Der Rekordmeister nach dem Remis gegen Donezk

Auf der Suche nach dem FC Bayern

Mittwoch, 18.02.2015 | 10:26 Uhr
Thomas Müller erlebte mit den Bayern gegen Donezk einen Tag zum Vergessen
© getty
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Vor der Winterpause spielte der FC Bayern München die Konkurrenz in Grund und Boden, seit Beginn der Rückserie sucht der Rekordmeister nach der Dominanz der Hinrunde. Das trostlose Unentschieden im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Schachtjor Donezk war der nächste Warnschuss - den die Beteiligten zwar registrieren, aber nicht dramatisieren.

Viel wollte man nicht reden über Alberto Undiano Mallenco. Den Spanier, der sich als Schiedsrichter in den zurückliegenden 90 Minuten nicht gerade massenhaft Freunde im Lager des FC Bayern gemacht hatte. Matthias Sammer schmunzelte kurz und betitelte die Spielleitung des Referees bei "Sky" als "sehr merkwürdig", Coach Pep Guardiola wollte "gar nichts sagen".

Natürlich haderten sie im Münchner Tross mit der unglücklichen Vorstellung des Unparteiischen. Und natürlich machten sich die Bayern so ihre Gedanken, was am Ende auf der Anzeigetafel in der Arena Lwiw gestanden wäre, hätte Mallenco Douglas Costa in der 57. Minute für seinen Ellenbogenschlag gegen Franck Ribery zurecht die Rote Karte kassiert. Und die Münchner eine halbe Stunde in Überzahl hätten spielen dürfen - und nicht der Gegner nach dem Platzverweis gegen Xabi Alonso wenige Minuten später.

Den Schwarzen Peter wollte man dem Spanier nach der Partie trotzdem nicht zuschieben. Vielmehr sind es die Problemchen, die dem Rekordmeister seit Beginn der Rückrunde plagen, die noch immer nicht gelöst sind und von der starken zweiten Hälfte in Stuttgart und dem fulminanten 8:0 gegen einen völlig desorientierten HSV nur kaschiert wurden.

"Das ist noch nicht Bayern München"

"Man sieht, dass wir zu unserer Bestform noch ein bisschen Luft nach oben haben", meinte Sportdirektor Sammer. Und: "Heute war nicht schlecht, aber das ist noch nicht Bayern München und da müssen wir wieder hin."

Der FCB in Bestform hätte die Heimreise aus der Ukraine wohl mit mehr als einem torlosen Remis angetreten. Nach der Partie gegen ein Team, dass seit Anfang Dezember kein Pflichtspiel mehr bestritten hat und nicht einmal im eigenen Stadion auflaufen konnte. Doch wie schon gegen Wolfsburg, Schalke und Stuttgart wirkte die Offensive der Münchner seltsam uninspiriert und ohne Durchschlagskraft.

"Wir haben das Spiel zwar kontrolliert, aber uns zu wenige Tormöglichkeiten erspielt", haderte Guardiola mit seinem Team, dass sich bei acht Torschüssen nicht eine hochkarätige Chance erspielen konnte.

Auch Mario Götze machte aus dem enttäuschenden Auftritt der Abteilung Attacke, bei der diesmal der konsequent gedoppelte Arjen Robben nicht den Türöffner spielen konnte, keinen Hehl: "Wir haben uns sehr schwer getan, sind nicht zu unserem Spiel gekommen wie wir uns das vorgestellt haben. In der Champions League entscheiden oft Kleinigkeiten."

Neue Nahrung für Kritik an Xabi und Schweinsteiger

Vielleicht waren diese Kleinigkeiten diesmal auch in der Ausrichtung von Guardiola zu suchen. Das funktionierende Gebilde aus dem HSV-Spiel löste der Katalane auf, um mit David Alaba in der Innenverteidigung und einem extrem offensiven Bastian Schweinsteiger anzutreten. Thomas Müller gab die einzige Spitze, während Robert Lewandowski, dessen Ballbehauptung und -verarbeitung auf engstem Raum gegen viele Verteidiger sicher nicht von Nachteil gewesen wären, erst eine Viertelstunde vor Schluss ran durfte.

Ebenso dürften sich die Kritiker am Mittelfeld-Duo Schweinsteiger/Alonso nach dem Auftritt in der Ukraine bestätigt sehen. Auch wenn Franz Beckenbauer vor dem Spiel noch beteuerte, dass die beiden "weltklasse Spieler natürlich miteinander spielen können", steht auf dem Papier nur ein Sieg aus vier Spielen mit den Dirigenten zusammen auf dem Platz. In der einzigen Partie, in der nur der Schweinsteiger mitmachte, hieß es am Ende 8:0 für die Münchner.

Zumindest im Rückspiel wird Pep nix anderes übrig bleiben, als auf letztere Variante zurückzugreifen. Denn Xabi Alonso wird nach seiner Gelb-Roten Karte in seinem 100. Einsatz in der Königsklasse am 11. März in der Allianz Arena fehlen. Es war die Pointe an einem gebrauchten Abend für die Bayern, dass ausgerechnet der Jubilar für das negative Highlight sorgte - und damit sogar seinen perfektionistischen Sportvorstand dazu zwang, sich mit dem 0:0 zu arrangieren.

"Schippe drauflegen, ohne Nerven zu verlieren"

"Vor dem Spiel wäre ich nicht zufrieden gewesen, nach der Gelb-Roten Karte kann ich damit leben", meinte Sammer, der das 0:0 zwar als "gefährliches Resultat" betitelte, aber dennoch bemüht war, auch die positiven Ansätze aus dem Besuch im kriegsgeplagten Land zu ziehen.

"Wir haben die Konter heute gut kontrolliert, ich kann mich an keinen Chance von Schachtjor erinnern", lobte der 47-Jährige. Und in der Tat zeigte die so hochgelobte Offensivabteilung um den bislang neunfachen Torschützen Luiz Adriano eine desolate Vorstellung und brachte in 90 Minuten trotz langer Überzahl genau einen Torschuss zustande - einen Freistoß aus knapp 30 Metern.

Im Rückspiel also - und da wollte man nach den 90 Minuten von Lwiw viel darüber reden - soll es dann wieder der echte FC Bayern sein, der um den Einzug ins Viertelfinale kämpft. "Wir müssen eine Schippe drauflegen, ohne dabei die Nerven zu verlieren", forderte Sammer. "Wir müssen jetzt das Rückspiel gewinnen", tönte Guardiola. "Und werden das auch schaffen mit unseren Leuten."

Schachtjor Donezk - Bayern München: Die Statistik zum Spiel

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