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Nur zu Besuch

Von Daniel Reimann
Donnerstag, 06.11.2014 | 10:09 Uhr
Schalke 04 kassierte bei Sporting eine 2:4-Niederlage
© getty

Roberto Di Matteo wollte Schalke 04 defensiv stabilisieren, doch die beiden Spiele gegen Sporting zeigen: Dieser Weg ist noch lang. Denn das zentrale Problem war vor allem im Rückspiel nicht etwa spielerischer oder taktischer Natur.

"Wir wollen aus einer gut organisierten Defensive offensiv spielen. In der Offensive haben wir ein großes Potenzial, in der Organisation müssen wir uns aber verbessern."

Die Worte stammen von Horst Heldt. Es ist erst drei Wochen her, dass er sie ausgesprochen hat. Er formulierte darin den zentralen Anspruch an das Schalker Team unter dem neuen Trainer Roberto Di Matteo. Nach dem Spiel bei Sporting muss man konstatieren: Königsblau ist von beiden Zielen noch weit entfernt.

In Lissabon trat weder eine gut organisierte Defensive noch ein darauf basierendes Offensivspiel zutage. Im Angriff fehlte es an Spielwitz und Mut zum Risiko. Chinedu Obasi ließ von neuem Selbstvertrauen oder guter Form wenig erkennen, stattdessen reagierte er überhastet und war weitestgehend abgemeldet.

Eric-Maxim Choupo-Moting und Max Meyer setzten zwar den ein oder anderen Akzent, doch vor allem der 19-Jährige blieb dabei unter seinen Möglichkeiten. Und vorne drin zog Klaas Jan-Huntelaar einsam seine Kreise. Die wenigen Bälle, die er bekam, behauptete er oft clever, erhielt aber zu wenig Unterstützung.

Fehlende Abstimmung - individuelle Aussetzer

Die Defensivabteilung, die sich noch gegen Teams wie Augsburg oder Hertha als halbwegs sattelfest erwiesen hatte, zeigte auch im zweiten Champions-League-Auftritt unter Di Matteo kein Königsklassen-Niveau. In zwei Spielen gegen Sporting kassierte Schalke sieben Tore. Eine Zahl, die unterstreicht, dass Di Matteos wichtigste Mission noch mit reichlich Arbeit verbunden sein wird.

Für Heldt, der von Organisation gepredigt hatte, dürfte der Anblick des zweiten und dritten Gegentreffers kein schöner gewesen sein. Schalkes Hintermannschaft offenbarte schon in Halbzeit eins oft vollkommen unzureichende Abstimmung zwischen der Außen- und Innenverteidigung sowie der Viererkette und den beiden Sechsern.

Die Nutznießer hießen meist Nani oder Carlos Mane, die ungestört über die Halbräume Richtung Sechzehner ziehen und ihre Mitspieler in Szene setzen konnten. Hinzu kamen individuelle Aussetzer, die Schalke das Genick brachen. Zum Beispiel, als sich Christian Fuchs vor dem 1:3 in Zeitlupe um die eigene Achse drehte und Andre Carrillo entwischen ließ.

Gravierende Passivität

Weitaus gravierender als taktische Abstimmung oder Blackouts Einzelner war in Lissabon jedoch ein anderer Faktor. Schalke agierte gerade in der Defensive bemerkenswert passiv. Die Offensivabteilung von Sporting erhielt im gegnerischen Angriffsdrittel bedenklich viel Zeit, sodass sich Nani und Co. noch kurz vorm Schalke-Sechzehner in aller Seelenruhe die beste Anspielstation suchen konnten.

Symptomatisch für Schalkes mangelnden Biss war der Treffer zum 1:2, als zuerst Atsuto Uchida Nanis Übersteigersimulation bewunderte und anschließend Obasi Jefferson Zeit und Raum für einen astreinen Linksschuss ins rechte Eck gewährte.

Nur selten waren die Königsblauen mental auf der Höhe des Geschehens. Es fehlte an Aggressivität, an dem notwendigen Biss, überhaupt erst in die Zweikämpfe kommen zu können. Vor allem Fuchs und Höger standen auffällig oft viel zu weit weg von ihren Gegenspielern beziehungsweise dem Ballführenden. Schalkes Abwehrspieler wirkten wie Gäste bei ihrer eigenen Entzauberung.

Schönreden, was nicht zu übersehen war

Von mangelnder Aufmerksamkeit sprach hinterher erstaunlicherweise niemand. Di Matteo sinnierte über die "guten Chancen", verschwieg aber, dass man diese an einer Hand abzählen konnte und dass Sporting deutlich mehr und bessere Gelegenheiten gehabt hatte.

"In der ersten Halbzeit standen wir sehr gut und haben nicht viel zugelassen", konstatierte er, was angesichts von vier guten Chancen der Gastgeber in Durchgang eins zweifelhaft erscheint. Darüber hinaus beklagte Di Matteo dass Schalke in der 32. Minute ein Handelfmeter verwehrt wurde, ohne daran zu erinnern, dass man im Hinspiel einen solchen geschenkt bekam.

Schalkes Trainer schien bemüht, die Niederlage ein wenig schönzureden und die unübersehbaren Probleme nicht lauter als nötig in der Öffentlichkeit anzusprechen. Gleichzeitig hat das Spiel in Lissabon unübersehbar aufgedeckt, dass er noch einen langen Weg vor sich hat.

Pleite in Lissabon als Rückschritt

Dabei wird es von elementarer Bedeutung sein, wie schnell er die zentralen Defizite seiner Mannschaft in den Griff bekommt. Die mangelnde Kreativität und Kombinationsfreude im Angriff wird angesichts der langfristigen Verletzungen von Julian Draxler und Jefferson Farfan sowie des kleinen Formtiefs von Meyer nicht leicht zu beheben sein.

Gleiches gilt für fehlende Stabilität in der Defensive. Felipe Santana und Sead Kolasinac werden noch lange ausfallen, Joel Matip hat noch immer mit einer Fußprellung zu kämpfen. Di Matteo muss erst einmal aus dem vorhandenen Material ein stabiles Team formen, das den Ansprüchen von Heldt gerecht wird.

Die Niederlage gegen Sporting muss dabei als Rückschritt gelten - denn die Defizite waren vor allem mentaler Natur.

Sporting Lissabon - Schalke 04: Die Statistik zum Spiel

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