Champions League - Achtelfinal-Hinspiel

Dominantes Real scheitert an de Gea

Von Thomas Gaber / David Kreisl
Mittwoch, 13.02.2013 | 22:35 Uhr
Real-Keeper David Lopez machte nicht immer den besten Eindruck
© Getty
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Real Madrid muss sich im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals gegen Manchester United trotz drückender Überlegenheit mit einem 1:1 (1:1) zufrieden geben. Den Rückstand durch Danny Welbeck (20.) glich Cristiano Ronaldo (30.) aus.

Real Madrid war 90 Minuten tonangebend und gab 28 Torschüsse ab. Das Rückspiel im Old Trafford findet am 5. März statt.

Die Reaktionen:

Jose Mourinho (Trainer Real): "Wir trainieren, wie schauen uns Videos an, um die Stärken des Gegners zu analysieren. Dass United stark ist bei Standards wussten wir. Aber wenn du Duelle verlierst, bringt auch die beste Vorbereitung nichts. So war's beim 0:1. Insgesamt bin ich sehr zufrieden über den Auftritt meiner Mannschaft. Wir hatten viele Chancen für mehr Tore, aber was zählt, ist das Ergebnis. Die Chancen aufs Weiterkommen stehen immer noch bei 50 Prozent."

Cristiano Ronaldo (Real): "Wir hatten die Kontrolle über das Spiel, aber zu wenig Tore erzielt. Das müssen wir im Old Trafford nachholen. Wir können da auf jeden Fall gewinnen."

Alex Ferguson (Trainer Manchester): "Beide Teams hatten Chancen, das Spiel zu gewinnen, aber beide Torhüter waren gut drauf. In der ersten Halbzeit haben wir uns zu sehr hinten reindrücken lassen, das war nach der Pause besser, weil Welbeck die Kreise von Alonso gestört hat und ihn so am Passspiel gehindert hat."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Bei Real ist der angeschlagene Xabi Alonso rechtzeitig fit und spielt neben Khedira im Mittelfeld. Varane bekommt überraschenderweise den Vorzug vor Pepe in der Innenverteidigung. Torhüter Lopez macht sein drittes CL-Spiel für Real.

Ferguson setzt auf Offensive. Kagawa, Welbeck, Rooney und van Persie bilden das Angriffsquartett. Young und Scholes fehlen wegen Knieverletzungen, dafür stehen die zuletzt angeschlagenen Evans und Jones in der Startelf.

6.: Ronaldo zieht auf links Raffael auf und spielt in die Mitte. Der Ball fällt Coentrao vor die Füße, der zieht aus 12 Metern ab. De Gea lenkt den Ball mit den Fingerspitzen an den rechten Innenpfosten. Brutaler Save!

20., 0:1, Welbeck: Ecke Rooney von links. Lopez macht einen Schritt aus dem Tor und schubst Ramos. Dessen Gegenspieler Welbeck köpft den Ball aus sechs Metern ins rechte Eck.

30., 1:1, Ronaldo: Scharfe Flanke von di Maria von links. Ronaldo schrabut sich hoch, steht überragend in der Luft und köpft den Ball aus neun Metern ins rechte Eck. Evra springt gar nicht erst mit hoch. Klasse Tor, Ronaldos siebtes in dieser CL-Saison.

32.: Kagawa bedient links van Persie. Der Holländer flankt an den Fünfer, Welbeck rauscht heran, Lopez auch, aber Welbeck ist den Tick eher am Ball. Knapp am langen Pfosten vorbei.

38.: Langer Ball von Alonso aus der eigenen Hälfte auf Özil. Der zieht vom rechten Sechzehnereck ab, de Gea holt den Ball aus dem kurzen Eck.

59.: Flanke Khedira von rechts. Am langen Pfosten rauscht Coentrao in den Ball, de Gea rettet spektakulär mit dem Fuß auf der Linie.

72.: Rooney bedient van Persie auf rechts. Fackel mit rechts, Lopez reißt die Fäuste hoch und lenkt den Ball an die Latte. Dann bekommt van Persie die zweite Chance, wischt aber frei vor Lopez nur drüber, Alonso holt den Hoppelball von der Linie.

