Champions League: Achtelfinale, Rückspiel

"Wir sind noch nicht da"

Von Für SPOX in der Allianz-Arena: Fatih Demireli
Mittwoch, 14.03.2012 | 09:12 Uhr
Das Münchner Triumvirat: Robben (l., 2 Tore, 1 Vorlage), Ribery (M., 3 Vorlagen), Gomez (4 Tore)
© Getty
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Dem 7:1 gegen 1899 Hoffenheim ließ der FC Bayern das 7:0 gegen den FC Basel im Champions-League-Achtelfinale folgen. Während Trainer Jupp Heynckes und Präsident Uli Hoeneß nur lobende Worte finden, tritt die Mannschaft noch auf die Bremse. Große Ziele werden nicht formuliert. Gewonnen ist noch nichts, heißt die Devise. Im Fall von Mario Gomez ist das so nicht ganz richtig.

Uli Hoeneß schlich gemütlich zum breiten Kameraaufgebot in den Katakomben der Allianz Arena, um das 7:0 (3:0) des FC Bayern München gegen den FC Basel zu erklären. Nur einen Zwischenstopp musste Hoeneß noch einlegen.

Xherdan Shaqiri erklärte gerade dem Schweizer Fernsehen das 0:7, bis ihn Hoeneß unterbrach. "Junger Mann", sagte der Bayern-Präsident seinem baldigen Angestellten, schüttelte ihm die Hand und nickte freundlich. Hoeneß - und das zeigte nicht nur die Begegnung mit Shaqiri - war gut drauf.

Wie sollte es dem Bayern-Präsidenten auch anders ergehen? Seine Mannschaft erzielte binnen vier Tagen 14 Tore in der Allianz Arena und erreichte mit dem höchsten Champions-League-Sieg der bajuwarischen Geschichte das Viertelfinale, das nach dem 0:1 im Hinspiel zumindest ein wenig in Gefahr schien.

Hoeneß kritisiert Medien

"Who the f*** is Barcelona", ließen die Bayern-Fans in der ausverkauften Allianz Arena wie schon beim 7:1 gegen Hoffenheim lautstark verlauten. Ja, wer ist denn schon Barcelona, wenn man selbst mehr als ein Dutzend Tore in 180 Minuten aufs Feld zaubert?

Ganz so euphorisch fielen die Urteile der Bayern nicht aus, auch wenn die pure Erleichterung in allen Gesichtern zu erkennen war.

"Jetzt haben wir zweimal gezeigt, was wirklich in der Mannschaft steckt und es hat wirklich Spaß gemacht zuzuschauen", sagt Hoeneß, der fast jedes Tor auf der Tribüne ausgiebig feierte.

In der Stunde des Triumphes knöpfte sich der Bayern-Boss die Medien vor: "Ich habe mich unheimlich geärgert über die eine oder andere Zeitung, die gesagt hat, Jupp Heynckes sei zu alt, er würde die Mannschaft nicht mehr weiterbringen, hätte kein Konzept. Was schreiben dieselben Leute morgen? Damit kann ich nicht leben. In so einem Auf und Ab möchte ich nicht leben und das kotzt mich an."

"Perfektes Spiel"

Während Hoeneß grantelte, war bei Jupp Heynckes keine Spur von Entrüstung, ob der Berichterstattung vor dem Spiel gegen Hoffenheim, die besonders seine Person betraf. Vielmehr begeisterte den Bayern-Trainer der Auftritt seiner Mannschaft: "Das war ein perfektes Spiel."

Und vor allem waren es zwei perfekte Ergebnisse, die die Bayern-Sorgen der letzten Wochen beinahe weggefegt haben. "Immer wenn's drauf ankam, waren die Bayern in der Lage, besondere Leistungen zu zeigen", sagte Bundestrainer Joachim Löw vor dem Spiel. Doch 7:1 und das 7:0 waren mehr als die klassische Bayern-Antwort auf eine Krisensituation.

Die SPOX-Analyse zur Bayern-Gala

Der FC Bayern hätte auf das 0:2 bei Bayer Leverkusen und der heftigen Kritikwelle, die folgte, auf normale bayerische Art antworten können, in dem es zwei Mal humorlos gewinnt. Doch es kam deutlich mehr heraus: Die Münchener legten zwei Gala-Vorstellungen hin, die mehr bedeuten, als drei Punkte in der Bundesliga oder ein Weiterkommen in der Champions League.

