Dortmund schlägt sich bei OM selbst

Von Stefan Rommel / Felix Mattis
Donnerstag, 29.09.2011 | 10:52 Uhr
Mats Hummels (r., gegen Diawara) unterlief ein entscheidender Fehler vor dem 0:2
© Getty
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Borussia Dortmund hat im Kampf um den Einzug ins Achtelfinale der Champions League einen herben Dämpfer hinnehmen müssen. Am zweiten Spieltag der Gruppe F unterlag der BVB bei Olympique Marseille mit 0:3 (0:1) und hat jetzt schon fünf Punkte Rückstand auf den vermeintlich schärfsten Konkurrenten um Platz zwei hinter Favorit FC Arsenal (4 Punkte).

Vor 40.000 Zuschauern im Stade Velodrome brachte Andre Ayew die Gastgeber in der ersten Halbzeit nach einem Konter in Front (20.).

Nachdem der BVB nach der Pause beste Chancen nicht nutzen konnte, besorgte Loic Remy nach einem harmlosen Konter die Vorentscheidung (62.). Den Sack endgültig zu machte erneut Ayew per Foulelfmeter (68.).

Reaktionen:

Jürgen Klopp (Trainer, Borussia Dortmund): "Es ist ein bisschen die Geschichte der Saison in ein Spiel reingepackt. Viel Aufwand und dann gibt's nicht immer was dafür. Das hier heute war Lehrgeld zahlen durch und durch. Wir sind richtig hart bestraft worden."

...über die Entwicklung der jungen Mannschaft: "Wir nehmen uns jetzt mal das Recht, in dem Millionengeschäft Champions League über unsere eigene Dappigkeit zu schmunzeln. Der Umgang mit bitteren Niederlagen gehört zu unserem Entwicklungsprozess. Das ist unser Weg. Wir müssen mit den Fehlern leben, die aufgrund unserer Unerfahrenheit gemacht werden. Das hat uns auch schon sehr viele Punkte gebracht, mit welchem Enthusiasmus die Jungs da zu Werke gehen. Ich habe das größte Vertrauen in diese Mannschaft von allen Menschen auf dem Planeten. Ich weiß, was hier noch drin ist."

Neven Subotic (Borussia Dortmund): "Wir haben nicht gut gespielt. Wir haben auch nicht verdient, einen Punkt hier mitzunehmen. Wir hatten zwar Chancen, aber wir hätten noch drei Stunden weiterspielen können, wir hätten kein Tor gemacht. Wir haben heute Lehrgeld gezahlt."

Mats Hummel (Borussia Dortmund): "Ich bin schon ein bisschen fassungslos, wie das heute so ausgehen kann. Aber ich denke, wir waren jetzt zweimal die bessere Mannschaft, und es ist noch nichts gelaufen."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: OM im Vergleich zum Ligaspiel vom Wochenende mit Azpilicueta und Kabore für Fanni und Amalfitano.

Beim BVB ist Schmelzer fit und beginnt links hinten. Kehl neben Bender im defensiven Mittelfeld. Großkreutz drängt Perisic aus der Mannschaft. Ganz vorne beginnt erneut Lewandowski.

19.: Langer Ball auf Götze, der in die Spitze startet und dann Diarra am Fünfereck nass macht. Schuss aufs kurze Eck. Mandanda rettet mit dem linken Fuß.

20., 1:1, Ayew: Harmlose Szene - bis Subotic sich verladen lässt und auch noch wegrutscht. Überzahl OM, Remy raus auf Ayew. Piszczek kommt einen Schritt zu spät, Ayew haut den Ball aus 20 Metern flach mit links ins rechte Eck.

36.: Der BVB konfus in der Deckung. Valbuena setzt Ayew links im Sechszhener ein. Fast der selbe Schuss wie beim 1:0, diesmal ist Weidenfeller aber unten und pariert stark.

50.: Großkreutz flankt mit sehr viel Gefühl in die Mitte und dort verlängert Diarra unglücklich zu Götze. Der Jungstar steht völlig allein fünf Meter vor dem Tor, trifft aber nur den rechten Pfosten.

