Champions League: 5. Spieltag

Dortmund hilft nur noch ein Wunder

Von Thomas Gaber / Marc-Oliver Robbers
Mittwoch, 23.11.2011 | 22:37 Uhr
Sven Bender (2.v.l.) musste mit einer Gesichtsverletzung früh vom Feld
© Getty
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Die Chancen für Borussia Dortmund, in der Champions League zu überwintern, sind auf ein Minimum gesunken. Der deutsche Meister verlor beim FC Arsenal durch zwei Tore von Robin van Persie (49./86.) bei einem Treffer von Shinji Kagawa (90.+2) mit 1:2 (0:0) und verlor zudem Sven Bender (Kieferbruch) und Mario Götze (Knie) durch Verletzungen.

Während die Gunners nicht mehr von Platz eins in der Gruppe F zu verdrängen sind, muss der BVB auf ein Wunder hoffen. Nur ein Sieg mit vier Toren Unterschied gegen Olympique Marseille hält die Chancen aufs Achtelfinale am Leben. Gleichzeitig muss Olympiakos Piräus gegen den FC Arsenal verlieren.

Dortmund konnte im Emirates Stadion von London nur in der Anfangsphase an die Leistung vom Sieg beim FC Bayern anknüpfen. Bender wurde noch in der Nacht in einem Londoner Krankenhaus operiert. Der 22-Jährige hatte gleich doppelt Pech. Neben dem Kieferbruch erlitt Bender auch noch einen Innenbandriss im Knie. Er wird mehrere Wochen ausfallen und erst im Januar zurückkehren.

BLOGDer BVB hat sich wieder selbst ein Bein gestellt

Die Reaktionen:

Jürgen Klopp (Trainer Dortmund): "Im Moment überstrahlt die Verletzung von Sven Bender alles, weil ich die Szene gerade schon gesehen habe. Schrecklich. Vermaelen kann natürlich gar nichts dafür, aber mehr Pech kann man nicht haben. Das war ein klassischer Knockout, er muss operiert werden. Das ist natürlich ganz schlimm. Bei Mario hoffe ich, dass es nicht so dramatisch ist. Die beiden Verletzungen haben uns heute natürlich auch wehgetan. Wir sind auf einem sehr guten Weg, aber für diese Aufgaben jetzt hier, das muss man so sagen, hat es nicht gereicht."

Kevin Großkreutz (Dortmund): "Noch haben wir eine realistische Chance weiterzukommen. Wenn man die letzten Heimspiele in der Bundesliga ansieht, da haben wir auch immer vier oder fünf Tore gemacht. Wieso sollten wir das nicht in der Champions League tun?"

Arsene Wenger (Trainer Arsenal): "In der ersten Halbzeit haben wir unseren Rhythmus nicht gefunden, Dortmund hat es uns sehr schwer gemacht. In der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel dann schneller gemacht und auch das Passspiel war besser. Borussia ist eine sehr gute Mannschaft, vielleicht ein bisschen unerfahren auf diesem Niveau. Aber man spürt, wenn diese Mannschaft reifer ist, wird sie sehr gefährlich."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Dortmund startet mit der Sieger-Elf von München. Auch der Rest des 18-Mann-Kaders war bei den Bayern dabei.

Auch Gunners-Coach Wenger vertraut der Mannschaft (mit Mertesacker), die am letzten Wochenende 2:1 in Norwich gewann. Im Dreiersturm soll van Persie (40 Tore in den letzten 41 Spielen) in Szene gesetzt werden.

25.: Bender wird von Vermaelen unglücklich mit dem Fuß im Gesicht getroffen. Bender kann nicht weitermachen und wird durch Leitner ersetzt. Die Diagnose: Kieferbruch!

26.: Lewandowski zieht aus 25 Metern ab. Der Ball zischt einen Meter links am Ball vorbei.

29.: Auch Götze muss vom Feld. Die Knieschmerzen nach einem Zusammenprall mit Song sind zu groß. Perisic kommt.

38.: Kehl fängt einen Ball von Koscielny ab und hat massig Platz, zögert aber viel zu lange und wird beim Schuss entscheidend von Gervinho gestört.

44.: Schmelzer zieht zentral aus 18 Metern ab, kriegt aber nicht genug Druck hinter dem Ball. Szczesny hat keine Mühe.

