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Donnerstag, 28.04.2016 | 08:46 Uhr
Die 11. Minute in Madrid: Saul Niguez erzielt das Tor des Spiels für Atletico
© getty
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Wieder verliert der FC Bayern das Halbfinal-Hinspiel in Spanien, wieder erzielt der FCB kein Tor und wieder sorgen Aufstellung und taktische Ausrichtung für Diskussionen. Im Rückspiel müssen Pep Guardiola und sein Team zeigen, ob sie aus der Vergangenheit gelernt haben und ob sie einen Schritt nach vorne machen können.

Stellen Sie sich vor, es ist Krieg und keiner geht hin. Soldaten, Krieg, Hölle, viele dieser martialischen Ausdrücke waren vor dem Hinspiel des FC Bayern im Champions-League-Halbfinale bei Atletico Madrid im Umlauf, wie das eben so ist, wenn man in Ländern wie Spanien oder Argentinien über wichtige Fußballspiele spricht.

Und dann war es soweit. Laute Gesänge, hitzige Atmosphäre, beeindruckende Choreographie, Champions-League-Hymne. Alles war so, wie man es sich für ein Halbfinale nur wünschen kann. Nur der FC Bayern war erstmal nicht erschienen.

Unisono hatten Spieler und Trainer im Vorfeld erklärt, sie seien bestens vorbereitet und bereit für diese Partie. 25, 30 Minuten spielten die Münchner dem Ambiente und der Bedeutung dieses Spiels aber nicht angemessen. Spieler wie Thiago, Juan Bernat oder Douglas Costa verstiegen sich in Schönspielerei, sinnlosen Übersteigern und gingen Zweikämpfen weitestgehend aus dem Weg.

Die Quittung war das frühe 0:1 und damit das, was man auf jeden Fall vermeiden wollte: gegen dieses Atletico in Rückstand geraten. Wie schon der FC Barcelona vor zwei Wochen liefen die Münchner diesem einen Tor vergeblich hinterher. Und es wurde ein Spiel, das viele Fragen aufwarf.

Peps Plan: Mehr Kontrolle ohne Müller

"In Kriegen kommt es nicht darauf an, wer mehr Soldaten hat, sondern wer seine Soldaten besser einsetzt", hatte Diego Simeone am Dienstag auf der Pressekonferenz gesagt. Guardiola verzichtete mit Thomas Müller und Franck Ribery auf zwei seiner auf diesem Niveau erfahrensten Offensivspieler und begann mit Douglas Costa sowie Kingsley Coman auf Außen.

"Ich wollte einen Linksfuß auf der linken und einen Rechtsfuß auf der rechten Seite", sagte Guardiola. Und: "Ich wollte mehr Kontrolle, ich wollte mehr Mittelfeldspieler." Das erklärte, warum Thiago anstelle Müllers spielte.

Der Trainer nannte nachvollziehbare Gründe, ging mit der Personalwahl aber auch volles Risiko. Er weiß, was passiert, wenn er Müller draußen lässt und dann im schlimmsten Fall das Spiel sogar verliert. Denn im Nachhinein lässt sich sagen, dass sein Schachzug nicht funktioniert hat. Thiago half nicht bei der Mittelfeldkontrolle und die Außen blieben lange wirkungslos.

Bayern vergisst seine Stärken

Die schwache Anfangsphase war das nächste große Rätsel. Warum haben die Bayern das von ihnen erwartete Spiel nicht annehmen können? "Wir haben in den letzten Tagen viel über Atletico gesprochen, aber wir haben es nicht gut gemacht. Man kann viel sprechen - wenn man es aber nicht umsetzt, bringt es nichts", sagte Guardiola.

Hatten ihm seine Spieler nicht richtig zugehört? "Wir wussten, dass Atletico in den ersten Minuten kommen wird. Das ist kein Geheimnis, das haben sie auch gegen Barcelona so gemacht", sagte Torhüter Manuel Neuer.

