Bayer zu grün für einen Punkt

Von Stefan Rommel / Felix Mattis
Dienstag, 13.09.2011 | 22:41 Uhr
Zwei der Besten ihrer Teams: Chelseas Fernando Torres (l.) gegen den Leverkusener Lars Bender
© Getty
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Bayer Leverkusen hat bei seinem Comeback in der Champions League eine durchaus vermeidbare Niederlage kassiert. Die Mannschaft von Trainer Robin Dutt verlor zum Auftakt der Gruppenphase beim FC Chelsea mit 0:2 (0:0).

Vor 39.000 Zuschauer an der nicht ausverkauften Stamford Bridge erzielten Chelseas Innenverteidiger David Luiz Mitte der zweiten Halbzeit (67.) und Mata (90.+2) die Tore für die Blues.

Michael Ballack spielte bei seiner Rückkehr nach West-London von Beginn an und zeigte eine ordentliche Leistung.

Reaktionen:

Robin Dutt (Trainer Leverkusen): "Chelsea hat verdient gewonnen, gar keine Frage. Trotzdem habe ich eine gute Leistung meiner Mannschaft gesehen."

Stefan Kießling (Stürmer Leverkusen): "Uns hat die Kaltschnäuzigkeit gefehlt. Wir haben in der ersten Halbzeit richtig gut gespielt. Mit ein bisschen Glück hätten wir die eine oder andere Chance mehr gehabt - und dann müssen wir einfach auch mal eins machen. Leider sollte es nicht sein, aber wir können auf der Leistung aufbauen. Für den ersten Champions-League-Auftritt war das ganz ordentlich."

Rudi Völler (Sportdirektor Leverkusen): "Es war insgesamt eine gute Leistung. Jetzt müssen wir weiterschauen. Es war vorher klar, dass Chelsea der große Favorit ist. Diese Niederlage wirft uns nicht um. Am Ende müssen wir vor Valencia und Genk stehen - und das ist natürlich immer noch gut möglich."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Chelsea nun doch mit Torres von Beginn an, Anelka dafür auf der Bank. Da sitzt auch Lampard, Mata und Sturridge bilden die Flügelzange.

Leverkusen im Vergleich zum Augsburg-Spiel wieder mit Kadlec links hinten. Renato Augusto sitzt draußen, für den Brasilianer darf Schürrle ran. Ballack wieder in der offensiven Zentrale.

4.: Ecke für Leverkusen von links. Toprak stützt sich bei Mikel auf und köpft dann rechts ins Eck - aber Lannoy pfeift ab.

10.: Chelsea über links mit Mata, und wieder bekommt Torres den Ball im Strafraum. Der Spanier wird bedrängt, kommt aber trotzdem aus sechs Metern zum Abschluss. Doch Leno bleibt lange stehen und wehrt stark ab.

56.: Riesen Doppelpass zwischen Rolfes und Ballack. Der ist gut in die Tiefe durchgestartet und plötzlich völlig frei vor Cech. Ballack schießt den Tschechen aber aus zehn Metern nur an, der Abpraller kullert von seinem Körper knapp links ins Toraus.

64.: Flanke von Mata, von links. Sturridge in der Mitte schneller als Kadlec am Ball, lenkt das Ding aus sieben Metern flach aufs rechte Eck. Leno taucht blitzschnell ab und lenkt den Ball an den Pfosten.

66.: Ballack geht vom Feld - und die Fans an der Bridge erheben sich. Starke Geste von den Blues-Fans.

67., 1:0, David Luiz: Toller Antritt des Innenverteidigers durchs Mittelfeld. Pass auf links raus. Die Flanke legt Torres perfekt für Luiz ab. Der schlenzt den Ball aus 14 Metern butterweich um Reinartz rum in die lange Ecke. Leno machtlos.

70.: Wieder ist es Mata, der völlig frei an der Strafraumgrenze steht. Er schießt zentral aufs Tor, aber der zu Boden sinkende Leno lässt die Hand oben und pariert erneut erstklassig.

90.+2, 2:0, Mata: Konter Chelsea. Torres setzt sich stark durch, legt auf den mitgelaufenen Mata quer. Der schiebt ins leere Tor ein.

Fazit: Angesichts der Quantität der Chancen ein verdienter Erfolg für Chelsea. Für Leverkusen war hier aber trotzdem mehr drin.

Der Star des Spiels: Für Bernd Leno war es das fünfte Pflichtspiel als Profi - an der Stamford Bridge spielte der Bayer-Keeper aber abgezockt wie ein Alter. Leno zeigte drei, vier überragende Paraden, war in der Strafraumbeherrschung stark und strahlte eine Ruhe aus wie selten ein 19-Jähriger in der Champions League. Bei Chelsea waren Mata und Torres, der beide Tore vorbereitet hat, stark.

Der Flop des Spiels: Von der ersten Minute an wirkte Gonzalo Castro sehr nervös und hatte rechts in der Viererkette große Probleme. Zuerst gegen Mata, später auch gegen Sturridge - die Londoner hatten Castros Seite schnell als Schwachstelle ausgemacht. Allerdings unterstützte Schürrle von vorne auch zu wenig, so dass immer wieder ein Spieler aus dem Mittelfeld aushelfen musste, um Castro nicht völlig alleine zu lassen. Nach der Pause etwas besser, offensiv aber ohne Mumm. Insgesamt eine schwache Leistung.

Der Schiedsrichter: Stephane Lannoy aus Frankreich hatte gleich in den ersten Minuten tüchtig zu tun, erkannte je einen Treffer auf beiden Seiten zu Recht nicht an - wobei Bayers Tor noch eher diskussionswürdig war. Auch in der Folge war Lannoy sehr umsichtig, ohne große Theatralik. Bei den persönlichen Strafen auch mit dem richtigen Maß. Starke Leistung.

Analyse: Chelsea machte schnell ordentlich Druck, Bayer hatte defensiv einiges zu tun. Da sich die Gäste aber auch keineswegs versteckten, entwickelte sich ein munteres Spiel mit hohem Tempo.

Probleme hatte Leverkusen mit seiner rechten Abwehrseite, wo Castro und Schürrle die ständig attackierenden Cole und Mata - und bisweilen auch Sturridge - nicht so richtig in den Griff bekamen.

Was die Gäste aber gut machten: Im Vergleich zum Augsburg-Spiel vor vier Tagen schaltete die Mannschaft bei Ballverlust geschlossen blitzschnell um und geriet so kaum einmal in eine gefährliche Kontersituation.

Chelsea kam gut aus der Pause, gab die Initiative aber nach knapp einer Stunde an Bayer ab. Die Gäste hatten plötzlich sehr gute Chancen. Nach den offensiven Wechseln von Villas-Boas machte aber Chelsea das Tor.

Die Führung machte Chelsea wieder sicherer, Bayer war lange Zeit zu geschockt. Auch Dutts Wechsel verpufften im Nichts. Im Angriff fehlte vor dem Tor die letzte Konsequenz. Unterm Strich betrieb Leverkusen einen enormen Aufwand, belohnte sich bei den durchaus vorhandenen Gelegenheiten dafür aber nicht selbst.

So bleibt Chelsea seit acht Jahren bei Heimspielen der Gruppenphase ungeschlagen und Leverkusen ohne Sieg auf englischem Boden in einem europäischen Pokalwettbewerb.

FC Chelsea - Bayer Leverkusen: Daten zum Spiel

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