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Bayern siegt und fliegt

Von Andreas Lehner, David Kreisl und Christoph Köckeis
Dienstag, 12.05.2015 | 22:38 Uhr
Neymar erzielte die ersten beiden Treffer für den FC Barcelona
© getty
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Der FC Bayern München ist im Halbfinale der Champions League ausgeschieden. Das Team von Trainer Pep Guardiola gewann zwar das Rückspiel gegen den FC Barcelona mit 3:2 (1:2), das Hinspiel hatten die Münchner aber 0:3 verloren.

Vor 70.000 Zuschauern in der ausverkauften Allianz Arena durfte der FC Bayern kurz am Wunder und der Aufholjagd schnuppern. Medhi Benatia besorgte die frühe Führung (7.). Die kalte Dusche folgte aber prompt durch Neymar (15.), der auch die Führung für Barca erzielte (29.).

Nach dem Seitenwechsel sorgten Robert Lewandowski (59.) und Thomas Müller (74.) mit ihren Treffern für den verdienten Sieg der Bayern.

Der FC Bayern gewann damit auch sein sechstes Heimspiel in dieser CL-Saison und bleibt zuhause gegen Barca ungeschlagen (3 Siege, 2 Remis). Für Barca war es dagegen die erste Auswärtsniederlage in einem Pflichtspiel seit dem 4. Januar (14 Spiele). Der eingewechselte Xavi absolvierte sein 150. CL-Spiel - Rekord!

Das Finale findet am 6. Juni in Berlin statt. Der Gegner der Blaugrana wird am Mittwoch zwischen Real Madrid und Juventus Turin ermittelt (20.45 Uhr im LIVE-TICKER).

Reaktionen:

Luis Enrique (Barcelona): "Der schnelle Ausgleich gab uns wieder Selbstbewusstsein. In der zweiten Hälfte haben wir aufgrund des Ergebnisses zu viele Fehler gemacht, aber es bleibt eine Nacht zum feiern. Guardiola? Zwei Freunde wünschen sich immer nur das Beste."

Pep Guardiola (Bayern): "Natürlich sind wir enttäuscht, aber jetzt können wir nur Barcelona gratulieren. Hoffentlich gewinnen sie ihren fünften Titel, sie haben es sich verdient. Barcelonas drittes Tor letzte Woche hat uns gekillt."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Der FC Bayern beginnt mit derselben Aufstellung wie im Hinspiel. Also auch mit dem Vierermittelfeld Alonso, Lahm, Schweinsteiger und Thiago. Götze sitzt auf der Bank. Rode kehrt in den Kader zurück.

Auch Barca mit der Elf, die im Hinspiel zu Beginn auf dem Platz stand. Ter Stegen steht wie immer in der Champions League im Tor.

4.: Fast die Führung! Plötzlich geht es ganz schnell. Messi sieht Rakitic in die Tiefe starten und serviert ihm den Ball perfekt. Aus halbrechter Position und zehn Metern zieht der Kroate ab - Neuer wiederum taucht ab und fischt den Schuss aus der langen Ecke.

7., 1:0, Benatia: Alonso zirkelt die Ecke an den Elfmeterpunkt. Dort schraubt sich Benatia völlig freistehend hoch und nickt die Hereingabe links unten ein - keine Chance für ter Stegen. Ein Auftakt nach Maß!

15., 1:1, Neymar: Knapp acht Minuten dürfen die Fans träumen, dann schlägt Neymar zu. Erneut schüttelt Messi den tödlichen Pass aus dem Fußgelenk. Suarez ist gegen Alonso frei durch und legt vor Neuer quer zu Neymar, der ohne Mühe einschiebt.

19.: Bayern antwortet und stürmt. Lahm flankt aus dem Halbfeld wunderbar in die Schnittstelle der Abwehr. Müller macht beim Kopfball fast alles richtig. Ter Stegen kratzt diesen jedoch stark aus der Kreuzecke.

29., 1:2, Neymar: Das ist die Vorentscheidung! Messi verlängert im Mittelfeld einen Abschlag per Stirn. Die Bayern sind weit aufgerückt, daher hinten blank. Suarez zieht den schlecht postierten Benatia und Boateng davon. Er legt vor Neuer abermals uneigennützig ab - Neymar bedankt sich. Er staubt trocken ab.

40.: What a save! Thiago dribbelt von der Mittellinie ausgehend drei Mann aus und will dann schießen. Sein Versuch wird geblockt - nämlich vor die Füße Lewandowskis. Ter Stegen, bereits verladen und auf dem Weg in die linke Ecke, fährt blitzschnell den Arm aus. Der Schuss kullert so Richtung Linie. Der Barca-Keeper eilt herbei und rettet in höchster Not.

