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Champions League, Viertelfinale

FCB besteht im Beben von Lissabon

Von Für SPOX im Estadio Da Luz: Fatih Demireli
Mittwoch, 13.04.2016 | 22:47 Uhr
Arturo Vidals Hammer ebnete Bayern den Weg ins Halbfinale
© getty
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Der FC Bayern ist durch ein 2:2 (1:1) im Viertelfinal-Rückspiel bei Benfica Lissabon ins Halbfinale der Champions League eingezogen. Damit steht der deutsche Rekordmeister bereits zum fünften Mal in Serie in der Runde der letzten Vier in der Königsklasse.

Vor 61.000 Zuschauern im fast ausverkauften Estadio da Luz gingen die Gastgeber, angetrieben vom fanatischen Publikum, nach 27 Minuten durch Jimenez in Führung. Der abermals bärenstarke Arturo Vidal (38.) glich vor der Pause noch aus.

Nach dem Seitenwechsel erhöhte Thomas Müller mit seinem achten Champions-League-Tor in dieser Saison auf 2:1 und sorgte für die Vorentscheidung im Kampf ums Weiterkommen. Talisca (78.) verwandelte einen direkten Freistoß, was aber nicht reichte, weil sich die Bayern nach Hin- und Rückspiel letztlich mit 3:2 durchsetzen konnten.

Bayerns Semifinal-Gegner wird bei der Auslosung am Freitag ermittelt. Die möglichen Gegner sind Atletico Madrid, das den FC Barcelona im Parallelspiel ausschaltete, Real Madrid und Manchester City.

Die Reaktionen:

Trainer Rui Vitoria (Trainer Benfica): "Wir haben bis zum Ende gekämpft. Mein Dank gilt meinen Spielern. Wir habe versprochen mit den Bayern mitzuhalten. Das haben wir getan."

Pep Guardiola (Trainer Bayern München): "Ich bin sehr glücklich. Ein großes Kompliment an den ganzen Verein für diese Stabilität, zum fünften Mal nacheinander im Halbfinale zu sein. Wir sind dort, wo wir auch in den letzten beiden Jahren waren. Jetzt wollen wir einen Schritt nach vorne machen."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Im Vergleich zum Hinspiel verändert Rui Vitoria auf drei Positionen: Jonas ist gesperrt, Gaitan und Mitroglou stehen nicht im Kader. Dafür spielen Salvio, Jimenez und Carcela-Gonzalez. Zwei Änderungen bei Bayern gegenüber dem Hinspiel: Martinez und Alonso rücken für Bernat und Lewandowski in die Mannschaft. Für den Polen agiert Müller im Sturm.

3.: Kimmich foult Jimenez, Freistoß 25 Meter vor dem Tor: Eliseu zielt per Vollspann links an der Mauer vorbei. Kimmich wirft sich in den Schuss und fälscht rechts neben das Tor ab.

22.: Lahm leitet die nächste Gelegenheit mit einem Rückpass auf Thiago ein, der direkt an den langen Pfosten flankt, wo Vidal aus zehn Metern aber nicht genügend Druck auf den Ball bekommt. Die Flanke hatte leider zu wenig Zug, um einen wirklich harten Kopfball machen zu können.

27., 1:0, Jimenez: Die Portugiesen kontern über Eliseu auf dem linken Flügel. Vidal kommt zu spät, um die Flanke aus dem Halbfeld an den langen Pfosten zu verhindern. Der Ball dreht sich von Manuel Neuer weg, der Nationaltorhüter kommt zu spät aus seinem Kasten, sodass Raul Jimenez zwischen Alaba und Martinez aus 14 Metern rechts unten einköpfen kann.

30.: Salvio zieht auf dem rechten Flügel an die Grundlinie und legt den Ball per Grätsche an den Elfmeterpunkt. Dort rutschen zwei Münchener am Ball vorbei, sodass Jimenez mit der Pike auf das Tor schießt. Glücklicherweise ist sein Abschluss aus Bayern-Sicht zu zentral, sodass Manuel Neuer im Nachfassen ans Leder kommt.

38., 1:1, Vidal: Die Gäste spielen Lahm auf der rechten Strafraumlinie wunderbar frei, doch dessen scharfe, halbhohe Hereingabe findet nur Ederson Moraes, der mit einem Hechtsprung das Leder an den Strafraumkreis boxt. Dort steht Vidal mutterseelenallein und nagelt das Leder per Direktschuss links in die Maschen. Unhaltbar.

48.: Nach einem fahrlässigen Pass von Kimmich leistet sich Bayern fast einen verheerenden Ballverlust. Lahm gelingt es jedoch, den Ball zu sichern. Kimmich findet Thiago im Halbraum, der auf den rechten Flügel zu Costa durchsteckt. Costa sieht sich die Situation im Strafraum ganz genau an, nimmt extra Anlauf und flankt dann aus 20 Metern ins Toraus.

52., 1:2, Müller: Ein Standard bringt wohl die Entscheidung: Alonso schlägt eine Ecke an den langen Pfosten, wo Martinez mindestens zwei Etagen höher als Lindelöf springt und per Kopf in die Mitte legt. Müller steht am linken Fünfereck, hält den Fuß rein und bedankt sich für die portugiesische Unaufmerksamkeit mit einem Volley ins linke untere Eck.

54.: Ribery gewinnt den Ball nach einer misslungenen Ecke im eigenen Strafraum und legt auf Costa. Der wiederum sieht Xabi Alonso, der mit einer geschickten Seitenverlagerung auf dem rechten Flügel für Gefahr sorgt. Der Ball landet umgehend wieder am linken Strafraumeck, wo mittlerweile Costa alleine vor Ederson Moraes auftaucht, aber nach einer verunglückten Ballmitnahme das direkte Duell gegen den Torwart verliert.

