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Transferwissen ist gefragt

Donnerstag, 23.10.2014 | 01:02 Uhr
Kann der BVB seine Erfolge in der Champions League auch in der Bundesliga bestätigen?
© getty
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Borussia Dortmund hat in der Champions League erneut einen souveränen Sieg gefeiert, den wahren Fortschritt wird aber die Partie in der Bundesliga gegen Hannover 96 zeigen. Jürgen Klopp wird von den türkischen Journalisten gefeiert und erklärt das Rezept für die Liga.

Deutsche Trainer genießen in der Türkei einen hervorragenden Ruf, seitdem Legenden wie Jupp Derwall, Sepp Piontek oder Karl-Heinz Feldkamp am Bosporus tätig waren.

Dass Jürgen Klopp nicht in Kürze in der Türkei arbeiten wird, liegt aber nicht nur daran, dass er bei Borussia Dortmund noch gebraucht wird - vielleicht so dringend wie seit Amtsbeginn nicht mehr -, sondern auch daran, dass die Hektik rund um türkische Top-Klubs kontinuierliche Arbeit deutlich erschwert.

Wie der türkische Fußball zu retten sei, wurde Klopp gefragt und ob er sich der Sache nicht gleich selbst annehmen wolle. Klopp, nach dem 4:0 seiner Mannschaft bei Galatasaray sichtlich entspannt, antwortete mit einem Vergleich. Wenn er in Dortmund die Vorgesetzten von Galatasaray hätte, sagte Klopp, wäre er schon längst nicht mehr Trainer des BVB.

Es war eine ungewöhnliche Pressekonferenz, schließlich wurde Klopp von mehreren türkischen Journalisten mit Liebeserklärungen und Einladungen überschüttet. Klopp genoss diesen Moment sichtlich, so positiv wurde in Deutschland zuletzt nicht über ihn und seine Mannschaft gesprochen. Schließlich ist er aktuell in der Heimat nicht als Guru, sondern als Krisenmanager gefragt.

Fünf Niederlagen in acht Spielen, sieben Zähler und Rang 14 lautet die äußerst schwache Bilanz des Titelkandidaten. Der BVB hat in drei Champions-League-Spielen zwei Punkte mehr geholt als in der Liga. Deshalb konnte er sich in Istanbul die Lobbyarbeit für seinen Kollegen Cesare Prandelli problemlos leisten.

BVB als Gegenentwurf zu Galatasaray

Für die Reporter und Zuschauer in der Türk Telekom Arena war das Spiel der Borussia eine Offenbarung, ein wahrer Gegenentwurf zum Auftritt ihrer Mannschaft. Der BVB zeigte sich wie schon in den ersten beiden Spielen der Königsklasse von seiner besten Seite.

Kompakt, stark im Zweikampf, schnell im Umschaltspiel und eiskalt im Torabschluss: Das waren die Zutaten, die für ein klassisches BVB-Erlebnis sorgten. Auf der anderen Seite stand ein Gegner, der planlos, behäbig und als die Summe von Einzelspielern auftrat.

Dass einige davon wie Goran Pandev oder Felipe Melo nur noch ihren bekannten Namen über den Rasen tragen, rundete das erschreckende Bild einer hilflosen und überforderten Mannschaft ab.

Mehr Platz für Konter

2:0, 3:0, 4:0, die Ergebnisse der Dortmunder in Europa bestechen durch einfache Schönheit. Und nach dem Hinspiel in Istanbul ist nicht ausgeschlossen, dass die Reihe logisch in Dortmund fortgesetzt wird.

Die Borussia durfte wie schon gegen den FC Arsenal und den RSC Anderlecht ihr Spiel spielen und wurde nicht wie zuletzt in der Bundesliga von einem tief stehenden Gegner zum Ballbesitz gezwungen.

"In der Champions League ist es ein anderes Spiel, wir haben hier mehr Räume für unsere Konter", sagte Mats Hummels. So einfach scheint die Welt des BVB in diesen Tagen.

Angemessene Defensive, konsequente Offensive

Die Erkenntnis der Partie ist die gleiche wie vorher: Die Borussia tut sich international leichter, weil es sich offenbar noch nicht bis nach Istanbul oder London herumgesprochen hat, worin die Stärken der Schwarz-Gelben liegen. Oder Mannschaften wie Galatasaray, die in der heimischen Liga Spitzenteams darstellen, sind einfach zu stolz, um sich in der Champions League in die Außenseiterrolle zu fügen.

"Ich glaube nicht, dass uns die Mannschaften in der Champions League nicht kennen. Es würde mich wirklich überraschen, wenn Arsenal, Anderlecht oder Galatasaray uns nicht kennen würden. Bei uns mussten ein paar Sachen zusammenkommen, damit wir diese Spiele gewinnen konnten", sagte Klopp.

In Istanbul habe seine Mannschaft "angemessen und generell besser verteidigt" als in der Liga und "in der Offensive mehr Konsequenz" gezeigt.

Abgefangene Bälle (blau) und klärende Aktionen (violett) des BVB beim 4:0 gegen Gala.

Sokratis funktioniert als Linksverteidiger

Stabilisierend wirkte sich auch die Versetzung von Sokratis auf die Position des Linksverteidigers aus. Vor allem über die linke Seite war der BVB laut OPTA-Daten zuletzt anfällig, dort passierten auch eine Vielzahl der gravierenden, individuellen Fehler.

Ob die Maßnahme mit drei gelernten Innenverteidigern auch in den kommenden Spielen zu erwarten sei, ließ Klopp offen, auch wenn er Sokratis nach Spielende mitteilte: "Du hast dich da schon festgespielt."

Eine entscheidende Rolle spielt dabei auch die personelle Situation. Denn ohne weitere Verletzungen geht beim BVB kaum noch ein Spiel aus. Sven Bender musste mit einer Ellbogen-Verletzung ins Krankenhaus gebracht, Shinji Kagawa und Hummels mit Oberschenkelproblemen ausgewechselt werden.

Neuer, alter Plan für die Liga

Unabhängig vom Personal muss der BVB in den kommenden Wochen in der Liga zeigen, dass er den Turnaround schaffen kann. Es ist nicht davon auszugehen, dass sich Hannover 96 am Samstag ein Beispiel an Galatasaray nehmen wird, sondern vielmehr die Marschroute des 1. FC Köln oder des Hamburger SV zu kopieren versucht.

Die Mannschaft muss also ein gewisses Transferwissen aus der Königsklasse in die Bundesliga zeigen. Es könnten zähe Spiele werden, in denen die Dortmunder die Favoritenrolle einnehmen. Denn geht es nach Klopp, will er sich einfach mal bockig stellen und den Schritt zurück zu den Wurzeln des eigenen Spiels zu machen. "Wir werden keine Räume mehr hergeben. Fertig. Das ist der Plan."

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Galatasaray - Borussia Dortmund: Die Statistik zum Spiel

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