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46.: Wechsel beim FC Barcelona: Suarez, doppelter Assistgeber, bleibt in der Kabine. Nachdem Bayern sechs Tore benötigen würde und ihm der Muskel Probleme bereitet, wird er geschont. Reine Vorsichtmaßnahme. Für ihn kommt Edel-Joker Pedro.

59., 2:2, Lewandowski: Es geht doch! Lahm mit der Balleroberung im Halbfeld Barcas. Das Leder wandert zu Lewandwoski mittig am Strafraum, Mascherano lässt sich von einem Po-Wackler des Polen vernaschen - dessen Versuch aus 17 Metern schlägt unten rechts ein.

74., 3:2, Müller: Barcelona verwaltet das Ergebnis und die Hausherren drehen auf: Schweinsteiger lässt am Sechzehner prallen. Müller fackelt nicht lange und schlenzt aus 18 Metern maßgenau in die linke Ecke.

Fazit: Es war Fußball der Extraklasse, der in der Allianz Arena geboten wurde. Besonders im ersten Abschnitt zündeten beide Mannschaften ein Feuerwerk. Nach dem Seitenwechsel verdiente sich Bayern mit Herzblut und tollen Kombinationen den Sieg. Ein versöhnlicher Abschied aus der Champions League.

Der Star des Spiels: Thomas Müller. War von Beginn an der emotionale Antreiber. Ging enorm weite Wege, riss immer wieder Löcher und belohnte sich mit dem Siegtreffer. Einziger Makel: Hätte vor dem 1:2 selbst den Treffer erzielen müssen und Bayern wieder in Führung bringen können.

Der Flop des Spiels: Medhi Benatia. Weckte die Hoffnung auf die Aufholjagd mit seinem Treffer und war im ganzen Spiel körperlich sehr präsent. Machte sich seine gute Leistung aber mit den zwei Fehlern vor den Gegentreffern seine gute Leistung kaputt. Ließ vor dem 0:1 Suarez in seinem Rücken laufen und rückte vor dem 1:2 unnötig raus.

Der Schiedsrichter: Mark Clattenburg (England). Gab für einen Briten eine recht kleinliche Linie vor, lag mit mehreren Zweikampfbewertungen und Abstoß/Ecken-Entscheidungen daneben. Kam nicht in den Verdacht, ein Heimschiedsrichter zu sein.

Das fiel auf:

  • Guardiola vertraute auf den Kniff aus dem Porto-Spiel. Lahm begann wieder als Rechtsaußen. Thiago unterstützte deutlich tiefer als im Camp Nou Xabi Alonso im Aufbauspiel. Davor agierten Müller und Schweinsteiger fast auf einer Höhe hinter Lewandowski. Hinten agierte eine Viererkette.
  • Die Bayern blieben ihrer Mann-gegen-Mann-Spielweise treu, agierten mit extrem hohem Aufwand und hoher Aggressivität, was bei Barca zu Ballverlusten führte und Möglichkeiten zum Umschalten bot. Das Spiel zum Tor hatte deutlich mehr Zug als in Barcelona. Wieder einmal ging man aber zu leichtfertig mit den Chancen um. Barca war dagegen eiskalt im Abschluss. Der große Unterschied der Partie.
  • Barca griff wieder auf viele lange Bälle von ter Stegen zurück, um Bayerns Pressing zu überspielen. Bayern reagierte darauf, indem sich Alonso in die letzte Linie fallen ließ und gegen Suarez verteidigte, die beiden Innenverteidiger rückten nach außen. Da Suarez aber mit dem Rücken zum Tor sehr geschickt agierte und die Bälle festmachte, wurde es immer wieder gefährlich.
  • Bayern gab nach der frühen Führung, die auch das Stadion komplett elektrisierte, den Vorsprung zu leicht aus der Hand. Bei den Gegentoren leisteten sich die Münchner zu einfache Fehler, die Barcas Offensivtrio dankend annahm. Ohnehin wurde es für Bayern gefährlich, wenn Neymar, Messi oder Suarez den Ball unter Kontrolle hatten. Mit Dribblings, Bewegungen in die Tiefe und Doppelpässen sorgten sie für Unordnung in Bayerns Defensive.
  • Nach der Pause die Bayern erst einmal im 4-3-3 mit Lahm auf der Halbposition, Müller als Rechts- und Thiago als Linksaußen. Nach ein paar Minuten stellte Guardiola auf 4-4-2 mit Raute um. Bayern weiter mit Zug nach vorne, aber nicht mehr mit der brutalen Intensität der Anfangsphase, trotzdem ergaben sich immer wieder Chancen. Barca wollte das Ergebnis verwalteten, brachte ohne den zur Halbzeit ausgewechselten Suarez aber kaum mehr vernünftige Angriffe zustande.

FC Bayern München - FC Barcelona: Die Statistik zum Spiel

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