Champions League - Viertelfinale-Hinspiel

Real mit anderthalb Beinen im Halbfinale

Von Stefan Rommel / Martin Jahns
Mittwoch, 03.04.2013 | 22:35 Uhr
Das frühe 2:0: Eboue (l.) und Semih sind zu weit weg von Benzema, der locker einschiebt
© getty
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Real Madrid hat die Tür zum Halbfinale der Champions League weit aufgestoßen. Die Königlichen siegten im Viertelfinal-Hinspiel gegen Galatasaray mit 3:0 (2:0).

Vor 90.000 Zuschauern im Estadio Bernabeu erzielten Cristiano Ronaldo (9.) und Karim Benzema (29.) vor der Pause die Tore für Real. Nach dem Wechsel stellte der eingewechselte Gonzalo Higuain den Endstand her (73.).

Zu allem Überfluss aus Sicht der Türken handelten sich Dany Nouenkeu und Torjäger Yilmaz Burak die jeweils dritte Gelbe Karte ein und fehlen damit im Rückspiel nächste Woche in Istanbul.

Auf der Gegenseite holten sich Sergio Ramos in der Schlussphase wegen Ballwegschlagens und Xabi Alonso wegen Meckerns ebenfalls eine Sperre für die nächste Partie ab.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Real wieder mit Lopez im Kasten, Casillas nicht mal auf der Bank. Benzema beginnt im Sturm. Essien rechts hinten für Arbeloa. Gala wieder mit Riera links in der Viererkette. Balta dafür draußen. Also die Elf, die Schalke aus dem Wettbewerb gekegelt hat.

9., 1:0, Ronaldo: Ball durchs Mittelfeld in den Fuß von Özil. Ronaldo macht sich frei und nimmt Tempo auf. Semih überhaupt nicht in Abwehrposition, dreht sich dann auch noch falsch und lässt Ronaldo entwischen. Der Pass kommt in den Fuß. CR7 aus 13 Metern mit dem Lupfer über Muslera ins rechte Eck. Neuntes Saisontor für Ronaldo, damit übernimmt er in der Torjägerwertung die Spitze.

12.: Drogba dreht sich an der Strafraumgrenze nach einem Pass von Eboue mit dem Ball an Varane vorbei, schießt dann aber aus 15 Metern mit links knapp übers Tor.

29., 2:0, Benzema: Essien flankt ohne Druck von rechts zur Mitte. Da ist Gala in Überzahl. Semih und Eboue stehen sich aber gegenseitig im Weg. Benzema setzt sich nach hinten ab, Semih springt unterm Ball durch. Benzema völlig frei vor Muslera, schiebt aus sechs Metern flach ins linke Eck ein. Erster CL-Assist von Essien seit 2011 - damals noch für Chelsea, Abnehmer: Drogba.

44.: Simpler Doppelpass zwischen Eboue und Drogba. Coentrao und Ramos sehen dabei ganz alt aus. Eboue zehn Meter vor dem Tor ziemlich frei. Flacher Schuss, den Lopez mit dem rechten Fuß pariert.

62.: Alonso schlenzt den Ball wunderschön in den Lauf von Di Maria, aber dessen Abschluss aus 13 Metern ist viel zu harmlos. Der Ball landet in den Armen von Muslera.

73., 3:0, Higuain: Freistoß aus dem linken Halbfeld von Alonso. Higuain ohne Bewacher am Elfmeterpunkt, weil sich die Türken im Zentrum zu leicht blocken lassen. Higuain geht gut in den Ball und köpft aus der Bewegung ins linke Eck.

Fazit: Verdienter Sieg für Real, das aber keinesfalls bis an die Grenze gehen musste. Gala ganz nett, aber mit zu vielen individuellen Fehlern auf diesem Niveau.

Der Star des Spiels: Raphael Varane zahlte gleich zu Beginn Lehrgeld, als er sich von Drogba im Zweikampf abkochen ließ. Danach spielte der Franzose aber eine überragende Partie. Ließ Drogba keinen Stich mehr, war hart, aber fair im Zweikampf, kam ohne ein einziges Foulspiel aus.

