Nachlässige Bayern werden hart bestraft

Von Thomas Gaber/Daniel Börlein
Dienstag, 23.11.2010 | 22:40 Uhr
Francesco Totti (M.) verwandelte kurz vor Schluss einen Foulelfmeter zum 3:2
© Getty
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Der FC Bayern München hat im fünften Champions-League-Spiel die erste Niederlage kassiert. Beim AS Rom verlor die Mannschaft von Trainer Louis van Gaal trotz einer 2:0-Führung mit 2:3 (2:0). Das entscheidende Tor für die Roma erzielte Francesco Totti per Foulelfmeter. Dennoch sind die Bayern von Platz eins der Gruppe E nicht mehr zu verdrängen.

Mario Gomez hatte die Bayern mit seinen Champions-League-Toren fünf und sechs (33./39.) in dieser Saison mit 2:0 in Führung geschossen. Die Roma schlug durch Marco Borriello (49.), Daniele De Rossi (81.) und Totti (84.) zurück.

Zum ersten Mal verlor der FC Bayern ein Champions-League-Spiel nach einer Zwei-Tore-Führung.

Die Tabelle der Gruppe E

Reaktionen:

Louis van Gaal (Trainer FC Bayern): "Wir haben das Spiel weggegeben. Das haben wir schon in Mönchengladbach und in Leverkusen gemacht. Das ist unglaublich. Wenn wir so dominant spielen, kann es nicht sein, dass wir nach vier Minuten in der zweiten Halbzeit ein Tor bekommen. Eine Niederlage ist nicht gut für das Selbstvertrauen."

Thomas Kraft (FC Bayern): "Es ist schön, dass ich endlich mal spielen durfte. Ich habe ein paar Bälle ganz gut gehalten, aber ich bin natürlich nicht zufrieden, weil wir verloren haben. Bei der Szene, die zum Elfmeter führt, stelle ich mich ungeschickt an. Ich muss entweder früher raus gehen oder drin bleiben."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Bayern-Torhüter Kraft macht sein erstes Champions-League-Spiel. Butt, zuletzt von Rückenproblemen geplagt, sitzt auf der Bank. Demichelis kehrt in die Stammelf zurück, Ribery darf nach seiner Verletzungspause erstmals von Beginn an ran. Kroos rückt für den gesperrten Schweinsteiger auf die Zehner-Position.

Rom-Coach Ranieri verzichtet auf den seiner Meinung nach ausgelaugten Totti. Der Franzose Menez spielt hinter den beiden Spitzen Vucinic und Borriello. Riise feiert nach langer Verletzungspause sein Comeback.

3.: Einwurf von rechts in den Strafraum auf Borriello, der mit links direkt abzieht. Kraft faustet den Ball nach vorne weg, Menez drischt den Nachschuss allerdings auf die Ränge.

23.: Eine Roma-Ecke wird direkt vor die Füße von Greco abgewehrt. Der Mittelfeldmann hält im Fallen mit links aus rund 25 Metern drauf. Was ein Gerät! Kraft taucht ab und klatscht den Ball zur Seite. Vucinic ist da, semmelt das Ding allerdings in die Wolken.

33., 0:1, Gomez: Kroos mit dem feinen Flachpass in den Strafraum auf den eingelaufenen Ribery, der legt in die Mitte, wo Gomez schneller reagiert als Cassetti und den Ball mit Hilfe des Innenpfostens aus zehn Metern versenkt. 5. CL-Treffer in dieser Saison für Gomez.

39., 0:2, Gomez: Wilder Querpass von Cassetti am eigenen Strafraum. Müller reagiert gedankenschnell und spitzelt den Ball in den Lauf von Gomez, der mit Tempo von links kommt und die Kugel aus spitzem Winkel ins rechte Ecke drückt. CL-Tor Nummer 6.

49., 1:2, Borriello: Rom-Konter nach einer Bayern-Ecke. Menez überläuft Tymo und Demichelis und flankt dann von rechts flach in die Mitte. Borriello kommt vor Lahm an den Ball, stolpert kurz, haut die Kugel aber am Boden liegend aus zehn Metern in die Maschen. Keine Chance für Kraft.