Um sich von diesem hohen, aggressiven Pressing zu befreien, spielten die Bayern viele lange Bälle. Auch das Teil der Strategie, wie Philipp Lahm erklärte. In der Kenntnis um Atleticos Stärken, vergaßen die Bayern aber ihre eigenen und offenbarten ihre Schwächen.

Die Münchner sind kein Team, das sich mit Spielern wie Gabi oder Augusto Fernandez um zweite Bälle streiten will. Sie wollen den Ball haben, ihn zirkulieren lassen, den Rhythmus und das Spiel kontrollieren. Aus diesem Grund hatte Guardiola auch Thiago aufgestellt. Wie passt es da zusammen, dass die Bälle erstmal übers Mittelfeld hinweg flogen?

Die Sache mit dem Rasen

Und dann noch die Sache mit dem Rasen. Stumpf war er, keine Frage. Aber hätte man nicht doch lieber das Abschlusstraining in Madrid abhalten sollen, um sich an die Umstände und Gegebenheiten im Vicente Calderon zu gewöhnen, einem Stadion, in dem der FC Bayern zuvor noch nie gespielt hatte und auch nie wieder spielen wird, weil Atletico nächste Saison in eine neue Arena umziehen wird?

Neuer meinte, der Platz in Berlin sei schon genauso gewesen, was als Vorbereitung dann reichen müsse. Richtig entkräften konnte er diese These aber nicht und so bleibt der Eindruck, als hätte der schwache Start ins Spiel auch mit einer Phase der Akklimatisierung zu tun.

Guardiolas eigene Halbfinalgeschichte

Als der FC Bayern wieder wie der FC Bayern agierte und versuchte, Fußball zu spielen, "wurde es auch besser", wie Lahm anmerkte. Trotzdem gehört es bisher zur Geschichte der drei Halbfinals gegen spanische Teams, dass es hinterher immer um Personal- und Taktikentscheidungen Guardiolas geht.

2015 gegen Barca war das Team von Verletzungssorgen gebeutelt, das Ausscheiden hatte auch mehr mit individuellen Fehlern und einem Einbruch in der Schlussphase des Hinspiels zu tun als mit der taktischen Ausrichtung. Aber das Thema Dreierkette hatte Guardiola geliefert.

2014 gegen Real Madrid nahm der Trainer die 0:4-Niederlage im Rückspiel auf seine Kappe. Der größte Fehler seiner Karriere. Er habe seine Ideen verraten und sich eine falsche Aufstellung einreden lassen. Umso erstaunlicher, dass er auch im Vicente Calderon zu Beginn gegen seine Überzeugung lange Bälle spielen ließ.

Guardiolas letzte Chance

Mit dem 0:1 gehen die Münchner nicht mehr als Favorit ins Rückspiel, das Pendel neigt leicht zur Seite Atleticos. Die knappe Niederlage ist für die Bayern aber auch die Chance zu zeigen, dass sie aus der Vergangenheit gelernt haben und das gewonnene Wissen in die Gegenwart transferieren können.

Gegen Real und Barca waren im Rückspiel jeweils nach schnellen Gegentoren früh alle Hoffnungen verflogen. Wie schwer es ist, gegen Atletico einem Rückstand hinterherzulaufen, haben die Bayern am Mittwoch selbst erlebt.

"Wir müssen sehr intelligent spielen. Wir brauchen Geduld. Wir brauchen nur ein Tor für die Verlängerung", sagte Guardiola. Der Trainer könnte sich mit einem erfolgreichen Rückspiel auch für die beiden Niederlagen in den Jahren zuvor rehabilitieren.

Vielleicht hilft auch hier eine Aussage Simeones vom Dienstag: "Im Leben und im Fußball gibt es keine Revanche, nur neue Möglichkeiten." Für Guardiola immerhin die letzte, mit den Bayern doch noch ins Finale einzuziehen.

Atletico Madrid - FC Bayern München: Daten zum Spiel

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