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FC Liverpool - FC Porto 2:0: "Die beiden Tore waren brillant" - Klopp nach Sieg hochzufrieden

Von Jonas Rütten
Brachten Liverpool mit ihren Treffern gegen Porto im Viertelfinal-Hinspiel dem Halbfinale einen großen Schritt näher: Roberto Firmino (links) und Naby Keita (rechts).

Der FC Liverpool hat sich im Viertelfinal-Hinspiel gegen den FC Porto mit 2:0 (2:0) durchgesetzt und sich somit eine komfortable Ausgangslage für das Rückspiel in acht Tagen verschafft. Die Reds waren den Drachen über 90 Minuten in allen Belangen überlegen und beeindruckten durch ein sehr ausbalanciertes Spiel. Porto schaffte es hingegen nur selten, richtig gefährlich zu werden.

"Wir haben den Sieg zu hundert Prozent verdient." Jürgen Klopp war mit dem, was seine Mannschaft am Dienstagabend gegen den FC Porto abgeliefert hatte sichtlich zufrieden - und das zurecht. Liverpool dominierte die erste Halbzeit im Viertelfinal-Hinspiel nach Belieben, war in allen Belangen besser und führte nach einer knappen halben Stunde hochverdient mit 2:0 durch zwei "brillante Tore", wie Klopp sagte.

Die Führung besorgte der sehr präsente und aus Klopps Sicht "sehr, sehr gute" Naby Keita mit einem abgefälschtem Schuss von der Sechzehnerkante bereits nach vier Minuten, das 2:0 erzielte Roberto Firmino nach einer traumhaften Kombination zwischen Jordan Henderson und Trent Alexander-Arnold. "Weltklasse" nannte Klopp die Entstehung des zweiten und gleichzeitig letzten Liverpooler Tores an diesem Abend.

"Wir haben in der zweiten Halbzeit etwas unseren Rhythmus, unsere Zielstrebigkeit", analysierte Klopp nach der Begegnung: "Wir hatten zwar noch ein paar gute Momente, aber Porto hat das auch sehr gut gemacht. Sie hatten eine Chance, bei der sie in unseren Rücken gekommen sind. Das war beeindruckend. Dann haben wir das Tempo rausgenommen und das ist absolut okay."

Klopp warnt vor "schwieriger Atmosphäre" in Porto

Für Klopp war das 2:0 über Porto der 400. Sieg seiner Trainerlaufbahn, für Liverpool war es der 200. Europapokalsieg der Vereinsgeschichte. Und die Chancen, dass noch in dieser Saison noch der ein oder andere dazukommt, stehen nicht schlecht.

Während Liverpool nur ein einziges Mal und das vor Urzeiten im Europapokal einen Hinspielsieg mit zwei Toren Unterschied verspielte (1964/65 gegen Inter Mailand), konnte sich Porto nur ein Mal nach einer Pleite im Hinspiel eines K.o.-Duells durchsetzen. Das war allerdings im Achtelfinale gegen den AS Rom der Fall. Auch deswegen wollte Klopp von einer Vorentscheidung an diesem Abend nichts wissen.

"Es gibt noch viel zu tun und wir werden in Portugal in einer schwierigen Atmosphäre spielen", warnte der Liverpool-Trainer. Die Sinne an der Anfield Road sind vor dem Rückspiel in einer Woche geschärft. Der Fokus liege jetzt allerdings auf Chelsea, wie Innenverteidiger Virgil van Dijk versicherte.

"Wir sind erwachsener geworden", hatte Klopp noch vor dem Spiel gegen die Portugiesen gegenüber DAZN und SPOX gesagt. Und das strahlte Liverpool an diesem Abend mit jeder Faser aus - auf dem Platz und auch danach.

Stimmen und Reaktionen zu FC Liverpool - FC Porto

Jürgen Klopp (Trainer FC Liverpool): "Es war ein gutes Spiel, ein kontrolliertes Spiel. Wir haben den Sieg zu hundert Prozent verdient, haben zwei wunderschöne Tore geschossen. Alles in allem war das eine sehr gute Leistung. Aber wir mussten auch sehr hart arbeiten, um ihre Konter zu verteidigen. Es ist noch nicht vorbei. Wir müssen noch nach Portugal und dort kämpfen."

Jordan Henderson (Kapitän FC Liverpool): "Porto ist eine gute Mannschaft mit richtig guten Spielern. Man hat gesehen, wie gefährlich sie sein können. Wir wollten in der zweiten Halbzeit noch ein Tor nachlegen, aber das sollte nicht sein. Wir haben uns nicht mehr so viele Chancen herausgespielt. Aber alles in allem dürfen wir mit dem 2:0 zufrieden sein."

Virgil van Dijk (FC Liverpool) ...

... über das Ergebnis: "Wir haben kein Tor kassiert und zwei geschossen. Darauf können wir aufbauen."

... über sein persönliches Duell mit Porto-Stürmer Moussa Marega: "Er ist sehr stark und es ist unheimlich schwer gegen ihn zu spielen. Aber aktuell machen mir diese Schlachten mit Stürmern richtig Spaß. Solche Spiele genießt du als Spieler, aber jetzt liegt der Fokus auf Chelsea."

FC Liverpool dominiert den FC Porto und nimmt Kurs aufs Halbfinale

Klopp baute seine Startelf im Vergleich zum hart erkämpften Sieg gegen Southampton (3:1) auf drei Positionen um. Lovren, Milner und Henderson ersetzten Wijnaldum, Matip und den gelbgesperrten Robertson. Am gewohnten 4-3-3 rüttelte Klopp jedoch nicht.

