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Fussball

Der Dank gilt den Müttern

Von SPOX
Arda Turan schreit die Freude nach dem 3:1 heraus
© getty

Atletico steht nach 40 Jahren zum ersten Mal wieder in einem europäischen Landesmeister-Finale. Mit einem schlichten Fußball räumten die Spanier zahlreiche europäische Schwergewichte aus dem Weg und treffen im Derbi madrileno nun auf den Stadtrivalen Real. Chelseas Defensiv-Fußball hingegen scheint fürs Erste entzaubert.

Nur 500 Meter trennen in Madrid den Neptuno- und den Cibeles-Brunnen. Eine lange und breite Straße führt vom einen Denkmal zum anderen. Während am Dienstagabend der Cibeles-Brunnen, zentraler Anlaufpunkt der Real-Fans, in königlichem weiß getaucht war, überfluteten die Atletico-Fans am Mittwochabend "ihren" Neptuno-Brunnen.

Denn 40 Jahre nach dem letzten Finale in einem Landesmeistercup zogen die "Rojiblancos" mit einem 3:1-Sieg gegen Chelsea überraschend ins Finale ein und machten das Derbi madrileno gegen Real perfekt.

"Ich muss mich bei den Müttern dieser Spieler bedanken. Sie haben Kinder mit großen Cojones auf die Welt gebracht", scherzte Trainer Diego Simeone auf der Pressekonferenz nach der Partie. Dieser legte mit seiner überraschenden Umstellung in der Startaufstellung den Grundstein für den Sieg. Der 44-Jährige brachte mit dem zuletzt formschwachen Adrian einen weiteren Stürmer, der Goalgetter Diego Costa an vorderster Front unterstützen sollte. Die Taktik ging auf, beide Stürmer harmonierten prächtig.

Simeones Schachzug mit Adrian

Vor allem Adrian schaltete nach Ballgewinn immer wieder blitzschnell um, stellte die starke Chelsea-Defensive vor größte Probleme und krönte seine Leistung und den taktischen Schachzug Simeones mit dem Ausgleich vor der Halbzeit. "Das 1:1 vor der Pause war extrem wichtig für uns. Danach haben wir viel ruhiger gespielt und in der zweiten Halbzeit dominiert", so Simeone.

"Für uns ist es der absolute Wahnsinn, dass wir im Champions-League-Finale stehen", zeigte sich Tiago nach dem Spiel nahezu sprachlos. So überraschend der Einzug für die Spieler, so konsequent zieht das Team die Spielweise durch. Während man in der Liga den beiden großen Teams von Real und Barca weiter auf der Nase herumtanzt, präsentierte man sich auch international mit einer überragenden Effektivität. Zwar ist der Fußball Atleticos weit weg von einem offensiven Feuerwerk, doch gerade in der Champions League räumte man mit einem ganz eigenen Stil zahlreiche europäische Schwergewichte aus dem Weg.

"Der absolute Wahnsinn"

Milan im Achtelfinale, Barca im Viertelfinale und nun Chelsea im Halbfinale besiegte man allesamt ohne eine einzige Niederlage zu kassieren. Simeone schaffte es, seinem Team den Fußball nach seinem Gusto einzutrichtern - unaufgeregt, souverän und aus einer stabilen Defensive heraus. "Atletico spielt einen starken Fußball und war im Halbfinale schlichtweg die bessere Mannschaft. Es wird sicherlich ein unglaublich schweres Finale werden, in dem es keinen Favoriten gibt", lobte Real-Coach Ancelotti den Stadtrivalen nach dem Einzug ins Finale.

Das sei nicht der glücklichste Moment seiner Karriere, gab ein unaufgeregter Simeone passend zu Protokoll. Es ist diese Gelassenheit, die den Colchoneros im hektischen Umfeld der spanischen Hauptstadt so guttut. Statt auf Wolke sieben zu schweben, verwies der Coach vielmehr wieder auf das nächste Ligaspiel. Levante werde ein schweres Match werden.

Mou: Lob für das Team

Die Liga ist letztlich auch der einzige Strohhalm, nach dem der FC Chelsea greifen wird. Der in der englischen Presse viel gescholtene Defensiv-Fußball von Mourinho wurde entzaubert, der erneute Finaleinzug nach 2012 blieb den Blues verwehrt. "Wir wussten, dass wir gegen Teams spielen werden, die mehr Potenzial haben als wir und eher bereit sind, den Titel zu gewinnen. Aber du gehst eben Schritt für Schritt und baust dir deinen Traum auf", sagte Mourinho nach dem Spiel.

Der Portugiese stellte sich jedoch schützend vor seine Mannschaft: "Bis zur 59. Minute waren wir absolut im Spiel. Aber der Elfmeter war spielentscheidend. Die Spieler haben alles gegeben und können erhobenen Hauptes die Bühne verlassen. Wir haben gegen ein sehr gutes Team verloren. Es wird ein spannendes Finale zwischen beiden Klubs aus Madrid."

Dass Atletico auch gegen den großen Stadtrivalen eine Chance hat, zeigten die Rojiblancos bereits häufiger. In dieser Saison holte das Simeone-Team vier Punkte gegen Real, im Finale der Copa gab es im letzten Jahr gar einen Sieg im Bernabeu. "Wir kennen uns gegenseitig sehr gut. Und wir wissen, dass wir gegen einen ganz großen Klub spielen, der große Endspiele gewohnt ist", sagte Simeone zum anstehenden Finale: "Wir dagegen waren schon lange nicht mehr auf so einer großen Bühne. Das wird eine neue Erfahrung für uns." An welchem Brunnen dann jedoch gefeiert wird, ist noch unklar.

FC Chelsea - Atletico Madrid: Die Statistik zum Spiel

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