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Keine halbe Sachen

Mittwoch, 30.09.2015 | 10:56 Uhr
Letztlich mussten die Leverkusen-Spieler doch als Verlierer vom Platz gehen
© getty
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Bayer Leverkusen liefert gegen Titelverteidiger FC Barcelona eine sehr gute Leistung ab, belohnt sich aber nicht für die Mühe. Mit leeren Händen geht es zurück nach Deutschland, die Enttäuschung ist berechtigt.

Es war ein komischer Roger Schmidt nach dem Spiel in der Mixed Zone. Einerseits war dem Trainer anzumerken, wie nahe ihm die Niederlage im Camp Nou ging.

Der Blick nach unten, als er über den Ausgleich durch Sergi Roberto sprach, das Stirnrunzeln, als er die Wiederholung des Tores von Luis Suarez sah.

Doch wenn Schmidt seinen Blick nach oben richtete und in die Mikros sprach, war auch eine Art Stolz zu sehen. Ein leichtes Funkeln in den Augen. Schmidt akzeptiert keine halben Sachen, er hat ganz klare Vorstellungen davon, wie er Fußball spielen möchte. Seine Mannschaft ist die dominante. Immer und überall.

Das zeigte Leverkusen über lange Strecken auch im Camp Nou. Im Camp Nou, gegen den FC Barcelona, eine Mannschaft, die an sich selbst den Anspruch stellt, immer das Spiel im Griff zu haben. Darauf war Roger Schmidt stolz. Er hatte ein Team gesehen, das keine halben Sachen macht, sondern ein starkes Gesamtpaket zu bieten hat.

Leverkusen verteidigt offensiv

Die Werkself störte nicht immer früh und lief nicht jeden Ball direkt aggressiv an. Sie wartete vielmehr an der Mittellinie auf ihr Pressingsignal, verschob bis dahin gekonnt mit und legte dann wie auf Knopfdruck los. Selbst eine so ballsichere Defensive mit Gerard Pique, Javier Mascherano und Marc-Andre ter Stegen dahinter hatte zahlreiche Probleme damit, das Spiel sinnvoll aufzubauen.

Leverkusens Stürmer unterbanden geschickt Zuspiele in ihren Rücken, die Außenverteidiger Barcas wurden direkt nach der Ballannahme vom Rest der Mannschaft isoliert und verloren zahlreiche Bälle. Kaum eine andere Mannschaft traut sich das gegen die Katalanen, kaum eine andere Mannschaft kann es so gut wie Leverkusen.

"Ich glaube, wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht. Wir hätten etwas mitnehmen können, und das vielleicht sogar verdient", fasste Schmidt zusammen. Die Leistung seiner Elf war gut gewesen, wahrscheinlich sogar herausragend. Das große Problem: Bayer ging im vierten Spiel binnen zehn Tagen die Luft aus.

Die Chancen waren da

Dabei war es weniger die physische Ausdauer, die an ihre Grenzen stieß, sondern vielmehr die mentale. Auch in der 80. Minute noch 100 Prozent seiner Leistung abzurufen, fällt schwer, wenn man gegen Barcelona spielt. Jeder Pass, jedes Anlaufen kostet Kraft. Umso mehr, wenn die eigenen Bemühungen ins Leere laufen.

Die Chancen waren da, die Führung auszubauen. Nur genutzt wurden sie nicht. Man mag Unerfahrenheit erkennen oder zittrige Knie, so oder so waren es aber hochkarätige Chancen, die man gegen den FC Barcelona eben nutzen sollte. Für Schmidt und seine Männer geht es ohne Punkte zurück: "So müssen wir akzeptieren, dass Barcelona hinten raus noch mal richtig Druck gemacht hat."

"Das einzige, was wir kritisieren müssen, ist die Chancenverwertung", setzte auch Roberto Hilbert Kritik an bekannter Stelle an. Doch die Frage ist, ob diese Sicht der Dinge wirklich die drei Punkte ersetzen kann, die verloren wurden.

"Wenn nicht jetzt, ..."

"Das Spiel war eine Chance für uns, daran zu wachsen, und es was gut für mich zu sehen, wie mutig wir das angegangen sind", sagte zwar Schmidt, dennoch wird es nicht reichen, seine Mannschaft wieder aufzubauen. Wer gut 70 Minuten im Camp Nou die bessere Mannschaft ist, der will einen Sieg mitnehmen - ohne jede Frage.

Natürlich haben "Papadopoulos und Tah über weite Strecken ein fantastisches Spiel gemacht", natürlich war der Schuss von Luis Suarez in der 82. Minute eine "herausragende Qualität." Aber am Ende steht da ein 1:2. Die Gelegenheit war da, um die Sensation zu packen, die Umstände vielleicht so günstig wie nie.

Lionel Messi fehlte dem FC Barcelona merklich in der Offensive, genauso aber im Spielaufbau. Jeremy Mathieu erwischte einen gebrauchten Tag, irgendwie fand der Kopfball von Kyriakos Papadopoulos den Weg ins Tor. Die Verletzung von Andres Iniesta, die ebenso schwache Chancenverwertung der Katalanen und - nicht zu vergessen - mit Martin Atkinson ein Schiedsrichter, der der Spielweise der Werkself sehr entgegen kam.

Lob vom Gegner wertlos

Allen in Leverkusen ist klar: Wenn man gegen Barcelona gewinnen kann, dann an diesem Abend. Somit mag es hart klingen, aber letztlich hilft es dem Team nicht weiter, sich nun auf die Schulter zu klopfen. "Die Leverkusener verdienen unser Lob", sagte sogar Barca-Coach Luis Enrique, kaufen kann sich die Werkself davon aber nichts. Die Niederlage ist "bitter", wie Lars Bender formulierte.

Selbstverständlich wird auch die positive Aufarbeitung zur Analyse der Partie gehören und Schmidt wird seinen Spieler ganz genau sagen, wie stolz er auf sie ist. Doch ein Sieg - das wäre es gewesen.

Niemand hätte mit einem Dreier für Leverkusen in Barcelona gerechnet oder diesen gar gefordert. Aber jeder Spieler wäre gerne als Sieger vom Platz gegangen. Mund abputzen und weitermachen, sagt man im Fußballjargon gerne. Kein anderer Satz dürfte so genau zutreffen auf diese Nacht im Camp Nou.

FC Barcelona - Bayer Leverkusen: Die Statistik zum Spiel

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