Schalke nach Feuerwerk im Achtelfinale

Von Thomas Gaber/Thomas Jahn
Mittwoch, 24.11.2010 | 22:44 Uhr
Klaas-Jan Huntelaar (r. mit Jurado) erzielte seine CL-Tore zwei und drei für Schalke
© Getty
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Der FC Schalke 04 hat durch einen 3:0 (2:0)-Sieg gegen Olympique Lyon vorzeitig das Achtelfinale der Champions League erreicht und die Führung der Gruppe A mit zehn Punkten vor den Franzosen (9) übernommen. Bei der vierten Teilnahme steht Schalke zum zweiten Mal nach 2008 in der Runde der letzten 16.

Jefferson Farfan (13.) und Klaas-Jan Huntelaar (20./89.) erzielten die Treffer für die Mannschaft von Trainer Felix Magath. Nach einer starken ersten Halbzeit nahm Schalke nach der Pause das Tempo raus und brachte den Sieg gegen harmlose Gäste über die Runden.

Im letzten Spiel bei Benfica Lissabon geht es für Schalke noch um den Gruppensieg.

Die Tabelle der Gruppe B

Reaktionen:

Felix Magath (Trainer Schalke): "Das ist ein schönes Gefühl, denn wochenlang hat man uns ja schon totgesagt und jetzt spielen wir auch im nächsten Jahr in der Champions League. Vor allem die ersten 30 Minuten haben mir sehr gut gefallen. Das spricht dafür, dass wir uns immer besser gefunden haben. Jetzt müssen wir auch in der Bundesliga nachlegen."

Claude Puel (Trainer Lyon): "Das war ein sehr unerfreulicher Abend für uns Wir waren nicht in der Lage, gegen eine sehr starke Schalker Mannschaft mitzuhalten. Schalke hat alles gezeigt, was für einen Sieg notwendig ist: Aggressivität, Kreativität und Zweikampfstärke. Wir konnten gar nicht mithalten."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Magath holt Jones von der Tribüne auf den Rasen. Jones bildet mit Kluge die Doppelsechs der Schalker. Rakitic sitzt erneut auf der Bank, Jurado spielt auf dem linken Flügel.

Bei Lyon bleibt Gomis, Doppel-Torschütze beim 3:1 gegen Lens am letzten Wochenende, draußen. Lisandro Lopez hat seine Wadenverletzung auskuriert und bildet den Dreiersturm mit Bastos und Briand.

13., 1:0, Farfan: Raul wurstelt sich zentral gegen zwei Gegenspieler durch, wird beim Abschluss jedoch von Diakhate gestört. Die Kugel landet direkt vor Farfans Füßen, der aus zehn Metern kein Problem hat, das Ding trocken ins linke Eck zu schieben.

17.: Die Schalker vertändeln die Kugel am eigenen Sechzehner, Bastos kommt ran und leitet weiter auf Lopez. Der lässt Kluge per Körpertäuschung aussteigen und kommt aus knapp zehn Metern zum Abschluss. Neuer pariert sicher.

20., 2:0, Huntelaar: Kluge erobert mit einem klasse Einsatz den Ball, geht ein paar Meter durch das linke Mittelfeld und spielt einen absoluten Traumpass in die Nahtstelle der Lyon-Abwehr auf den Hunter. Der hat aus gut elf Metern völlig freie Bahn. Erneut schlägt's links unten ein. 2. CL-Tor in dieser Saison.

31.: WOW! Raul steht mit dem Rücken zum Tor und nagelt den Ball volley aus fast 30 Metern aufs Tor. Lloris kratzt die Kugel mit den Fingerspitzen aus dem linken Dreieck.

61.: Gourcuff muss nach einem Foul von Metzelder wegen einer Knieverletzung raus. Pjanic kommt.

82.: Auf Umwegen landet die Kugel nach einem Jurado-Eckball bei Huntelaar, der aus zentraler Position per Drehschuss abzieht, jedoch an Lloris scheitert, der die Kugel aus der Tormitte fischt.

89., 3:0, Huntelaar: Uchida schlägt eine Flanke von rechts, an der Diakhate gutmütig vorbeigrätscht. Das Ding landet bei Huntelaar, der Reveillere am Fünfmeterraum aussteigen lässt und aus fünf Metern vollendet. Lloris ist noch dran und fälscht die Kugel hoch ins eigene Netz ab.

Fazit: Verdienter Schalker Sieg nach der besten Saisonleistung gegen vor allem in der Offensive enttäuschende Franzosen.

Der Star des Spiels: Raul. Der Spanier ragte aus einer starken Schalker Mannschaft heraus. Nach seinem Dreierpack gegen Bremen traf Raul gegen Lyon nicht, war aber am Führungstreffer beteiligt, setzte die Kollegen mit klugen Pässen ein und spulte überragende zwölf Kilometer ab. Mit seinem Einsatz erinnerte er an den Schalker Volksheld Marc Wilmots.

Die Gurke des Spiels: Aly Cissokho. Lyons Linksverteidiger machte schon nach wenigen Sekunden Bekanntschaft mit Farfan und sah den Schalker nur von hinten. Cissokho wurde immer wieder überlaufen und rückte bei Huntelaars 2:0 viel zu spät ein. Der Franzose kam nach der Pause nicht wieder.

Die Pfeife des Spiels: Nicola Rizzoli. Nahezu fehlerfreier Auftritt des Italieners. Rizzoli ließ die Partie großzügig laufen und traf meist die richtigen Entscheidungen bei der Zweikampfbewertung. Auch die Gelbe Karte für Farfan nach einer Schwalbe war korrekt.

Analyse: Die Leistung des FC Schalke in der ersten Halbzeit verdient das Prädikat Weltklasse. Die Mannschaft stand gut gestaffelt, schaltete enorm schnell um hatte auch spielerisch einiges zu bieten. Lyon wurde schlichtweg überrannt.

Raul ließ sich immer wieder fallen und schleppte die Bälle durchs Mittelfeld. Auf den Außenbahnen liefen Farfan (rechts) und Jurado oder Kluge (links) in Position, Huntelaar lauerte vorne auf die Zuspiele, während Jones bei eigenem Ballbesitz als einziger Sechser das Zentrum absicherte.

Lyon kam im Mittelfeld überhaupt nicht in die Zweikämpfe, der Abstand zwischen Viererkette und dem Dreier-Mittelfeld war viel zu groß. Schalke nutzte dieses Vakuum exzellent. Laufbereitschaft und Einsatz stimmten bei Königsblau. Exemplarisch steht Farfans Balleroberung Mitte der ersten Halbzeit hinten links.

Bisweilen fand Schalke aber nicht die Balance zwischen Offensiv-Power und den Anforderungen in der Defensive. Nach der Balleroberung schaltete auch Lyon über die Außen Bastos und Briand schnell um, teilweise waren nur fünf Schalker hinter dem Ball. Gefahr für Torhüter Neuer entstand vor allem dann, wenn Lyon über die rechte Seite angriff.

Nach dem Wechsel zollte Schalke dem horrenden Tempo Tribut und konzentrierte sich darauf, Lyon im Spielaufbau zu stören und möglichst weit vom eigenen Tor wegzuhalten. Die Gäste übernahmen das Kommando, waren im Angriff aber viel zu harmlos.

In der Schlussphase packte Lyon das eine oder andere Frustfoul aus, Schalke blieb in den Zweikämpfen aggressiv und brachte die drei Punkte problemlos nach Hause.

FC Schalke 04 - Olympique Lyon: Daten zum Spiel

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