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CL: FC Bayern deklassiert Arsenal im Achtelfinal-Hinspiel

Vorteil Ancelotti

Donnerstag, 16.02.2017 | 11:33 Uhr
Die Bayern besiegten Arsenal 5:1
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Der FC Bayern München nimmt den FC Arsenal im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League mit 5:1 auseinander und steht schon mit einem Bein im Viertelfinale. Wieder einmal zeigen die Münchner, dass sie da sind, wenn es darauf ankommt. Trotz oder viel eher dank Ancelotti?

Wer eine symbolträchtige Szene für den Mittwochabend suchte, fand sie unmittelbar nach dem 3:1 durch Thiago, das Robert Lewandowski mit all seiner Spielintelligenz unnachahmlich vorbereitet hatte: Als die geprügelten Gunners den Ball gerade wieder zur Mittellinie schubsten, stand Mats Hummels in der Bayern-Hälfte und nahm sich jeden seiner Mitspieler noch einmal zur Brust.

Mimik und Gestik bedurften keiner weiteren Erklärung. Der Nationalspieler pushte die Bayern noch einmal lautstark nach vorne. Jetzt bloß nicht nachlassen. Hummels war emotionsgeladen bis zum Gehtnichtmehr.

"Ich hatte im Gefühl, dass wir uns einen noch größeren Vorsprung herausschießen können", erinnerte sich Hummels nach Abpfiff an die Szene: "Es ist so, dass wir nach einer Führung manchmal ein paar Prozentpunkte nachlassen. Da muss man den richtigen Spielern ein bisschen Feuer unterm Arsch machen, damit die wissen, das Spiel ist noch nicht vorbei. Heute hätte es das gar nicht gebraucht, aber prophylaktisch kann man das trotzdem mal machen. Arjen war da auch sehr lautstark involviert. Wir hatten drei, vier Spieler, die gemerkt haben, dass heute einiges möglich ist."

"Was wir geleistet haben, war überragend"

Die Bayern zeigten im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League eine sehr gute und eine überragende Halbzeit. Neun zu null Torschüsse lautete die Statistik allein nach der Pause. Fast jeder dieser Abschlüsse hätte - mit etwas mehr Schiedsrichter-, Aluminium- oder Torwart-Glück - auch noch ins Tor gehen können. Letztlich war das 1:5 aus Sicht der Gunners deshalb fast schon schmeichelhaft.

"Was wir heute geleistet haben, war überragend", brachte Arjen Robben es auf den Punkt. "Wir haben einfach mit sehr viel Spielfreude und Hingabe gespielt und dann ist es eben so gekommen, wie es gekommen ist", fügte Hummels hinzu.

Der FCB bespielte Arsenal ab der ersten Minute mit hoher Intensität im Lauf- und Passspiel. Ausgenommen waren etwa 15 Minuten vor der Pause, als die Gunners mit etwas Glück zum Ausgleich kamen und Bayerns Ordnung dadurch destabilisierten. Einem "ganz ruhigen, nicht emotionalen" Ancelotti, wie Robben verriet, reichte die kurze Kabinenansprache, um das Team wieder voll zu fokussieren. Mehr Aktionen und Flanken von den Außenbahnen forderte der Coach - schon beim 2:1 durch Lewandowski setzte das seine Mannschaft um.

Aufbäumen war so nicht zu erwarten

Dass die Bayern aus dem 1:1 zur Halbzeit noch ein 5:1 machten, war natürlich "Wahnsinn", wie Robben konstatierte. "Wie hätte man es besser machen können als wir heute Abend?", fragte er ebenfalls zurecht.

Er zeigte sich aber auch überrascht davon, dass diese Bayern, die zuletzt in Freiburg und Ingolstadt ihre Probleme hatten, in der Champions League eine derartige Glanzleistung an den Tag legten. Die Bayern, die gegen Schalke Punkte ließen und gegen Wolfsburg im Pokal wenig Glanz versprühten, um in die nächste Runde einzuziehen. Genau diese Bayern nahmen einem ambitionierten FC Arsenal mit 74,2 Prozent Ballbesitz und 784:270 Pässen dermaßen den Wind aus den Segeln, dass es "zum Schluss zum Albtraum für uns wurde", wie Arsene Wenger es ausdrückte.

Es war eine beeindruckende Willensleistung der gesamten Mannschaft - wie so oft, wenn es nötig ist: "Ich bin jetzt siebeneinhalb Jahre hier und wirklich immer, wenn es darauf ankam, waren wir da", schwärmte Robben vom Teamspirit. Doch Bayerns Aufbäumen war in dieser Art nicht unbedingt zu erwarten gewesen. "Denn spielerisch war das in den letzten Wochen noch nicht gut genug. Dessen waren wir uns bewusst", so Robben.

Ancelotti: Nicht Ästhetik, sondern Ergebnis zählt

So viel Dusel- und Minimalistenfußball wie in den letzten Monaten hatte es unter Pep Guardiola in drei Jahren zuvor nicht gegeben. Der Katalane forderte von seinen Spielern auch gegen den größten Außenseiter Vollgasfußball und die größtmögliche Dominanz. Ancelotti dagegen hat die Ruhe weg. Salopp gesagt, lautet bei ihm die Vorgabe: einfach machen.

"Er hat ja schon genügend Erfahrung. Und wenn Karl-Heinz Rummenigge und ich mal nervös werden, weil es nicht ganz so gut läuft, dann sagt er immer: 'Meine Herren, warten Sie mal ab. Wir haben jetzt wichtige Spiele und am Ende wird zusammengezählt", erzählte Uli Hoeneß neulich.

Fußball sei "nicht nur Ästhetik. Fußball ist Ergebnis, Taktik, Leidenschaft. Man kann nicht immer gut spielen", hat auch Ancelotti schon mehrfach erklärt. Deshalb verwendet er nicht so viel Energie seiner Spieler darauf, dass alles immer formvollendet sein muss.

Top-Leistung auf Abruf verfügbar

Die individuelle Klasse seines Kaders hält Ancelotti in den nationalen Wettbewerben im Geschäft. Das Maximum fordert er nur in ausgewählten Spielen. Die Partie gegen Leipzig war so eine. Die gegen Arsenal sowieso. Je näher es Richtung Saisonende geht, desto häufiger kommen diese Spiele.

Ancelotti verschießt sein Pulver nur dann, wenn er muss, so scheint es. Das unterscheidet ihn von Guardiola doch deutlich, der von seinem Team erwartete, das Tempo am besten 52 Wochen im Jahr gleichbleibend hoch zu halten.

Er habe fast 1000 Spiele auf der Bank gemacht, Kritik könne ihn "nicht überraschen", erklärte der Mister zuletzt. "In der ersten Saisonhälfte darf man Fehler machen, in der zweiten nicht", sagte er im Trainingslager in Katar. Die "entscheidende Phase" komme im Februar, März und April.

Aufgrund dieser Aussage und der wenig überzeugenden Spiele wurde Ancelotti zuletzt auch hinterfragt. Das Team schien keinen Schritt weiter zu sein als in der Hinrunde. Gegen Arsenal aber zeigten die Bayern, dass eine Top-Leistung auf Abruf verfügbar ist. So oder so heißt es jetzt erstmal: Vorteil Ancelotti.

FC Bayern - FC Arsenal: Die Statistik zum Spiel

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