Rene Adler Mario Gomez Miroslav Klose
© Getty

Überzeugendes Debüt der neuen Nummer 1

Sonntag, 12.10.2008

Es kann nur Adler geben

Man kennt das als Fußball-Fan. Da donnert so ein fieser Ball auf die Kiste deiner Mannschaft und irgendwie hast du ein mulmiges Gefühl, denn bei dem, der da zwischen den Pfosten steht, wurde dir schon immer mulmig.

So geht es Fußball-Fans im ganzen Land, von der Kreisklasse C bis zur Bundesliga - und letztendlich auch bis zur Nationalmannschaft. Bis zum Samstag. Denn die Nationalmannschaft hat da jetzt einen, bei dem das Gefühl irgendwie nicht da ist. Schon nach einem Spiel ist klar: Alle lieben Rene Adler.

Pessimisten der Zunft sei gesagt: Dies wird keine Adler-Jubelarie. Natürlich war das jetzt erst EIN Länderspiel, das er da gegen Russland gemacht hat. Und natürlich wird dieser 23-jährige Bursche auch irgendwann mal patzen. Nur: Man wird es ihm verzeihen. Und das mit gutem Grund.

Denn: Adler ist einfach die beste Lösung für den Job. Jung. Dynamisch. Talentiert. Und vor allem: sympathisch. In Dortmund war es so, als wäre Adler schon immer da gewesen. Dass ihm ein harmloser Abklatscher gegen einen Syrianow-Schuss, den er zu einem Eckball werden ließ, als einzige Unsicherheit ausgelegt wurde, sagt schon alles.

Lob von allen Seiten

Insgeheim hatte Fußball-Deutschland Adler ja schon vor der EM 2008 für die Nummer eins vorgesehen. Nun hat es ihn. Im SPOX-Trend sprachen sich bereits überwältigende 88 Prozent der User für einen Adler-Verbleib aus (Stand: Sonntag, 21.45 Uhr).

Auch innerhalb der Mannschaft gibt es seit der Verletzung von Robert Enke keine Diskussion. Alle signalisieren: Adler ist unser Mann. "Er hat vier schwierige Bälle entschärft, viel Ruhe ausgestrahlt und seine Sache sehr gut gemacht", lobte Kapitän Michael Ballack den Debütanten.

Auch von der jungen Garde gab es Lob. "Ich kenne Rene schon seit der Jugend, er war schon immer ein Super-Torhüter", frohlockte Lukas Podolski.

Und Bastian Schweinsteigers Aussage verrät noch mehr vom Anforderungsprofil "Torhüter 2.0", das Adler perfekt erfüllt: "Seine guten Abschläge kann man prima verarbeiten. Das zeichnet einen großen Torhüter aus. Wir können froh sein, so einen Torhüter in der Nationalmannschaft zu haben."

Köpke wartet mit Entscheidung

Robert Enke wird sich grün und blau ärgern, dass ihm Philipp Lahm am vergangenen Montag das Handgelenk kaputt geschossen hat. Sein Vorsprung als erstlogische Lösung für den vakanten Posten im DFB-Tor ist dahin.

Dass Adler das Rennen machen wird, bezweifelt niemand. Auch wenn Bundestorwarttrainer Andreas Köpke noch sagt: "Wir haben uns kein Zeitlimit gesetzt. Wenn wir sicher sind, wer die Nummer eins ist, werden wir das bekannt geben und es mit allen Konsequenzen durchziehen." Enke wird es sich mit den Konsequenzen kommod machen müssen.

Keine Schuld am Gegentor

Paradoxerweise war es am Samstagabend dann erneut Philipp Lahm, der zu Adlers erstem Gegentor im DFB-Dress führte. Sein Ballverlust brachte Alexander Anjukow in die komfortable Situation, alleine vor Adler auftauchen zu können und ihn auch noch zu tunneln.

"Ich habe den Ball noch berührt und er wäre nicht rein gegangen, wenn der Arschawin ihn nicht rein gedrückt hätte", nahm es Adler sportlich. "Mit ein bisschen Glück hätte ich den vielleicht zur Ecke oder nach vorne abwehren können. Ich werde mir das auf Video noch mal anschauen."