Der Flop des Spiels: Semih begann sehr nervös - und bis der Türke seine Nerven im Griff hatte, war er an den beiden ersten Gegentoren maßgeblich beteiligt. Schaltete beim 1:0 zu langsam, als er entweder Ronaldo aufnehmen muss oder wenigstens versuchen, den Passweg zuzustellen. Beim zweiten Gegentor uneins mit Eboue und dann irritiert von Ronaldo mit dem falschen Timing beim Kopfball. Steigerte sich immerhin im Laufe des Spiels. Ebenfalls schwach: Altintop, der besonders in der zweiten Hälfte als Gestalter überfordert war.

Der Schiedsrichter: Svein Moen (Norwegen). War ein unaufgeregter Leiter der Partie. Entschied bei Khediras "Doppel-Handspiel" nach einer Ecke wohl zu Recht auf Weiterspielen. Beide Male lag keine erkennbare Absicht vor. Burak aber die Gelbe Karte wegen einer vermeintlichen Schwalbe zu zeigen, war falsch. Im Laufe der Zeit mit der einen oder anderen kleinen Unsicherheit.

Die Trainer:

Jose Mourinho verzichtete auf große Schnörkel und verordnete seiner Mannschaft eher nüchternen Fußball. Das Konzept ging auf, auch wenn die Abwehr in der ersten Halbzeit einige Schwächen offenbarte. Wechselte später erst positionsbezogen, dann mit Pepe für Di Maria in der Schlussphase einen zusätzlichen Verteidiger ein.

Fatih Terim stellte zur Pause um. Zan kam für Sneijder, aus der Vierer- wurde eine Dreierkette und damit aus dem 4-3-2-1- ein 3-5-2-System. Eboue rückte bei Ballbesitz weiter ins Mittelfeld auf und nahm Altintops Platz ein. Der wiederum ordnete sich hinter den Spitzen im Zentrum ein. Die Variante ging aber nicht auf: Es gab einen deutlichen Bruch in Galas Offensivspiel, die Gäste hatten in der zweiten Hälfte keine einzige Torchance mehr.

Das fiel auf:

  • Galatasaray war nicht nur auf Mauern bedacht, sondern suchte eine gute Mischung aus geordneter Defensive und ordentlichem Angriffsspiel. Nur war die Ausgewogenheit in den entscheidenden Szenen nicht gegeben. Özil hatte im Zentrum immer wieder zu viel Zeit und Raum. Hier war Melo nicht aufmerksam genug.
  • Eboue übertrieb es mit seinem Vorwärtsdrang und hinterließ bei seinen Ausflügen nach vorne große Löcher hinter sich auf seiner rechten Seite. Gerade gegen Ronaldo ein Harakiri-Unterfangen. Die Idee, den Portugiesen so mehr in der Defensive zu binden, wurde zum Bumerang.
  • Gala hatte in der ersten Halbzeit mehr Ballbesitz (54 Prozent) und auch mehr Torabschlüsse (9:7). Dazu noch die dicken Chancen von Drogba und Eboue - in der Offensive waren die Türken gut unterwegs und spielten die wackelige Real-Defensive auch einige Male gut auseinander.
  • Nach der Pause war Gala mit der taktischen Umstellung hinten strukturierter, verlor aber in der Offensive seine Linie. Real spielte nüchtern und geduldig und wartete bei den Kontern auf seine Chance.
  • Madrid haderte vor der Partie mit einer "Stürmerkrise". Insofern tun die zwei Treffer der beiden Angreifer Benzema und Higuain doppelt gut.
  • Galatasaray spielte lange Zeit ordentlich mit, stellte sich in der Defensive aber zu naiv an und bekam zumindest in dieser Partie aufgezeigt, was es heißt, ein Champions-League-Viertelfinale zu spielen.

Real Madrid - Galatasaray: Daten zum Spiel

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