannt. Podolski ist eine feste Größe bei Löw - ganz egal, ob er nun 90 Minuten spielt oder keine einzige. Wenn aber schon mal England zu Gast ist, könnte sich der Münchener doch etwas Spielpraxis und Selbstvertrauen holen.

Mario Gomez: Ganz im Gegenteil zu Podolski läuft es beim Stuttgarter im Verein - zumindest persönlich - sehr gut. In der Nationalmannschaft dagegen überhaupt nicht. Nach teilweise fahrlässigen Auftritten zuletzt muss von Gomez endlich mal wieder was kommen.

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