Muss er eigentlich gar nicht, das Gegentor rechnete ihm keiner an. "Beim Tor war er ohne Chance. Der Spieler schießt aus drei, vier Metern flach und quer am Tor entlang. Da geht Adler der Ball ein bisschen unglücklich durch die Beine, aber er hat keine Möglichkeit, einzugreifen", bewertete Bundestrainer Joachim Löw die Situation. Und Köpke meinte resümierend: "Er hat super gehalten."

WM-Qualifikation: 3. Spieltag
 

Tiefenentspannt - davor und danach

Wie die Bälle im Signal Iduna Park parierte Adler anschließend auch die Fragen der Medien: sachlich und unaufgeregt. Natürlich wäre er vor dem Spiel nervös gewesen, erzählte er. Dann habe er die Anspannung aber einfach in Konzentration umgewandelt und alles sei blendend verlaufen.

Kindlichen Übermut sucht man vergebens in seinen Aussagen. Er freut sich, das ist ihm anzusehen, er spricht aber lieber von einer "geschlossenen Mannschaftsleistung" als von sich und seiner Leistung.

Schon in der vergangenen Woche, nach Bekanntwerden der Enke-Verletzung, hatte er sich tiefenentspannt gezeigt. Nach dem Motto: Soll ich mich jetzt aufregen, nur weil das eingetreten ist, auf das ich so lange hingearbeitet habe? Adler weiß, wie talentiert er ist. Und vor allem weiß er, wie er mit solchen Ausnahmesituationen wie einem Länderspieldebüt vor 65.000 Zuschauern umgehen muss.

Reife Leistung, auch abseits

"Ich habe versucht, jede Halbzeit einzeln zu nehmen, 45 Minuten voll auf den Ball fokussiert zu sein", berichtete er. "Da war ich selbst überrascht, wie schnell so eine Halbzeit vorbei sein kann." Dass es am Schluss noch mal turbulent zuging, störte ihn wenig: "Ich liebe solche Spiele, wenn am Ende noch einmal alles auf dein Tor zuläuft." Dazu ist er ja schließlich da.

Acht Jahre lang hat er zusammen mit Rüdiger Vollborn in Leverkusen auf diesen Tag hingearbeitet, sich von 2001 an durch die Jugendmannschaften des DFB gekämpft, um einmal die Nummer eins einer ganzen Nation zu sein. Und von hier an weiter.

Adler wirkt manchmal etwas zu aufgeräumt, man sagt gerne: glatt. "Ich habe dem Fußball viel untergeordnet. Dies war nun ein weiterer Baustein meiner Karriere" ist aber eine unglaublich gehaltvolle und reife Aussage für einen 23-Jährigen. Aber klar: Er ist ja jetzt auch die Nummer eins.

Rene Adlers Debüt gegen Russland in der SPOX-Analyse

Florian Bogner

SPOX.TV

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Spielte neben Ballack auf der Sechs: Bastian Schweinsteiger (l.) ist vor Jonas Gutierrez am Ball
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Alles blickt auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2010. Schafft die deutsche Elf in Südafrika den erhofften vierten Titel? Das DFB-Team von Trainer Joachim Löw mit Michael Ballack, Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski und Co. hat die Quali-Gruppe 4 vor Russland als Gruppensieger überstanden. Nach jedem Bundesliga-Spieltag checkt SPOX im WM-Formcheck die aktuelle Verfassung der Nationalspieler. SPOX blickt neben der A-Nationalmannschaft ebenso auf die DFB-Junioren. Nach den EM-Titeln der U 17, U 19 und U 21 verliefen die Weltmeisterschaften der U 20 in Ägypten und der U 17 in Nigeria 2009 weniger erfolgreich. Besonderes Augenmerk legt SPOX auch auf die DFB-Frauen. Das Team um Trainerin Silvia Neid hat ebenso wie das Herren-Team die WM im Visier: 2011 findet die Frauen-WM in Deutschland statt. SPOX bietet dem Fan der Nationalmannschaften Hintergrund-Berichte, Berichterstattung im Liveticker und Interviews. Ob mit dem Quali-Spielplan, den Ergebnissen, Team- und Spieler-Steckbriefen, Diashows oder den Exklusiv-Kolumnen von Mario Gomez und Guido Buchwald: SPOX versorgt den Fan der DFB-Teams rundum.

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