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Bayern bejubeln das Halbfinale

Was habt ihr denn alle?

Donnerstag, 14.04.2016 | 08:48 Uhr
Arturo Vidal erzielte zwei der drei Bayern-Tore im Viertelfinale gegen Benfica
© getty
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Der Weg ins Halbfinale der Champions League war für den FC Bayern kein Spaziergang. Zwei Mal spürte man sogar, dass bald Schluss sein könnte. Aber die Bayern wehrten sich: sowohl gegen Juventus als auch gegen Benfica. Und sie wollen von einer vermeintlichen Schwäche nichts wissen und peilen jetzt das Finale ein. Ein Mann soll dabei besonders helfen.

Am Ende jubelten sie alle. Die Spieler des FC Bayern tanzten ausgelassen vor ihrer Kurve. So wie schon bei den vier Halbfinaleinzügen zuvor auch. Auch der fünfte Streich in Folge verdiente eine spontane Party wie diese.

Matthias Sammer herzte danach noch auf dem Platz jeden, der ihm über den Weg lief. Und wenn nicht, wechselte er die Richtung und gab jedem einen Summer-Hug. So herzlich, so innig. Als hätte man sich schon Ewigkeiten nicht gesehen.

Aber auch bei Benfica wurde gefeiert und gejubelt. Zwar legten Raul Jimenez und Co. keine spontanen Tanzeinlagen hin, aber selbst weit nach dem Schlusspfiff waren fast noch alle Zuschauer da und feierten laut- und gesangstark die Mannschaft, die dem großen FC Bayern die Stirn geboten und am Ende ein verdientes 2:2 herausgeholt hatte.

Als wäre nie was gewesen...

Da es aber noch ein Hinspiel gibt und der FC Bayern dieses mit 1:0 gewann, sind die Münchener im Halbfinale und Benfica darf als vermeintlich bestes Viertelfinalverliererteam einen Trostpreis mitnehmen.

Nun ist es ja so, dass man seit geraumer Zeit große Erwartungen an den FC Bayern stellt. Ballbesitz-Monster, die den Gegner an die Wand spielen, dabei defensiv nichts anbrennen lassen und dazu noch viele Tore schießen.

Wenn sie dann einmal nicht nach diesem Muster agieren, wie gegen Juventus oder wie jetzt in Lissabon Gegentore kassieren und plötzlich vom Ausscheiden bedroht sind, ist gleich von Krise, Talfahrt und Co. die Rede.

Man ist es einfach nicht gewohnt, nein, es wir dem FC Bayern nicht zugetraut, solche Probleme zu offenbaren. Sie tun es, wollen davon aber nichts wissen. Als wäre nie was gewesen, sagen sie dann: Leute, was habt ihr eigentlich alle? Und vielleicht haben sie sogar Recht mit dieser Auffassung.

Benfica bereitet Bayern Probleme

Unisono sah jeder Münchener eine hochkarätige Leistung in Lissabon. "Ich bin sehr glücklich", sagte Cheftrainer Pep Guardiola: "Die Leute wissen nicht, wie kompliziert dieser Wettbewerb ist. In der Champions League sind alle Mannschaften sehr gut."

Und in der Tat - dieses Benfica war richtig, richtig gut. Angetrieben von einer beeindruckenden Kulisse, die das ohnehin riesige Stadion noch kolossaler und mächtiger wirken lässt, marschierten die Portugiesen ohne Rast und Lust auf eine Pause.

Javi Martinez hatte genauso seine Probleme damit wie David Alaba oder Joshua Kimmich. Selbst Manuel Neuer ließ sich anstecken, langte beim 0:1 daneben. Der Freistoß zum Ausgleich war unhaltbar, aber was heißt das schon bei Neuer?

Lahm sieht Verbesserungsmöglichkeiten

Aber die Bayern wären nicht die Bayern, wenn sie lieber von Stärken als von Schwächen redeten. "Benfica hat gezeigt, dass sie etwas können. Insgesamt waren wir aber die bessere Mannschaft", sagte Müller, der sein achtes Saisontor in der Champions League erzielte und damit seine Quote aus 2012/2013 erreichte.