"In solchen Spielen muss man da sein. Unter Druck müssen wir unsere Qualität zeigen. Wir haben gezeigt, welches Potenzial wir haben", sagte Arjen Robben. Sowohl der Niederländer, als auch sein Bruder im Geiste, Franck Ribery, sind die Initiatoren des torreichen Aufschwungs. Acht der 14 Toren legten Robben oder Ribery auf und schossen gemeinsam fünf Tore.

"Das Selbstvertrauen ist wieder da"

Gut möglich, dass der krankheitsbedingte Ausfall von Rafinha und die Umstellung, dass Philipp Lahm nach rechts ausweichen musste und David Alaba den linken Part übernahm, dem Bayern-Spiel gut getan haben. Lahm wirkte in beiden Spielen offensiv um einiges präsenter als zuvor, das Zusammenspiel mit Robben klappte genauso gut wie auf der anderen Seite, wo Alaba und Ribery ein gutes Paar abgaben. Denkbar, dass dies ein dauerhaftes Modell bis zum Ende der Saison bleibt.

Den größten Profit der neuen Angriffslust des FC Bayern schlägt Mario Gomez heraus, der drei Mal gegen Hoffenheim und nun vier Mal gegen Basel traf. "Es sieht immer so einfach aus, wenn ich in der Mitte stehe und die Bälle reinmache. Aber die beiden Spieler außen sind beides Weltklassespieler und diese Dribblings muss irgendjemand abschließen und dafür bin ich da", so Gomez.

"Das Selbstvertrauen ist wieder da", so Bayerns Nummer 33, der den Spielball als Präsent mit nach Hause nehmen durfte. "Ich hoffe, meine Kinder werden irgendwann damit spielen", sagte der noch kinderlose Gomez mit einem Augenzwinkern.

Auswärtssiege müssen her

Ein Sonderlob gab es von Robben, der kurioser Weise keines der sieben Gomez-Tore in den letzten beiden Spiele auflegte. "Das ist unglaublich und überragend. Ich freue mich für ihn. Das hat er verdient. Er hatte eine schwierige Zeit, weil er das Tor nicht getroffen hat. Wir haben ihn in der Mannschaft unterstützt und die Qualität zeigt sich immer. Wir brauchen ihn", so Robben zu SPOX.

Robben, Ribery, Gomez in Galaform, das Viertelfinale erreicht, den Rückstand zu Borussia Dortmund - wenn auch minimal - verkürzt. Die Bayern scheinen binnen vier Tagen wieder auf Kurs gekommen, nachdem man nach den Pleiten in Basel und Leverkusen abgedriftet zu sein schien. Jetzt die Trendwende, doch ohne den lang ersehnten Auswärtserfolg bleiben die Heimsiege Stückwerk.

Letztlich haben die Münchener mit zwei Kantersiegen ihre ohnehin überragende Heimbilanz noch weiter verbessert. So sieht es auch Robben: "14 Tore in zwei Spielen sind klasse, aber jetzt kommt ein Auswärtsspiel und ich hoffe, wir können so weitermachen. Wir sind noch nicht da."Auch Vierfach-Torschütze Gomez hält den Ball flach: "Wir haben noch nichts gewonnen, außer ich heute den Ball."

Barca oder Real? Noch nicht

Auffällig zurückhaltend geben sich die Münchener in der Formulierung der Ziele. Das Champions-League-Finale im eigenen Stadion? Robben macht das Spiel nicht mit: "Soweit will ich nicht gehen. Da sind noch gute Mannschaften dabei. Jetzt wird ein noch schwierigerer Gegner kommen."

Wer soll es werden? Ein Wunschlos formulierte keiner, auch wenn die Tendenzen, wer es denn nicht werden soll, sehr deutlich sind. "Die zweiten Favoriten sind Madrid und Barcelona. Mailand ist auch richtig gut", sagt Robben. Lahm klingt nicht anders: "Die Topfavoriten sind immer noch Barcelona und Real Madrid. Es wäre schön, wenn wir diesen Mannschaften aus dem Weg gehen könnten."

Bayern - Basel: Fakten zum Spiel

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