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Dechiffriert.

Donnerstag, 14.04.2016 | 08:18 Uhr
Atletico Madrid steht nach der Saison 2013/2014 erneut im Halbfinale der CL
© getty
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39 Pflichtspiele pflügte der FC Barcelona ohne Niederlage durch die Saison. In der entscheidenden Phase der Saison scheint dem Team jedoch die Luft auszugehen. Erneut scheitert man einem gut organisierten Atletico Madrid. Ein Traum platzt.

Als Gabi in der 90. Minute an der Strafraumgrenze der Ball an die Hand sprang, wusste der Atletico-Kapitän sofort, was dies bedeuten könnte. Gerade eben hatte man doch das 2:0 erzielt und stand mit einem Bein im Halbfinale. Ein Elfmeter käme jetzt zur Unzeit, schließlich wären dann die Uhren wieder auf Null gestellt. Unschuldig verschränkte er die Hände hinter dem Kopf und ging in der Traube von Barca-Spielern unter. Von ihm kam kein Wort.

Umzingelt von Mannen in gelb-roten Trikots stand er einfach nur da. Erst als der Schiedsrichter seine Entscheidung verkündete, schlich der Atletico-Kapitän vom Ort des Geschehens. Statt auf den Punkt zu zeigen, entschied Schiri Rizzoli auf Freistoß - eine klare Fehlentscheidung. Messi setzte den fälligen Freistoß über den Kasten und Atletico löste das Halbfinal-Ticket. Eine Szene, die das Viertelfinale treffend abrundet.

Denn nach dem Hinspiel war es das Lager von Atletico, das sich betrogen fühlte. Fernando Torres sah bereits in der 36. Minute nach wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte. Dabei hatten die Colchoneros Barca bis zur Unterzahl komplett im Griff und führten sogar mit 1:0. Das ausgeklügelte Verteidigungsspiel der Hauptstädter, die in vorderster Front mit zwei Mann agierten, fiel fortan in sich zusammen. Mit ähnlich aggressivem Angriffspressing ging Atletico auch das Rückspiel gegen die Katalanen an und schaffte es, die Enrique-Elf in den ersten 60 Minuten komplett aus dem Spiel zu nehmen. Speziell die Maßnahme, Busquets stets eng zu decken, ging auf.

Kaum Chancen im ersten Durchgang

"Wir haben Atletico nicht so offensiv erwartet. Vor allem im ersten Durchgang sind wir kaum zu Chancen gekommen", erklärte Barca-Coach Luis Enrique im Anschluss an die Partie. Innerhalb von vier Pflichtspielen scheint sich das Bild von Barca komplett gedreht zu haben. 39 Spiele blieben die Katalanen ohne Niederlage und pflügten in einer unheimlichen Selbstverständlichkeit durch sämtliche Wettbewerbe. Erst nach der Clasico-Pleite Anfang April kam der FCB-Motor ins Stocken. Gegen ein vollzähliges Atletico präsentierte man sich schon im Hinspiel ideenlos. Es folgte eine Liga-Pleite gegen San Sebastian und nun das 0:2 im CL-Viertelfinale.

Barca nach dem Aus gegen Atletico nun eine Krise anzuhängen, wäre vermutlich zu leicht. Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass den Katalanen im Saisonendspurt und somit in den entscheidenden Spielen die Luft ausgeht. Erstmals seit dem Jahr 2014 blieb Barca in zwei Spielen in Folge ohne eigenes Tor. Und in der Liga schrumpfte der zunächst komfortable Vorsprung auf die Konkurrenz auf magere drei (auf Atletico) bzw. vier (auf Real Madrid) Punkte.

"Hängen in einem Loch"

"Die Niederlage ist ein klares Zeichen dafür, dass wir in einem Loch hängen. Wir spielen aktuell nicht den besten Fußball und sind längst nicht mehr so effektiv", so Enrique. Immer wieder wurde der Mannschaft zuletzt vorgeworfen, sie sei körperlich nicht mehr auf der Höhe und habe mit dem enormen Pensum im Training und den zahlreichen Spielen zu kämpfen. Einige Spieler seien nicht mehr so frisch wie noch vor wenigen Wochen.

Die Auftritte liefern dafür Beweise, auch wenn die Spieler die Vorwürfe noch zurückweisen. "Wir sind körperlich immer noch fit. Klar, wir haben zahlreiche Partien in den Knochen, doch der Mannschaft geht es gut", erklärte Gerard Pique, der selbst seit geraumer Zeit mit Hüftproblemen zu kämpfen hat.

Erst zwei Mal seit der Saison 2007/08 muss das Halbfinale demnach ohne Barcelona auskommen. Nur vor zwei Jahren war ebenfalls früher Schluss. Gegner damals: Atletico Madrid. "Wir sind heute auf einen Gegner getroffen, der unser Spiel egalisiert hat. Wir hatten zwar Kontrolle über die Partie, aber wir haben es nicht geschafft, Chancen zu kreieren", analysierte Javier Mascherano.

Zwei Träume platzen

Mit einer mannschaftlichen Geschlossenheit und irrer taktischer Disziplin gelang es Atletico somit erneut, den großen Favoriten zu dechiffrieren und somit aus dem Rennen zu kegeln. Die defensive Stabilität gilt als der zentrale Schlüssel für das Halbfinale.

Lediglich 16 Gegentore kassierten die Colchoneros in der laufenden Liga - deutlich weniger als Barcelona (27) und Real (29). "Das Team hat heute einfach alles gegeben. Wir hatten gute Chancen und hatten bei unserem Lattentreffer etwas Pech. Wir stehen verdient im Halbfinale, auch wenn Barcelona uns in der zweiten Halbzeit eingeschnürt hat", so Atleticos Kapitän Gabi.

Für Barcelona zerplatzen mit dem Aus nun zwei Träume. Sowohl das Triple als auch die erstmalige Titelverteidigung sind hinfällig. Auch in der 24. CL-Saison schafft es der amtierende Champion somit nicht, den Titel erneut zu holen. "Das war unser großes Ziel", erklärt Enrique in Hinblick auf die Titelverteidigung. "Dieses Jahr wird es nichts. Deshalb ist die Mannschaft aktuell brutal niedergeschlagen, das ist klar."

Man wolle sich nun auf die Liga und den Pokal konzentrieren, ist unisono zu hören. Zwei Titel sind in diesen Wettbewerben weiterhin drin für Barcelona. Eine Krise sieht wohl anders aus, doch sollte das Leistungstief anhalten, könnten bald noch mehr Titelträume platzen.

Atletico Madrid - FC Barcelona: Daten zum Spiel

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