Manch Bayern-Akteur schien Sammers Order zu folgen, doch mehr Freude am Geleisteten an den Tag zu legen. Und wehe jemand widerspricht. Der junge Kimmich konnte es kaum fassen, als ihm ein Journalist sagte, der FC Bayern sei zwischenzeitlich geschwommen.

Mental sind die Bayern auf der Höhe. Spielerisch müssen sie - sorry, Kimmich und Co. - noch eine Schippe drauflegen, um gegen die großen Kaliber im Halbfinale - und idealerweise im Finale - zu bestehen.

Kapitän Philipp Lahm sagte: "Man kann man immer alles verbessern. Defensiv und Offensive. Wir haben Chancen ausgelassen, den Sack zuzumachen. Wir haben sie leichtfertig vergeben. Und: Wenn der Gegner presst, können wir vielleicht einen Tick ruhiger spielen."

Vidal ist Peps neuer Chef

Auch Guardiola wird in der Analyse Punkte entdecken, die die Bayern verbessern müssen. Er wird feststellen, dass die Bayern paradoxer Weise trotz über 75 Prozent Ballbesitz über weite Strecken Probleme hatten, durchgängige Spielkontrolle zu erlangen. Möglicherweise eine Sache, die mit nomineller Umbesetzung behoben werden kann.

Unantastbar ist da momentan Arturo Vidal, der zwei Mal gegen Juventus und zwei Mal gegen Benfica Bayerns Bester war. Vidal ist heimlich zum Aggressive Leader aufgestiegen, vergisst aber dabei nicht das Fußballspielen. Und in Lissabon schoss er zum vierten Mal das erste Tor in einem Bayern-Spiel. Nur die wichtigen Tore also...

Kapitän Lahm macht beim Chilenen etwas aus, was den Unterschied zu vielen anderen darstellen könnte: "Man sieht vielleicht an ihm, dass er die Champions League noch nicht gewonnen hat. Er steckt gerade in diese Spiele so viel Energie rein."

Vor einem Jahr stand Vidal noch mit Juventus im Finale und verlor gegen den FC Barcelona. Nun hat er eine erneute Chance - und scheint diese mit aller Macht nutzen zu wollen.

Wer soll jetzt kommen?

Auf jeden Fall scheint er selbst die Portugiesen so sehr beeindruckt zu haben, dass sich Journalisten beinahe prügelten, um nach dem Spiel möglichst nahe an ihn ranzukommen. Vidal lächelte nur, was er selten tut, und sagte brav, dass ihn seine Leistung gefreut habe. Mehr nicht.

Um die Halbfinalspiele herum machte der FC Bayern in der Vorsaison den nächsten Bundesliga-Titel perfekt. So schnell dürfte es diesmal nicht gehen. Gut möglich, dass sich dies noch als Vorteil herausstellen könnte.

Die Bayern halten die (Körper-)Spannung hoch, befinden sich im Alltag nicht im Leerlauf, sondern sind gefordert, jede Woche Top-Leistungen abzuliefern und - wenn möglich - von Rückschlägen schnell wieder zurückzukommen. Wie eben nun auch gegen Benfica.

City, Real oder Atletico

Und was soll jetzt kommen? Welchen Gegner wünschen sich die Bayern (Auslosung, Fr., 11.30 Uhr im LIVETICKER)? Manchester City hätte eine besondere Note, weil der Trainer dort bald auf der Bank sitzen wird. Mit Real Madrid hätten die Bayern noch ein Hühnchen zu zupfen. Barcelona-Bezwinger Atletico Madrid ist vielleicht der unangenehmste Gegner.

Aber die Bayern wären nicht die Bayern, wenn sie die vielen Fragen nach dem Wunschgegner nicht einfach abschmettern würden.

"Völlig egal", sagen sie. Und klingen dann wieder so, wie wenn sie sagen: Was habt ihr denn alle?

SL Benfica - FC Bayern München: Daten zum Spiel

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