48.: One Touch von Großkreutz über Kagawa zu Lewandowski und wieder zu Kagawa, aber dann ist der Winkel für den Japaner zu spitz. Szczesny ist auf dem Posten.

49., 1:0, van Persie: Song zieht auf der linken Seite Großkreutz, Piszczek und Kehl auf und flankt dann genau auf den Kopf von van Persie. Der Holländer köpft aus sieben Metern ein, Weidenfeller war noch dran.

67.: Großkreutz verliert vorne leichtfertig den Ball und Arsenal kontert über Ramsey und Walcott. Der Distanzschuss von Walcott geht knapp am rechten Pfosten vorbei.

86., 2:0, van Persie: Vermaelen verlängert die Ecke von rechts per Kopf auf van Persie, der freistehend aus zwei Metern nur noch den Fuß hinhalten muss.

90.+2: Perisic spielt von links den Ball flach auf den Fünfer. Von dort legt Lewandowski die Kugel auf den nachrückenden Kagawa ab, der locker und leicht versenkt.

Fazit: Verdiente Niederlage für schwache Dortmunder, die die Ausfälle von Bender und Götze nicht verkraften konnten.

Der Star des Spiels: Robin van Persie. Der Niederländer ist in der Form seines Lebens. Auch wenn er gegen Dortmund eher unauffällig spielte und nur 33 Prozent seiner Zweikämpfe gewann, war van Persie in den entscheidenden Momenten zur Stelle und entschied erneut im Alleingang ein Spiel für Arsenal. Van Persie hat jetzt in den letzten 42 Spielen 42 Tore für die Londoner erzielt.

Der Flop des Spiels: Ivan Perisic. Der Kroate konnte Götze nicht ansatzweise adäquat ersetzen. Perisic war praktisch isoliert, hatte in 72 Minuten nur 36 Ballkontakte, spielte einige Fehlpässe und war im Zweikampf meistens zweiter Sieger (37,5 Prozent gewonnene Duelle).

Der Schiedsrichter: Frank De Bleeckere. Der Belgier bestätigte wieder einmal, warum er zu den besten Schiedsrichtern gehört. Da wird ein aufgebrachter Ramsey in den Arm genommen, statt mit Gelb verwarnt. Außer der leicht überzogenen Gelben Karte für Ramsey blieben De Bleeckere und seine Assistenten fehlerlos.

Analyse: Dortmund begann im Spiel gegen den Ball ähnlich stark wie gegen die Bayern und beschäftigte die Defensive der Gunners mit schnellem, druckvollen Passspiel. Der BVB rückte weit auf, selbst Hummels stand als letzter Mann bisweilen in der Arsenal-Hälfte.

Allerdings agierten die Dortmunder im letzten Drittel, wie schon in München, zu hektisch; der finale Pass kam so gut wie nie an. Kagawa war nahezu unsichtbar und Götze sah sich stets zwei Gegenspielern gegenüber.

Arsenal verpennte die Anfangsphase und kam erst nach knapp 20 Minuten zum ersten, strukturierten Angriff. Dann der Doppel-Schock für demn BVB: Bender und Götze mussten binnen vier Minuten verletzt vom Feld.

Bis zur Pause beschränkten sich die Dortmunder darauf, Arsenal voim eigenen Tor fernzuhalten; die Gunners blieben ideen- und harmlos. Insgesamt eine schwache erste Halbzeit von beiden Teams.

Nach dem Wechsel machte sich der doppelte Ausfall beim BVB bemerkbar. Dortmund verlor immer mehr den Rhythmus und wurde für seine Naivität in den Zweikämpfen mit dem Gegentor bestraft.

Die Bemühungen des BVB, die Niederlage zu vermeiden, waren höchst überschaubar. Ohne Mumm, ohne Überzeugung spielten die Dortmunder die Partie gegen einen keinesfalls übermächtigen Gegner zu Ende. Götze und Bender waren nicht zu ersetzen, neben Perisic enttäuschte trotz seines Tores vor allem Kagawa.

Die Leistungen des BVB in der Champions League waren eines deutschen Meisters nicht würdig. Dank Piräus ist aber noch nicht alles vorbei.

FC Arsenal - Borussia Dortmund: Daten zum Spiel

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