79.: Khedira aus 17 Metern mit dem Volleyschuss, de Gea ist im rechten Eck und hält den scharf geschossenen Ball sogar fest.

Fazit: Ein dominantes Real verpasst eine gute Ausgangsposition für den Auftritt im Old Trafford. United ließ vor allem im Spiel gegen den Ball viele Wünsche offen und kommt mit einem blauen Auge davon.

Der Star des Spiels: David de Gea. Bei zwei Flanken in der ersten Halbzeit langte der Spanier im United-Kasten knapp daneben, auf der Linie war er aber überragend. Zehn Torschüsse entschärfte de Gea mit teils riesigen Reflexen, wie bei Coentraos Pfostenschuss.

Der Flop des Spiels: Rafael. Ein Albtraumspiel für den Brasilianer. Egal gegen wen Uniteds Rechtsverteidiger in den Zweikampf musste - er war fast immer zweiter Sieger. Rafael ließ sich bisweilen plump ausspielen, holte sich noch vor der Pause für einen Trikotzupfer die Gelbe Karte ab und leistete sich im Aufbauspiel einige Fehlpässe.

Der Schiedsrichter: Dr. Felix Brych. Gab van Persie früh eine Gelbe Karte für einen leichten Schlag ins Gesicht von Ramos. Korrekt bei Jones Schubser gegen di Maria nicht auf Elfmeter zu entscheiden. Die Ecke vor dem 0:1 hätte nicht gegeben werden dürfen, da Kagawa und nicht Ramos zuletzt am Ball war. Varanes Einsatz gegen Evra als letzter Mann war ein Foul, Brych ließ aber weiterspielen.

Die Trainer:

Jose Mourinho kritisierte di Maria zuletzt öffentlich, gab dem Argentinier aber diesmal eine neue Chance. Di Maria bedankte sich mit einer starken Leistung. Für den blassen Benzema (nur ein Torschuss in 60 Minuten) kam Higuain, der aber ebenfalls keine Szene hatte.

Alex Ferguson wagte das Experiment mit vier Offensiven, darunter Kagawa. Der Japaner hatte aber nach einer langen Verletzungspause deutliche körperliche Defizite. Ferguson reagierte nach einer Stunde und brachte Giggs für Kagawa.

Das fiel auf:

 

  • Real sofort mit dem Fuß auf dem Gaspedal. Das Mittelfeld wurde mit kurzen Pässen schnell überbrückt und in den ersten sieben Minuten gab Madrid fünf Torschüsse ab.
  • United stand in allen Mannschaftsteilen zu Beginn viel zu weit weg von den Gegenspielern, zwischen Mittelfeld und Viererkette klaffte ein großes Loch. Und auf der linken Abwehrseite hatte Rafael große Probleme.
  • Real ging früh drauf und zwang United dadurch zu vielen langen Bällen auf van Persie. Der gewann aber einige Duelle gegen Ramos oder Varane und verlängerte dann auf Kagawa, der den Sprint im richtigen Moment in die Spitze anzog.
  • Real zog die komplette erste Hälfte ein enormes Tempo durch und spielte sehr zielstrebig. United hatte in der Rückwärtsbewegung eklatante Geschwinidigkeitsnachteile und ließ in der ersten Halbzeit 16 Torschüsse zu.
  • Weil Uniteds Offensivreihe - mit Ausnahme von Rooney - wenig in der Defensive aushalf, waren Jones und Carrick im Mittelfeld oft in Unterzahl und bei Reals temporeichen Angriffen hilflos.
  • Ronaldo machte gegen seine Ex-Kollegen ein gutes Spiel. Insgesamt weniger auffällig als sonst, aber mit elf Torschüssen erneut gefährlichster Real-Spieler.
  • Madrid ging gegen Ende hin ein wenig die Puste aus, die Aktionen waren nicht mehr so klar. Allerdings ging Real bis zum Schlusspfiff aufs 2:1. Die Königlichen machten ein klasse Spiel, müssen sich aber den Vorwurf gefallen lassen, deutlich zu wenig aus ihren Torchancen gemacht zu haben.

 

Real Madrid - Manchester United: Daten zum Spiel

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