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Es begann einst in Bochum

Donnerstag, 29.09.2016 | 09:26 Uhr
Marc-Andre ter Stegen kehrte mit Barcelona zu seinem Heimatverein zurück
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Borussia Mönchengladbach musste sich dem FC Barcelona trotz zwischenzeitlicher Führung und einer durchaus beeindruckenden Vorstellung mit 1:2 geschlagen geben. Für die Borussia war es die Krönung einer Entwicklung, die ihren Anfang 2011 in Bochum hatte. Mit Barca-Keeper Marc-Andre ter Stegen feierte ein damaliger Protagonist eine emotionale Rückkehr.

Da stand Marc-Andre ter Stegen nach dem Spiel also vor dem Sky-Mikrofon und wirkte irgendwie nachdenklich. Klar, er freute sich über den Sieg mit dem FC Barcelona, aber man merkte schon: Die Borussia ist immer noch sein Verein. Und dann legte er los: "Wir hatten schwer zu tun in der ersten Halbzeit mit den Gladbacher Counterattacks", sagte ter Stegen, überlegte kurz und korrigierte sich: "Äh, mit den Kontern."

Im Sommer 2014 verließ ter Stegen seine Gladbacher Heimat und zog für zwölf Millionen Euro aus nach Barcelona, aus in die große, weite Fußball-Welt. Und in der großen, weiten Fußball-Welt ist Englisch eben die gängige Amtssprache. Der kleine Versprecher blieb aber ein Einzelfall, ter Stegen machte in bestem Deutsch weiter.

Es sei natürlich ein "spezieller Tag" für ihn gewesen, sagte ter Stegen, trat er doch erstmals in seinem Leben gegen seinen Heimatverein an. Den Verein, dem er sich im Alter von vier Jahren anschloss und den er dann 18 Lenzen später mit 22 verließ. "Natürlich kenne ich hier jeden", sagte ter Stegen und natürlich sei es "ein schönes Gefühl gewesen, die Jungs wieder zu sehen".

Besonders freudig war das Treffen mit Uwe Kamps, seinem langjährigen Torwart-Trainer. Nach dem Abpfiff umarmten sich die beiden, ehemals Schüler und Lehrer, innig. Es waren durchaus rührende Szenen, die sich da im Borussia Park nach Spielende zutrugen.

Überrascht statt gerührt

Weniger gerührt waren ter Stegen und sein FC Barcelona zuvor von ihren Kontrahenten beziehungsweise ter Stegens ehemaligen Kollegen. Eher überrascht. "Sie haben nicht so angefangen, wie wir gedacht haben", sagte der Barca-Keeper. Und in der Tat: Barcelona wirkte etwas überrumpelt vom Gladbacher Spiel, obwohl Trainer Andre Schubert dies schon zuvor angekündigt hatte. "Mutig spielen" wolle er und "unsere Stärken nutzen und die des Gegners eindämmen".

Andre Schubert richtete sich mit seiner Aufstellung nicht nach dem Spiel des FC Barcelona, er zeigte Selbstvertrauen und schickte sein Team wie zuletzt in der Bundesliga und trotz des Misserfolgs mit dieser taktischen Ausrichtung bei Manchester City (0:4) mit einer Dreierkette ins Spiel. Das Resultat: Teilweise trafen die jungen Verteidiger Julian Korb, Andreas Christensen und Nico Elvedi Mann gegen Mann auf Kaliber wie Luis Suarez oder Neymar.

Und sie machten es größtenteils gut - das zeigen nicht zuletzt die Zweikampfquoten des Trios. Elvedi gewann 83 Prozent seiner direkten Duelle, seine Kollegen Christensen (80) und Korb (70) fielen nicht wirklich ab. Insgesamt gesehen ließ die Borussia gegen Barcelonas Tormaschinerie erstaunlich wenige Torchancen zu. In der Liga erzielte Barca in den bisherigen sechs Saisonspielen 19 Treffer, alleine Suarez netzte bereits fünf, Neymar drei Mal. Gegen Gladbach fanden sie nicht die abschließende Durchschlagskraft - bedingt durch die konzentrierte Defensivleistung der Borussia.

"Wir haben am Anfang ein fantastisches Spiel abgeliefert und es taktisch klug gemacht in der Defensive", sagte Schubert nach dem Spiel und hatte mit dieser Annahme absolut Recht. Gladbachs Keeper Yann Sommer sagte ernüchtert: "Wir wollten punkten und es wäre möglich gewesen. Die Mannschaft hätte definitiv einen Punkt verdient gehabt."

Von Bochum bis Barca

Einen Punkt verdient gehabt. Gegen den FC Barcelona. Alleine diese Tatsache spricht für sich und vor allem für die unfassbare Entwicklung, die Borussia Mönchengladbach in den vergangenen Jahren absolviert hat. 2011, vor fünf Jahren, war es, als die Borussia in der Abstiegsrelegation steckte und sich im letzten Moment gegen den VfL Bochum rettete.

Lucien Favre übernahm die Mannschaft im Februar tief im Tabellenkeller und coachte sie bis auf Rang 16. Ein Schlüssel zum Erfolg war dabei eben jener Marc-Andre ter Stegen, der am Mittwoch mit Barca zurückkehrte. Favre verhalf dem damals 18-jährigen Keeper zu seinem Profidebüt. In den folgenden Jahren kämpfte sich Favre mit der Borussia in die Bundesliga-Spitze und etablierte sich dort.

Schubert führt sein Werk nun fort. Erst am Dienstag wurde er für seine Arbeit belohnt, sein Vertrag wurde vorzeitig bis 2019 verlängert. Mit knapp 1,9 Punkten im Schnitt ist Schubert der erfolgreichste Trainer der Gladbacher Vereinsgeschichte. Und gleichzeitig einer der unterbewertetsten. Manager Max Eberl kämpft dagegen mit aller Vehemenz an: "In den 34 Bundesligaspielen unter seiner Regie haben wir 65 Punkte geholt, das ist eine herausragende Bilanz, und er hat die Mannschaft in die Champions League geführt."

"Wir können stolz sein"

In der Champions League hat der Verein trotz der beiden Niederlagen in Manchester und nun gegen Barca bereits einen bleibenden Eindruck hinterlassen. "Die Mannschaft hat alles in die Waagschale geworfen. Wir sind viel gelaufen und haben uns gegen einen übermächtigen Gegner gut aus der Affäre gezogen", sagte Eberl, "wir können stolz sein."

Gladbach opferte sich gegen Barcelona auf, zollte in der letzten halben Stunde aber der kräftezehrenden Spielweise Tribut. Barca schlug eiskalt zu. Arda Turan besorgte in der 65. Minute den Ausgleich, Gerard Pique acht Zeigerumdrehungen später das 2:1 für Barca.

Rund 80 Meter entfernt, im Barca-Kasten, stand ter Stegen. Jener Keeper, der einst mithalf, dass Gladbach nicht in der Versenkung der 2. Liga verschwand und nun für den europaweit erfolgreichsten Verein der vergangenen zehn Jahre spielt. Er freute sich über den Sieg seines aktuellen Vereins gegen seinen Herzensverein und sagte: "Am Ende waren wir das glücklichere Team." Für Gladbach ist das nichts als ein Schulterklopfer.

Borussia Mönchengladbach - FC Barcelona: Daten zum Spiel

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