81., 2:2 De Rossi: Ganz starker Pass von Vucinic auf Riise, der Pranjic davon läuft und von links flach in die Mitte passt. Kein Bayern-Spieler kommt dran, so dass De Rossi das Ding am zweiten Pfosten aus drei Metern über die Linie drückt.

84, 3:2, Totti (Elfmeter): Kraft kommt gegen Borriello zu spät und holt den Römer von den Beinen. Der eingewechselte Totti verwandelt. Unten links schlägt's ein, Kraft war mit der Hand noch dran.

Fazit: Völlig unnötige Niederlage für den FC Bayern, die für ihre Nachlässigkeiten nach der Pause bitter bestraft werden.

Der Star des Spiels: Mario Gomez. Der Lauf des Torjägers wird allmählich unheimlich. Was Gomez derzeit anpackt, gelingt. Seine beiden Treffer waren Extraklasse. Beim ersten reagierte er schneller als der Gegenspieler und setzte seinen Körper ein, das zweite erzielte er nach feiner Ballannahme. Zudem legte Gomez weite Wege zurück und eroberte Bälle auch jenseits des Strafraums.

Die Gurke des Spiels: Philipp Lahm. Der Bayern-Kapitän kämpft nach wie vor mit seiner Form. In Rom spielte Lahm in der Defensive ungewohnt viele Fehlpässe und kam nicht in die Zweikämpfe. Vor dem 2:2 läuft ihm Riise im Rücken weg. Im Spiel nach vorne war Lahm erneut viel zu zurückhaltend und brachte keine Flanke an den Mann.

Die Pfeife des Spiels: Alberto Undiano leitete sein 50. Europacup-Spiel. Der Spanier war meistens auf Ballhöhe und verteilte rigoros Gelbe Karten. Kroos für einen zu schnell ausgeführten Freistoß mit Gelb zu verwarnen, war allerdings übertrieben. Ansonsten ein guter Auftritt des erfahrenen Referees. Die Elfmeterentscheidung war korrekt.

Analyse: Fünf Minuten lang ließen die Bayern aggressive Römer gewähren, bevor sie die Kontrolle übernahmen. Auf Passsicherheit bedacht, ließen die Münchner den Ball durch die eigenen Reihen laufen und gingen anfangs keinerlei Risiko.

Probleme hatten die Bayern im Spielaufbau dann, wenn die Römer ihr Pressing aufzogen und bereits die Innenverteidiger angriffen.

Die erste schnelle Kombination in Nähe des Strafraums der Roma wurde gleich mit dem Führungstreffer belohnt. Bis zur Pause dominierten die Bayern eine enttäuschende Roma, die nur durch ein paar harte Fouls auffiel. Tymoschtschuk und Ottl hatten das Zentrum gegen Greco, Brighi und De Rossi im Griff, Kroos, Ribery und Müller spielten sich im Laufe der ersten Halbzeit frei.

Durch die fast schon chronischen Schwächen unmittelbar nach der Pause brachten die Bayern Rom wieder ins Spiel. Gerät die Viererkette unter Druck, macht sie nach wie vor viele Fehler. Van Buyten und Demichelis sind unter Druck überfordert, Lahm machte auf rechts ebenfalls ein schwaches Spiel.

Mitte der zweiten Halbzeit schienen die Bayern sich gefangen zu haben. Gute Kontergelegenheiten wurden aber teilweise kläglich abgeschlossen.

Völlig unerklärlich ließen sich die Münchner in der Endphase den Schneid abkaufen. Rückwärtsbewegung und Zweikampfverhalten waren katastrophal, Bayern hatte aufgedrehten Römern nichts entgegenzusetzen. Menez, Riise und Borriello machten auf den Außenbahnen viel Dampf und konnten ungehindert Bälle in die Spitze spielen.

Der starke Kraft hielt die Bayern lange im Spiel, kam aber in der entscheidenden Szene einen Schritt zu spät.

AS Rom - FC Bayern München: Daten zum Spiel

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