Werder Bremen: Chancenlos und ausgeschieden

Von Stefan Rommel
Mittwoch, 24.11.2010 | 22:38 Uhr
Luca Modric (r., gegen Daniel Jensen) war bester Spieler auf dem Feld und erzielte das 2:0
© Getty
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Werder Bremen hat seine sportliche Talfahrt auch in der Champions League fortgesetzt und ist nach einem 0:3 (0:2) bei Tottenham Hotspur bereits vor dem letzten Spieltag aus der Königsklasse ausgeschieden. Durch die dritte Niederlage im fünften Spiel kann Bremen auch definitiv nicht mehr Platz drei und damit die Teilnahme an der Europa League erreichen.

Die stark dezimierte Bremer Mannschaft hatte über die gesamten 90 Minuten gegen den Tabellenführer der Gruppe A (zur Tabelle) keine wirkliche Chance, wehrte sich nach den zuletzt zum Teil verheerenden Leistungen in der Liga aber immerhin im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Vor 45.000 Zuschauern an der White Hart Lane machten Younes Kaboul (6.) und Luca Modric (45.+1) bereits in der ersten Halbzeit alles klar. Peter Crouch stellte in der 79. Minute den Endstand her.

Die Spurs leisteten sich sogar den Luxus, einen Foulelfmeter zu verschießen. Werder-Keeper Tim Wiese hielt den schwach getretenen Schuss von Gareth Bale (54.).

Tottenham bleibt mit zehn Punkten Erster der Gruppe, Werder ist bei lediglich zwei Zählern nach fünf Spielen Vierter und Letzter.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Die Spurs bis auf den verletzten van der Vaart in Bestbesetzung und mit Crouch und Pawljutschenko als Doppelspitze. Der genesene Defoe sitzt zunächst nur auf der Bank.

Werder dagegen allenfalls mit einer B-Elf. Ohne Stars wie Naldo, Frings, Pizarro, Arnautovic, Almeida oder Wesley müssen sogar die beiden U-23-Spieler Schmidt (links in der Viererkette) und Felix Kroos (defensives Mittelfeld) ran. Wagner ist die einzige Spitze, auf der Bank sitzen nochmal drei Amateure.

6., 1:0, Kaboul: Zu kurz abgewehrte Ecke. Lennon kommt an den Ball und schmeißt den Turbo an. Jensen hat im Laufduell keine Chance. Rückpass an den Fünfer. Kaboul ist sieben Meter vor dem Tor völlig frei und versenkt per Volley-Aufsetzer ins kurze Eck.

36.: Lennon zündet auf rechts die Rakete, geht bis zur Grundlinie und legt flach zurück auf den Elfmeterpunkt. Pawljutschenko nimmt den Ball seelenruhig an, Mertesacker blockt den Schuss in letzter Sekunde.

45.+1, 2:0, Modric: Flanke von rechts. Mertesacker verliert den Kopfball gegen Coruch. Modric ist am Ball, Finte mit links. Prödl fliegt ins Leere. Modric nimmt den auftickenden Ball volley mit rechts und trifft aus acht Metern halbhoch ins linke Eck.

51.: Freistoß Bale, halbrechte Position, ca. 23 Meter Torentfernung. Schuss ans rechte Lattenkreuz.

54., Bale verschießt Elfmeter: Modric dringt in den Sechzehner ein. Kroos lässt das Bein stehen, Modric fällt drüber. Bale schießt den Strafstoß schwach und fast zentral. Wiese ist da und pariert.

79., 3:0, Crouch: Bale flankt - auf die Latte. Den Abpraller spitzelt Kennon Schmidt durch die Beine. Querpass auf Crouch, der aus sieben Metern ins leere Tor einschiebt.

Fazit: Absolut verdienter Sieg für die Spurs, die mit der Bremer B-Mannschaft allerdings auch nicht auf einen Gegner mit Champions-League-Format traf.

Der Star des Spiels: Luca Modric. Der Kroate ist das Gehirn der Spurs und zeigte gegen Bremen fast seine komplette Palette. Jeder Angriff berührte irgendwann seine Füße, Modric fädelte von hinten geschickt ein, hatte immer eine gute Idee. Sein 2:0 war technisch sehr anspruchsvoll, dazu holte er den Elfmeter kurz nach der Pause raus.

Die Gurke des Spiels: Sandro Wagner hatte natürlich als einzige Spitze einen schweren Stand gegen die Schränke Gallas und Kaboul. Ein bisschen mehr Gegenwehr wäre aber doch wünschenswert gewesen. Wagner gewann so gut wie keinen Zweikampf, spielte die wenigen Bälle, die er bekam, dann auch noch schlampig ab. Spieltempo und Aggressivität der Königsklasse sind dann offenbar doch eine Spur zu hoch.

Die Pfeife des Spiels: Olegario Benquerenca hatte mit der fairen Partie kaum Probleme. Die Elfmeterentscheidung geht in Ordnung, das Maß der persönlichen Strafen auch. Eines der leichteren Spiele für den Portugiesen.

Analyse: Das Abenteuer Champions League ist für Werder so früh wieder vorbei wie noch nie zuvor. Im vorentscheidenden Spiel war angesichts der miserablen Personallage und des derzeitigen Negativtrends aber nicht mehr drin, als die pure Schadensbegrenzung.

Bremen zeigte schnell den natürlichen Reflex des Unterlegenen und ließ sich unheimlich tief in die eigene Hälfte zurückfallen, um den Gastgebern den Raum und damit das gefürchtete Tempo aus den Aktionen zu nehmen.

Trotzdem war das Spiel im Prinzip nach sechs Minuten schon gelaufen. Das 1:0 war der frühe Todesstoß für eine redlich bemühte, aber spielerisch und läuferisch haushoch unterlegene Bremer Mannschaft.

In der Folge versuchte die Mannschaft das Möglichste, ohne aber jemals auch nur ansatzweise Gefahr auszustrahlen.

So entwickelte sich eine Partie mit Freundschaftsspielcharakter, bei dem es lediglich um die Höhe des Londoner Erfolgs ging. Immerhin, und das ist ein kleiner Lichtblick inmitten der Bremer Tristesse: Die Mannschaft wehrte sich so gut es ging und zerfiel nicht wie zuletzt in ihre Einzelteile. Diese eigentlich selbstverständliche Erkenntnis ist derzeit das Optimum. Mehr geht nicht.

Tottenham Hotspur - Werder Bremen: Daten zum Spiel

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