60.: Pfosten! Costa bekommt 25 Meter vor dem Tor zu viel Platz und kreiert sich dank seiner enormen Schnelligkeit ein Eins gegen Eins mit Jardel. Per Übersteiger zieht der Brasilianer links vorbei und knallt das Leder vom linken Strafraumeck per Flachschuss an den Innenpfosten.

72.: Riesenglück für Ederson Moraes. Müller legt im Strafraum mit dem Rücken zum Tor für Vidal ab, der aus 22 Metern aber nur einen Kullerschuss zu Stande bringt. Moraes lässt den harmlosen Abschluss durch die Beine flutschen und hat Glück, dass das Leder Millimeter neben den rechten Pfosten ins Toraus geht.

76., 2:2, Talisca: Goncalo Guedes ist auf dem rechten Flügel auf und davon. Martinez grätscht dem 19-Jährigen von hinten in die Beine und verhindert eine klare Torchance knapp vor dem Strafraum. Kuipers lässt Gnade vor Recht ergehen und gibt Gelb. Talisca nimmt beim folgenden Freistoß von rechten Strafraumkante Maß und zirkelt das Leder mit links unhaltbar über die Mauer ins kurze Eck.

85.: Talisca läuft erneut an, zirkelt das Leder wieder traumhaft über die Mauer, aber setzt den Schuss Zentimeter zu weit links des linken Pfostens an. Neuer wäre aber wohl zur Stelle gewesen.

90.+3: Jovic schießt aus der Drehung aus elf Metern aufs Tor. Neuer hat den Ball sicher.

Fazit: Die Bayern haben vor der Pause gezittert, sich schwer getan, sich danach gefangen. Aber am Ende schwammen sie wieder. Souverän war das nicht, aber es hat gereicht.

Der Star des Spiels: Arturo Vidal. Der Chilene wird zum vierten Mal in Folge zum besten Mann gewählt. Nach seinen Gala-Vorstellungen gegen Juventus und im Hinspiel gegen Benfica war er auch in Lissabon der auffälligste Akteur der Münchener: laufstark, kampfstark, dazu ein überragendes Tor. Funfact: Wenn Vidal trifft, ist es in dieser Saison immer das erste Bayern-Tor.

Der Flop des Spiels: David Alaba. Exemplarisch für die wackelige Abwehrleistung der Bayern war die Darbietung Alabas, der gerade bei langen Bällen auf seine Seite schlecht aussah. Auch beim 0:1 sah der Österreicher extrem unglücklich aus. Auch Martinez empfahl sich für eine Nominierung.

Der Schiedsrichter: Björn Kuipers (Holland) erwischte keinen guten Abend. Die eine oder andere Karte (Almeida gegen Ribery) ließ er stecken, auch Martinez hatte vor dem 2:2 Glück, nicht vom Platz geflogen zu sein, war es doch wohl eine klare Torchance für Benfica. Spätestens beim zweiten Mal hätte der Spanier aber definitiv fliegen müssen. Knapp und - im Zweifel richtig - war die Abseitsentscheidung vor Müllers vermeintlichem 3:1.

Das fiel auf:

  • Erstmals seit dem Achtelfinal-Hinspiel in Donezk stand Robert Lewandowski nicht in der Startelf bei einem Champions-League-Spiel des FC Bayern. Müller ersetzte ihn in der Spitze - wohl auch mit der Intention etwas mehr Beweglichkeit zu bewerkstelligen. Costa, Ribery und Müller rochierten in der Tat ungemein viel, allerdings mit wenig Ertrag, weil vorne die Durchschlagskraft fehlte. Dass Vidal der Spieler mit den meisten Torschüssen (4) zur Halbzeit war, war kein Zufall.
  • Benfica setzte so wie viele Bayern-Gegner in der Bundesliga auf eine Fünferkette. Die Offensividee hieß - wie schon im Hinspiel - weite Bälle in die Spitze zu schlagen. Auch wenn mit Javi Martinez und Xabi Alonso Bayerns Defensive im Vergleich zum Hinspiel "gewachsen" ist, hatten die Bayern Probleme in der Verteidigung dieser Bälle. So fiel auch das 0:1.
  • Angetrieben von der extremen Kulisse investierte Benfica viel Herzblut, führte aggressive Zweikämpfe und sorgte damit, dass die Bayern phasenweise in Hektik verfielen. Dem Glück war es zu verdanken, dass die Gastgeber nicht direkt nach der Führung nachlegten.
  • Paradox: Die Bayern erspielten sich vor der Pause bis zu 80 Prozent Ballbesitz, hatten dennoch keine Spieldominanz. Vidals Ausgleich ließ zwar Benficas Druck abebben, aber das Bayern-Spiel nicht wirklich ruhiger und runder wirken.
  • Die Bayern drehten nach der Pause den Spieß um, übten das Pressing deutlich aggressiv aus und brachten vor allem Douglas Costa öfter in die direkten Duelle. Benfica hatte nach dem Seitenwechsel eine katastrophale Passstatistik von 51 erfolgreichen Versuchen.
  • Zuletzt ein Gegentor durch einen direkten Freistoß kassierten die Bayern in der Champions League durch einen Portugiesen: Cristiano Ronaldo traf beim 4:0 in München im Halbfinal-Rückspiel 2014 auf diese Weise.

SL Benfica - FC Bayern München: Daten zum Spiel

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