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Abflug in die Ekstase

Donnerstag, 09.03.2017 | 09:13 Uhr
Sergi Roberto erzielte den entscheidenden Treffer für den FC Barcelona
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Der FC Barcelona drehte gegen Paris Saint-Germain als erster Verein in der Geschichte der Champions League einen Vier-Tore-Rückstand aus einem Hinspiel und zog somit ins Viertelfinale ein. Zu den Matchwinnern avancierten Sergi Roberto und Neymar. Sie bescherten einer ganzen Stadt und ganz speziell ihrem Trainer Luis Enrique Momente der Ekstase.

"Wenn", ja "wenn" hieß es vor diesem Spiel, das zu einem der größten der jüngeren, ach der ganzen Fußball-Geschichte werden sollte, immer wieder. "Wenn die Sterne günstig stehen, können wir das Ergebnis drehen", sagte Trainer Luis Enrique etwa, oder wahlweise auch: "Wenn sie in der Lage sind, gegen uns vier Tore zu schießen, können wir auch sechsmal treffen."

Es war eine Mischung aus "wenn" und Trotz und einem eigentlich ungläubigen Willen, mit der der FC Barcelona in dieses Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals gegen Paris Saint-Germain ging und es war eine Mischung aus "tatsächlich" und Ungläubigkeit und Unbegreiflichkeit des Geschafften, mit dem Barcelona aus diesem Spiel ging.

"ABPFIFF! DAS GRÖSSTE COMEBACK ALLER ZEITEN!!!! BARCA IST IM VIERTELFINALE! HISTORISCH!", twitterte der FC Barcelona nach dem Abpfiff und wenig später einfach nur: "WIR HABEN ES GESCHAFFT!" In der Social-Media-Abteilung des Klubs gab es in diesen Momenten wohl keine Kleinbuchstaben mehr und in der Profi-Fußball-Abteilung gab es kein Halten mehr.

Sergi Roberto bittet zum Abflug

Sergi Roberto, er hatte gerade das alles entscheidende Tor geschossen, breitete die Arme aus, beschleunigte wie wohl noch nie zuvor in seinem Leben und raste über den Rasen des Camp Nou als wäre er eine Flugbahn und er würde gleich abheben. Wenige Sekunden der absoluten Ekstase, die sich wie die Ewigkeit anfühlten. Kreuz und quer liefen die Barca-Spieler über die Flugbahn Rasen und auch Trainer Luis Enrique, als wäre er selbst noch ein Spieler.

Enrique erlebte diese unfassbar intensiven Momente womöglich am intensivsten. Intensiver als die fast 100.000 Menschen im Camp Nou und wohl auch als seine Spieler. Drei Wochen zuvor musste er sich als Trainer verantwortlich zeichnen lassen für eine der größten Blamagen in der Geschichte des FC Barcelona: 0:4 gegen Paris Saint-Germain. Einige Tage später verkündete er seinen Abschied zum Saisonende vom FC Barcelona. Seinem FC Barcelona, für den er einst auch spielte. Und nun hatte er seinen Verein mal eben zu einem der größten Spiele seiner Geschichte gecoacht.

"Das ist eine historische Leistung, die für immer in Erinnerung bleiben wird", sagte Präsident Josep Maria Bartomeu. Erstmals in der Geschichte der Champions League erreichte ein Verein trotz eines Vier-Tore-Rückstandes aus dem Hinspiel die nächste Runde.

Kamikaze-Flugzeug Cavani

Dieses Comeback war auch ein Zeichen der Mannschaft an ihren scheidenden Trainer. Dass sie noch an ihn glaubt und bis zur anstehenden Scheidung für ihn kämpft. "Die Leistung der Mannschaft war spektakulär. Am Ende haben wir den verdienten Lohn bekommen, weil niemand zu irgendeinem Zeitpunkt aufgehört hat, daran zu glauben", sagte Enrique im Anschluss aufgewühlt.

Und das obwohl weniger als eine Stunde bevor er diese Sätze sprach, auf einmal und wie aus dem Nichts Edinson Cavani im Barca-Strafraum aufgetaucht war, wie ein feindliches Kamikaze-Flugzeug und mit seinem Einschlag Grund genug schuf, nicht mehr zu glauben. "Daran" zu glauben, an das Weiterkommen, an den Abflug mit Verspätung ins Viertelfinale.

Barcelona hatte zuvor unglaublich druckvoll gespielt, aber auch nicht wirklich zielstrebig. Lionel Messi, Luis Suarez und Neymar kreisten wieder und wieder um die Grenzen des gegnerischen Strafraums und verfingen sich mit kleinen Ungenauigkeiten in den engen Maschen, die PSG dort spannte. Die bis zu diesem Zeitpunkt gefallenen drei Treffer resultierten allesamt aus individuellen Fehlern der Hintermannschaft von PSG. Und dann kam eben Kamikaze Cavani und beendete Barcelonas Sturmflug und den Traum vom Wunder. Vermeintlich.

Neymar im Cockpit

Was folgte waren 25 Minuten der mentalen Vorbereitung auf den abschließenden Angriff. Alles oder nichts. "Du musst immer alles versuchen, um das Unmögliche möglich zu machen", sagte Ivan Rakitic, nachdem das Unmögliche möglich gemacht worden war. "Wenn wir mit dieser Einstellung spielen, sind wir unschlagbar", sagte Samuel Umtiti, nachdem diese Unschlagbarkeit unter Beweis gestellt worden war.

Neymar war es, der sich ins virtuelle Cockpit setzte und der Sache annahm. In der 88. Minute zirkelte er einen Freistoß in den linken Winkel. In der 90.+1 verwandelte er einen (womöglich strittigen, eher unberechtigten) Elfmeter sicher rechts unten. In der 90.+5 chippte er den Ball in den Strafraum, wo Sergi Roberto einlief und ihn über PSG-Keeper Kevin Trapp hinweg ins Tor streichelte.

Sekunden später breitete er die Arme aus und machte sich fertig zum Abflug. Ohne vorher pflichtbewusst die Sicherheitshinweise vorgetragen und auch auf vorhandene Masken bei Sauerstoffmangel oder Atemnot hingewiesen zu haben.

Seine Mitspieler fingen Sergi Roberto irgendwann ein und warfen sich auf ihn, einer nach dem anderen. In Schnappatmung schrien sie die Freude aus sich heraus. Die Turbulenzen blieben also wie erwartet nicht aus, es entstand ein Knäuel der puren Ekstase.

Sicherheitstechnische Einsicht brachte all das aber keine: Um nötige Hinweise oder gar Maßnahmen wurde sich auch in der Folge kein bisschen geschert. "Die Krankenhäuser müssen in den nächsten neun Monaten mehr Krankenschwestern einstellen, denn heute Nacht wird unendlich viel Liebe gemacht", sagte Gerard Pique und machte sich wie ein ganzes Stadion, das einem wildgewordenen Tollhaus glich, auf, einen unfassbaren Fußball-Abend würdig ausklingen zu lassen.

FC Barcelona - Paris Saint-Germain: Die Statistik zum Spiel

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