Im positiven Sinne böse

Von Stefan Rommel
Mittwoch, 20.08.2008 | 13:56 Uhr
serdar tasci, dfb-team, nationalmannschaft
© Getty
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München/Nürnberg - Im Mai wurde es noch mal knifflig für den DFB.

Metin Tekin hatte den türkischen Nationaltrainer Fatih Terim nochmals dezent auf diesen Verteidiger vom VfB Stuttgart hingewiesen. Die Türkei hatte mit ein paar Verletzten zu kämpfen, einige Wochen vor einem EM-Turnier ein prekärer Zustand.

Serdar Tasci hatte beim VfB nicht gerade eine Glanz-Saison hingelegt, er war oft verletzt und galt als eines der unzähligen Symbole für den Fall des deutschen Meisters ins Mittelfeld der Liga.

Dennoch erkundigte sich Terim auf Anraten Tekins nach Tascis Befinden. Ob er denn nicht doch für die Türkei spielen wolle. Terim lockte mit der sicheren EM-Teilnahme und Tasci fing an zu grübeln.

"Schwerste Entscheidung meines Lebens"

"Das war eine Ehre. Wäre ich nicht verletzt gewesen, hätte ich es mir zweimal überlegt", gab er unumwunden zu.

Tekin, der Leiter des Europa-Büros des türkischen Verbandes und als solcher verantwortlich dafür, dass Spieler wie Yildiray Bastürk oder Hamit und Halil Altintop für die Türkei spielen, hatte sein Ziel beinahe erreicht.

"Es war eine der schwersten Entscheidungen meines Lebens", sagt Tasci. Sein Herz schlägt für beide Nationen. "Aber Deutschland ist nun mal meine fußballerische Heimat", betont er. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet eine Verletzung ein Umstimmen Tascis nicht ermöglichte.

Vier Versuche, vier Mal Pech

Serdar Tasci wird heute Abend (20.45 Uhr im SPOX-TICKER) gegen Belgien sein Länderspieldebüt geben - und zwar für Deutschland. "Ich bin gespannt, was da passiert", sagt der 21-Jährige im Gespräch mit SPOX.

"Ich war schon ein wenig überrascht, dass ich eingeladen wurde. Obwohl sich der Bundestrainer schon vor ein paar Wochen kurz bei mir gemeldet hatte. Ich lasse jetzt alles auf mich zukommen und freue mich auf mein erstes Spiel für Deutschland."

Sein erstes Spiel, das sollte Tasci eigentlich schon vor fast anderthalb Jahren absolviert haben. Im März 2007 hätte er im Freundschaftsspiel gegen Dänemark erstmals zum Einsatz kommen können - Tasci aber zog sich kurz vorher einen Muskelfaserriss zu.

Danach folgte eine unheimliche Serie von vergebenen Chancen. August 2007, England: Tasci ist dabei, sitzt aber nur auf der Bank. September 2007, Wales und Rumänien: Adduktorenzerrung, Teilnahme abgesagt. November 2007, Zypern und erneut Wales: Schlag aufs Knie, Heimreise. "Es war wie verhext", sagt er, "immer kam etwas dazwischen."

Debüt in der Innenverteidigung

Im fünften Anlauf wird es heute Abend nun endlich klappen. Per Mertesacker ist verletzt, wenn Bundestrainer Joachim Löw ganz mutig ist, lässt er Christoph Metzelder zunächst auf der Bank und beginnt mit Heiko Westermann und eben Tasci in der Innenverteidigung.

Falls nicht, kommt er eben von der Bank. Löw hat ihm das schon zugesichert. Damit wird Tasci der dritte Deutsch-Türke nach Mustafa Dogan und Malik Fathi, der für Deutschland spielt.

Beispiel für Integration

Es ist auch das Ergebnis des neuen DFB-Konzepts, das die Integration von Spielern mit ausländischen Wurzeln funktionieren kann. "Der DFB hat als Erster gefragt. Und da ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, empfinde ich es nicht als so außergewöhnlich, für das DFB-Team zu spielen", sagt der in Esslingen bei Stuttgart geborene Tasci.

"Wir Fußballer können ein positives Beispiel dafür sein, dass Integration funktioniert." Tasci ist ein Vorzeigebeispiel dafür.

Neben seinem Job in der Innenverteidigung des VfB baute er sein Abitur, sein Trainer Armin Veh bezeichnet ihn als "anständig, pflegeleicht und bodenständig" - außerhalb des Platzes. Auf dem Rasen aber attestiert ihm Veh aber einen "aggressiven und im positiven Sinne bösen" Stil.

Löw fordert Erkenntnisse

Es gibt sicherlich wichtigere Länderspiele als das erste der neuen Saison, dessen Erlös unter anderem der Egidius-Braun-Stiftung zugute kommt.

Die Bundesliga hat gerade angefangen, und der Test mittendrin ist für manchen eine lästige Angelegenheit. "Ich möchte schon einige Erkenntnisse gewinnen", sagt Löw. Für ihn beginnt nach dem Aufgalopp in Nürnberg am 7. September in Liechtenstein der Ernst der WM-Qualifikation.

"Schließlich müssen wir die anstehenden Spiele gewinnen, aber parallel auch neue Spieler einbauen." Spieler wie Serdar Tasci. Für ihn wird es heute Abend eines der wichtigsten Spiele seiner noch jungen Karriere.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Deutschland: Enke - C. Fritz, Tasci, Westermann, Lahm - Schweinsteiger, Rolfes, Hitzlsperger, Podolski - Klose, Gomez

Belgien: Stijnen - Gillet, van Buyten, van Damme, Hoefkens - Witsel, Simons, Defour, Goor - Sonck, Vandenbergh

Andere wichtige Testspiele:

19.15 Uhr: Russland - Niederlande

20.15 Uhr: Dänemark - Spanien

20.45 Uhr: Italien - Österreich

21.00 Uhr: England - Tschechien

21.00 Uhr: Schweden - Frankreich

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