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Variabilität ist Trumpf

Von Daniel Reimann
Donnerstag, 18.09.2014 | 15:11 Uhr
Thomas Müller vergab in der ersten Minute eine Riesenchance für Bayern
© getty
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Bayern Münchens Sieg gegen Manchester City fiel knapp aus, doch die Dominanz über 90 Minuten war beeindruckend. Pep Guardiola scheint immer eine Alternativoption parat zu haben - ganz im Gegensatz zu Manchester City.

Thomas Müller ist ohnehin eine Frohnatur. Der Ur-Bayer lässt sich gerne zu Scherzen hinreißen, erst recht nach erfolgreichen Spielen. So wird beispielsweise eine südamerikanische Reporterin ihre Frage nach dem goldenen Schuh bei der WM wohl nie wieder vergessen.

Auch nach dem Sieg gegen Manchester City war Müller bestens gelaunt. Mit einem schelmischen Dauergrinsen marschierte er durch die Mixed Zone, gab geduldig Interviews und lächelte. Selbst als er über seine vergeben Großchance in der ersten Minute sprach.

"Ich habe den Ball nicht richtig erwischt. Das hat mich geärgert", erzählte er. Doch der Ärger währte nur 89 weitere Minuten, bis Jerome Boateng den erlösenden Siegtreffer erzielte. So konnte Müller seinen Lapsus getrost ins Archiv verbannen: "Solange die Mannschaft gewinnt, liege ich mit einem Lächeln im Bett", gab er grinsend zu Protokoll.

Dass er sein Lächeln behalten konnte, lag in erster Linie an Boatengs Siegtreffer. Doch es waren noch viele weitere Faktoren für die erdrückend dominante Vorstellung der Bayern ausschlaggebend. In erster Linie war es Bayerns beeindruckende Variabilität, die sich durch zahlreiche Ebenen zieht, vom Großen bis ins Kleine.

Kaum Qualitätsverlust trotz Ausfällen

Angefangen bei der Besetzung der Startelf, wo Pep Guardiola wieder einmal zu Umstellungen gezwungen war. Neben den Langzeitverletzten Javi Martinez, Thiago Alcantara und Bastian Schweinsteiger musste er nun auch noch Holger Badstuber (Sehnenriss) und Franck Ribery (Knieprobleme) ersetzen. Obendrein war Arjen Robben nicht vollständig fit.

Also improvisierte Pep, verhalf Mehdi Benatia zum Debüt für Bayern und warf Rafinha nach langer Verletzungspause direkt in die Startelf. Ein Debütant und ein lange verletzter Rückkehrer bewachten Bayerns rechte Seite. "Schon ein wenig riskant", wie auch Sport-Vorstand Matthias Sammer zugab. Doch die Rechnung ging auf.

Benatia hat "seine Sache sehr gut gemacht", befand Teamkollege Philipp Lahm und auch Trainer Guardiola sprach ihm ein großes Kompliment aus. Rechtsverteidiger Rafinha lieferte ebenfalls einen tadellosen Job ab. Auf der linken Ribery-Seite nahm Juan Bernat den Part des Wirbelwinds ein. Unaufhörlich beackerte er den Flügel, schlug gefährliche Flanken und setzte seine Kollegen ein ums andere Mal gut in Szene. Neben Matchwinner Boateng war der Neuzugang bester Bayer.

Und so fiel es nicht stark ins Gewicht, dass dem FCB fünf potenzielle Stammspieler fehlten. Zwar kann jeder Trainer entsprechend umstellen und auf Verletzungen reagieren, aber es gibt nur wenige Teams in Europa, bei denen der Verlust an individueller und kollektiver Qualität so gering ist wie beim FC Bayern. Es reichte, um den englischen Meister über weite Strecken zu dominieren und am Ende auch zu besiegen.

Taktische Flexibilität: Guardiolas Umstellung fruchtet

Auch mit Blick auf das Spielsystem beeindruckte Bayern gegen ManCity durch Variabilität. Pep ließ sein Team mit einer Dreierkette bestehend aus Benatia, Boateng und Alaba beginnen, die je nach Spielsituation - meist bei gegnerischem Ballbesitz - durch Rafinha und/oder Bernat verstärkt wurde. So entstand ein fluides Wechselspiel aus Dreier- und Fünferkette, das sich clever an unterschiedliche Szenarien anpasste.

Nach einer knappen halben Stunde gab Pep jedoch das Kommando zur Umstellung: Alaba wurde ins Mittelfeld beordert, hinten auf Viererkette umgestellt. Mit der Änderung reagierte Guardiola auf den bisweilen fehlenden Zugriff im Mittelfeld.

"Defensiv hatte der Gegner sehr lange den Ball. Das war schwierig, weil wir im Mittelfeld viel laufen mussten. Dann hat der Trainer umgestellt, das war die richtige Entscheidung. Wir waren wieder aggressiver und näher an den Männern dran", erklärte Kapitän Lahm die Entscheidung seines Trainers.

Doch auch nach der Umstellung blieb das System der Bayern variantenreich. Wenn beispielsweise Rechtsverteidiger Rafinha auf dem Flügel durchbrach, rückte Alonso zur Absicherung ins Abwehrzentrum. Die Positionswechsel sowie das Übergeben und Übernehmen von Aufgaben funktionierten intuitiv und reibungslos, sodass ManCity mit sich ständig ändernden Spielsituationen konfrontiert wurde.

Bayern variabel - City statisch

Die Citizens ihrerseits verkörperten das Gegenteil spielerischer Variabilität. Die Konter der Gäste waren eindimensional und durchschaubar, die Passwege meist alternativlos, das gesamte Umschaltspiel zu statisch. Viel zu selten wurde unter den Offensivleuten gekreuzt oder Lücken für Nebenmänner gerissen.

Es schien, als wollte sich Manuel Pellegrini auf die genialen Ideen seiner Kreativköpfe verlassen. Doch dieses Stilmittel war gegen Bayern nicht ausreichend. Einzig ein Linksschuss von Edin Dzeko und Sergio Agüeros schlitzohriger Abschluss in der Schlussminute bargen echte Torgefahr.

Bayern hingegen glänzte durch variantenreiches Kombinationsspiel, das City die Antizipation gewaltig erschwerte. Einzelne aus der Offensivreihe ließen sich wechselseitig fallen und schafften so Räume für einrückende Mitspieler. Die Positionswechsel funktionierten auch im Angriff gut.

"Vorne haben wir variabel und clever gespielt", konstatierte auch Manuel Neuer, wenngleich er "schon gerne ein 1:0 gehabt" hätte. Dafür brauchte es dann allerdings einen Innenverteidiger.

"Boateng kam zurück, um uns zu bestrafen"

"Der Ball kam genau richtig. Ich dachte, den haue ich jetzt rein", erläuterte Boateng die Szene, die zum Siegtreffer führte, trocken. Ausgerechnet Boateng, der einst selbst für City gekickt hat. Der in der vergangenen Saison im Hinspiel mit glatt Rot vom Platz flog.

"Jerome Boateng ist zurückgekommen, um uns zu bestrafen", sagte City-Keeper Joe Hart anerkennend.

Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge legte sogar noch einen drauf: "Es hat niemand mehr verdient als Jerome Boateng. Er war der beste Mann auf dem Platz. Er hat eine unglaubliche Partie gespielt." Und ganz nebenbei hat er seinem Teamkollegen Müller eine schlaflose Nacht erspart.

Bayern München - Manchester City: Die Statistik zum Spiel

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