Mittwoch, 07.12.2011

Champions League: Gruppe F, 6. Spieltag

"Wir haben viel, viel Lehrgeld bezahlt"

Borussia Dortmund verabschiedet sich mit einer 2:3-Niederlage gegen Olympique Marseille von der europäischen Bühne. Das Abschneiden des BVB in der Königsklasse war eine echte Enttäuschung. Einen Vorteil hat das Ausscheiden allerdings.

Szene mit Symbolcharakter: Borussia Dortmunds Ivan Perisic auf dem Boden
© Getty
Szene mit Symbolcharakter: Borussia Dortmunds Ivan Perisic auf dem Boden

Reaktionen:

Jürgen Klopp (Trainer BVB) über...

...die Niederlage gegen Marseille: "Es ist bitter, wie wenig Marseille heute gereicht hat. Sie haben körperlich gespielt, haben verteidigt, hatten wenig Gegenmittel. Am Ende helfen wir ihnen dann dabei, dass sie uns zweimal schlagen können. Den Schuh müssen wir uns anziehen. Da gibt es auch keine Ausreden. Wir haben unglaublich viel investiert, aber das empfinden wir auch als unsere Pflicht."

BlogUnrühmliches Ende eines Debakels

...die Champions-League-Saison: "Wir müssen das Ganze als Komplettpaket bewerten: Dass wir uns in den guten Phasen nicht genügend belohnt haben mit Zwischenergebnissen. Und in den schlechten Phasen haben wir immer sofort ein Tor kassiert. Unser Torverhältnis ist glaube ich bei minus sechs, was jenseits davon ist, was wir für uns als akzeptabel erachten. Wer so viele Gegentore bekommt, hat auch keine Chance weiter zu kommen."

Michael Zorc (Sportdirektor BVB): "Wir haben defensiv viele Fehler gemacht und das Spiel noch aus der Hand gegeben. Das hätte zwar für die Tabellensituation nichts genutzt, aber wir hätten uns natürlich gerne mit einem Sieg verabschiedet. Insgesamt war das ein Spiegelbild unserer gesamten Champions-League-Saison. Wir haben viel, viel Lehrgeld gezahlt und heute auch wieder. Das war einfach symbolisch."

Mats Hummels (BVB): "Wir müssen lernen. Wir müssen uns weiter entwickeln. In der Champions League war alles komplettes Neuland. Natürlich hätte man von uns erwarten können, dass wir weiterkommen. Das ist jetzt kein Weltuntergang, aber wir hatten uns mehr vorgestellt. Wenn wir nächstes Jahr wieder Champions League spielen, dann wollen wir natürlich ein ganz anderes Gesicht zeigen und auch auswärts mal ein paar Punkte mitnehmen."

Nachbetrachtung:

Man könnte nun anführen, dass es auch schon anderen deutschen Mannschaften richtig schlecht erging in der Champions League. Der FC Bayern beispielsweise holte in der Saison 2002/2003 gerade mal zwei Zähler und ist damit bis heute das schlechteste deutsche CL-Team aller Zeiten. Oder auch dem VfB Stuttgart. Die Schwaben schieden in der Spielzeit 2007/2008 mit drei Punkten als erster deutscher Meister als Tabellenletzter aus.

Dass sich andere Klubs in der Vergangenheit ähnlich schwach anstellten, macht es für den BVB allerdings nicht besser. Das überragende Team der letzten Bundesliga-Saison ist sang- und klanglos ausgeschieden. Nicht mal zur Qualifikation für die Europa League reichte es am Ende.

Und das in einer Gruppe, in der man der Borussia durchaus den Achtelfinaleinzug in der Königsklasse zugetraut hatte. Marseille und vor allem Piräus sind international alles andere als Schwergewichte und Arsenal derzeit auch nicht mehr das Arsenal vergangener Tage.

Die klar unterlegene Mannschaft war der BVB in keinem seiner Spiele, eher im Gegenteil. Wer allerdings in sechs Partien nur vier Punkte holt, muss auch grundlegende Dinge falsch gemacht haben und sich Kritik gefallen lassen.

Wie sich die Borussia letztlich von der europäischen Bühne verabschiedete, war ähnlich enttäuschend, wie die komplette CL-Saison der Schwarz-Gelben. In der Schlussphase ließ man sich gegen bis dato harmlose Franzosen eine 2:1-Führung noch aus der Hand nehmen und fing sich binnen zwei Minuten noch zwei Treffer ein.

Vor allem Jürgen Klopp war deshalb hinterher bedient, obwohl auch ein 2:1-Erfolg das Ausscheiden aus beiden Wettbewerben nicht verhindert hätte. "Es ist schon ein gewaltiger Unterschied, ob du mit sieben oder mit vier Punkten raus gehst", sagte der BVB-Coach, fügte allerdings an: "Wir kommen wieder."

Womöglich schon im nächsten Jahr. Derzeit liegt Dortmund als Bundesliga-Zweiter auf Champions-League-Kurs. Und so bitter und ernüchternd das diesjährige Ausscheiden aus der Königsklasse ist: Im Kampf um die Meisterschaft ist es ganz sicher kein Nachteil.

In der Rückrunde kann sich der BVB, abgesehen von ein paar möglichen DFB-Pokal-Auftritten, voll auf die Bundesliga konzentrieren. Zuletzt hatte die Doppelbelastung doch ihre Spuren hinterlassen. Mario Götze erwischte gegen Marseille wie schon gegen Gladbach einen schwachen Tag. Der unkonstante Kevin Großkreutz saß 90 Minuten lang auf der Bank.

Mit Sebastian Kehl verletzte sich zudem ein weiterer Schlüsselspieler. Vor allem im defensiven Mittelfeld wird es damit langsam eng für den BVB, nachdem sich mit Sven Bender und Moritz Leitner zuvor bereits zwei Sechser verletzten.

Die Doppelbelastung ist nun aber passe. In der Winterpause kann sich die Borussia wieder sammeln - und anschließend in der Bundesliga voll angreifen. Von der Champions League spricht dann in Dortmund niemand mehr.

Borussia Dortmund - Olympique Marseille: Daten zum Spiel

Daniel Börlein

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