51.: Wieder läuft Götze allein auf Mandanda zu, doch der Olympique-Keeper kommt heraus und pariert den Versuch 16 Meter vor dem Tor. Den Nachschuss haut Großkreutz aus 25 Metern überhastet in die Wolken.

62., 2:0, Remy: Langer Ball. Hummels köpft das harmlose Ding im Rückwärtslaufen direkt Remy in den Lauf. Der versenkt zehn Meter vor Weidenfeller ins kurze Eck.

68., 3:3, Ayew (Elfmeter): Piszczek hat den Ball schon und vertändelt ihn im eigenen Strafraum. Valbuena auf Ayew. Der wird von Kehl gerempelt und fällt theatralisch hin. Trotzdem gibt Eriksson Elfmeter. Ayew knallt das Ding halbhoch rechts ins Netz.

70.: Perisic köpft eine Flanke von rechts aufs linke Eck. Aber wieder verhindert Mandandas toller Reflex einen Treffer.

88.: Piszczek setzt sich rechts schön durch. Seine Flanke köpft Barrios aus sechs Metern an die Latte.

90.+3, Gelb-Rot gegen J. Ayew: Dämliche Schwalbe im Mittelfeld. Zurecht der Platzverweis.

Fazit: Das Ergebnis ist in der Höhe ein Witz. Dortmund war das bessere Team, Olympique aber deutlich abgezockter und vor dem Tor eiskalt - der große Unterschied zum BVB.

Der Star des Spiels: Steve Mandanda war wie schon in den durchwachsenen Wochen zuvor bester Franzose. Mandanda rettete alleine gegen Götze viermal hervorragend, ließ sich auch von Perisic nicht überwinden und half OM durch die vielen heiklen Phasen in diesem Spiel.

Der Flop des Spiels: Shinji Kagawa fand bis zu seiner Auswechslung nach gut einer Stunde null Bindung zum Spiel, war wie ein Geist. Bei seinen ganz wenigen Szenen mit ungewohnten technischen Patzern. Eines der schwächsten Spiel des Japaners bisher. Auch unterdurchschnittlich: Kevin Großkreutz, der vor dem Spiel noch ein Feuerwerk versprochen hatte.

Der Schiedsrichter: Jonas Eriksson aus Schweden leitete die Partie erfreulich generös, ließ viel laufen, ohne dabei die Kontrolle zu verlieren. Beim Elfmeterpfiff entschied er dann aber gemessen an seiner Linie überhart. Jordan Ayews Gelb-Rote Karte war absolut korrekt.

Analyse: Beide Mannschaften zu Beginn fahrig, mit wenig Linie im Spiel. Nach einer Viertelstunde fand der BVB besser rein, OM hatte kaum Lust, selbst das Spiel zu machen. Die Führung der Franzosen fiel dann umso überaschender.

Dortmund hatte zwar auch danach ein leichtes Übergewicht, konnte sich aber kaum durchs Mittelfeld kombinieren und versuchte es zu oft mit dem langen Schlag. Da dort aber weder der erste noch der zweite Ball gewonnen wurde, blieben die Gäste insgesamt zu harmlos.

Kagawa und Großkreutz waren in der ersten Halbzeit überhaupt kein Faktor. Wenn spielerisch etwas ging, dann über die rechte Seite mit Götze und Piszczek. Bei seinen wenigen Angriffen war Marseille sogar noch gefährlicher, nutzte eine gewisse Naivität der Dortmunder immer mal wieder aus.

Dortmund nach der Pause viel griffiger in den Zweikämpfen, attackierte energischer und früher und kam so nach schnellem Umschalten zu seinen sehr guten Chancen. Der BVB war jetzt klar besser, OM kam kaum noch zu Entlastungsangriffen. Aber: Die Chancenverwertung bleibt die ganz große Dortmunder Schwachstelle.

Die Strafe folgte auf dem Fuß, als sich der BVB mal wieder zu ungeschickt anstellte und OM aus keiner Chance zwei Tore machte.

Dortmund scheiterte letztlich mal wieder an den alten Leiden: Nutzte seine Chancen nicht, gönnte sich drei dicke Aussetzer und wurde für seine Naivität von einem insgesamt absolut schlagbaren OM gnadenlos bestraft.

Olympique Marseille - Borussia Dortmund: Daten zum Spiel

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