Porto positionierte sich im 4-4-2 zunächst auffallend hoch im Liverpooler Ballbesitz und bemühte sich, gleich mit vier Mann Druck auf die Liverpooler Abwehr auszuüben. Das funktionierte in den ersten Sequenzen zwar, doch bei einem traumhaften Ball von Milner auf den linken Flügel zu Mane stand die Defensive der Drachen blank da. Die Konsequenz: Keita traf nach nicht einmal fünf Minuten zum 1:0.

Die Reds bestimmten fortan das Geschehen, schafften immer wieder Überzahl in Ballnähe, hatten eine gute Konterabsicherung und ließen kaum etwas zu. Porto fokussierte sich auf das Spiel über Marega in der Spitze, der Bälle mit dem Rücken zum Tor festmachen sollte. Für Gefahr sorgte diese Taktik jedoch nur einmal (13.), was auch an Portos Problemen im Spielaufbau lag (65 Prozent Passquote).

Nachdem Salah einen kapitalen Fehlpass von Otavio nicht zum 2:0 nutzte, legte Firmino nach starker Vorarbeit von Alexander-Arnold und Henderson nach (26.). Der erneute Tiefschlag war ein kleiner Hallo-wach-Moment für die Portugiesen: Marega vergab zwei Großchancen, ehe Firmino auf der Gegenseite die Gelegenheit zum 3:0 verpasste.

Das Tempo blieb auch nach der Pause hoch, weil Porto sich trotz klarer Unterlegenheit nicht versteckte, die offensiven Bemühungen forcierte und Liverpool seinerseits immer wieder gefährlich konterte. Nach einer knappen Stunde verflachte die Partie aber zunehmend. Liverpool zog die Zügel wieder an, stand ungemein stabil und raubte den etwas einfallslos agierenden Portugiesen den letzten Glauben an eine Wende in diesem Spiel.

Daten des Spiels FC Liverpool gegen FC Porto

Tore: 1:0 Keita (5.), 2:0 Firmino (26.)

  • Der FC Porto hat 17 von 20 Spielen bei einem englischen Klub verloren. Dreimal spielten die Drachen Unentschieden. Ein Sieg gelang den Portugiesen auf englischem Boden noch nie. Benfica Lissabon bleibt der einzige portugiesische Klub, der gegen Liverpool gewinnen konnte (2:0 in der CL-Saison 2005/06).

  • Keitas 1:0 war das früheste CL-Tor von Liverpool seit Dezember 2017. Damals traf Coutinho in der 4. Minute gegen Spartak Moskau.

  • Nur Cristiano Ronaldo (19) und Lionel Messi (14) erzielten seit Beginn der Vorsaison mehr CL-Tore als Firmino (13).
  • Liverpool ist der einzige CL-Viertelfinalist, der alle seine Treffer von innerhalb des Strafraums erzielte (14 von 14).
  • Liverpool feiert seinen 200. Sieg im Europapokal (dazu 86 Remis, 81 Niederlagen).
  • Nur einmal verspielte Liverpool im Europapokal einen Hinspielsieg mit zwei Toren Differenz - im Landesmeisterpokal 1964/65 gegen Inter Mailand (3:1 an der Anfield Road, 0:3 in Mailand).

Der Star des Spiels: Naby Keita (FC Liverpool)

Machte vielleicht sein bestes Spiel seit seinem Wechsel zu den Reds im vergangenen Sommer. Defensiv verlieh er Liverpool eine gute Stabilität im Zusammenspiel mit Henderson und Fabinho, führte mit Abstand die meisten Zweikämpfe (21), von denen er 57 Prozent gewann. Darüber hinaus auch sehr umtriebig in der Offensive: traf etwas glücklich zum 1:0, war aber auch noch an weiteren guten Aktionen im Angriff der Reds beteiligt. Ebenfalls stark: Liverpools Firmino (an beiden Toren beteiligt), Milner in ungewohnter Rolle als Linksverteidiger und Portos Marega.

Der Flop des Spiels: Otavio (FC Porto)

Konnte sich offensiv kaum in Szene setzen und war in der Defensive überhaupt nicht präsent. Gewann nur schwache 30 Prozent seiner 24 Zweikämpfe, brachte nur knapp 55 Prozent der Zuspiele an den Mann und sorgte mit einem kapitalen Fehlpass in den Lauf von Salah beinahe für das 0:2 aus Portos Sicht. Startete Halbzeit zwei gleich mit dem nächsten schwerwiegenden Ballverlust, der beinahe zum 0:3 geführt hätte. Offensiv war Otavio etwas verbessert, aber nach wie vor glücklos.

Der Schiedsrichter: Mateu Lahoz (Spanien)

Stand in einer sehr physischen, aber auch fairen Partie erst nach einer knappen halben Stunde im Fokus, als er Porto einen möglichen Handelfmeter verweigerte und kurz darauf vom VAR in seiner ersten, vertretbaren Entscheidung bestätigt wurde. Ließ - ohne besonders großzügig zu sein - angenehm viel laufen, was der Attraktivität der Partie und deren Tempo gut tat. Dank seiner guten Körpersprache hatte Lahoz auch in der zweiten Halbzeit keine Probleme mit der Spielleitung. Sehr gute Kommunikation in der Schlussphase, als er Portos Felipe zur Seite nahm nachdem dieser vehement Elfmeter forderte. Einziger Wehrmutstropfen einer ansonsten tadellosen Leistung: Lahoz hätte Salah nach rüdem Einsteigen gegen Danilo mindestens Gelb, wenn nicht sogar Rot zeigen müssen.

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