Champions League - 1. Spieltag

Nur ein halbes Werder-Wunder

Von Stefan Rommel/Martin Gödderz
Dienstag, 14.09.2010 | 22:41 Uhr
Werder (hier Aaron Hunt, r.) strauchelte gegen Tottenham, fiel aber nicht
© Getty
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Werder Bremen ist mit einem Remis in die Champions-League-Saison 2010/11 gestartet. Die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf kam zum Auftakt in Gruppe A gegen Tottenham Hotspur nicht über ein 2:2 (1:2) hinaus.

Vor 30.344 Zuschauern auf der Baustelle Weserstadion erzielten Hugo Almeida (42.) und Marko Marin (47.) die Tore für die Bremer. Zuvor hatten Petri Pasanen (12., Eigentor) und Peter Crouch (18.) die starken Gäste früh in Führung gebracht.

Reaktionen:

Werder-Trainer Thomas Schaaf: "In der ersten Halbzeit haben wir zu passiv gespielt. Wir haben die Situation einfach über uns ergehen lassen. Das wurde bestraft."

Tim Wiese: "Wir haben uns in der ersten Halbzeit angestellt wie eine Oberliga-Mannschaft. Das geht nicht, wir spielen hier Champions League. Wir haben die erste Halbzeit völlig verschlafen, uns dann aber wieder rangekämpft. Am Ende war es ein glückliches Unentschieden für uns."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Werder mit einer Änderung im Vergleich zum Spiel bei den Bayern. Für Hunt beginnt Almeida. Der Portugiese geht im 4-4-2 neben Arnautovic ins Sturmzentrum. Die Spurs mit vier Änderungen zum letzten Spiel in WestBrom: Modric (nicht im Kader), Pavlyuchenko, Galas und Palacios werden von King, Jennas, Assou-Ekotto und Crouch ersetzt.

12., 0:1, Pasanen (Eigentor): Bale ist auf links ganz frei durch und läuft durch bis zur Grundlinie. Von da die scharfe Hereingabe. Pasanen grätscht in den Ball und lenkt ihn unhaltbar an Wiese vorbei. Wäre der Finne nicht drangegangen, hätte Crouch aber nur einschieben müssen.

18., 0:2, Crouch: Van der Vaart flankt frei aus dem linken Halbfeld. In der Mitte schraubt sich Crouch wie ein Hubschrauber in die Lüfte und springt gefühlte drei Meter über Pasanen. Der Ball schlägt unhaltbar im linken oberen Toreck ein.

34.: Schuss Bale! Parade Wiese! Einen Abpraller will Bale aus 16 Metern verwerten und zieht trocken aufs Tor. Den strammen, halbhohen Schuss kann Wiese aber abwehren.

42., 1:2, Almeida: Wesley flankt aus dem Halbfeld aus dem Stand in den Strafraum. In der Mitte kommt Almeida angeflogen und setzt sich gegen Kaboul und Assou-Ekotto durch. Aus wenigen Metern köpft er den Ball ins rechte untere Eck.

47., 2:2, Marin: Marin wuselt er sich in Richtung Strafraum und schießt ganz trocken ins linke untere Toreck. Cudicini sieht nicht gut aus.

66.: Pfostenschuss Marin. Der hat auf links ganz viel Platz und zieht mit enormer Schnelligkeit in den Strafraum. Ansatzlos zieht er ab und schießt an den linken Außenpfosten.

87.: Palacios passt scharf durch die Nahtstelle der Abwehr. Crouch steht ganz knapp nicht im Abseits und läuft alleine auf Wiese zu. Er schiebt den Ball aber mit viel, viel Gefühl... am Tor vorbei.

Fazit: Gerechtes Remis. Tottenham war in der ersten, Werder in der zweiten Halbzeit klar besser.

Der Spieler des Spiels: Marko Marin war über die gesamten 90 Minuten bester Bremer. Schon in der ersten Halbzeit, als so gut wie gar nichts lief, ging von Marin noch am ehesten so etwas wie Gefahr aus. Zwar nahm er sich zwischen seinen starken Aktionen auch immer mal wieder eine Auszeit, von der Londoner Abwehr war er aber nie ganz auszuschalten. Sein Tor zum Ausgleich kurz nach der Pause krönte seine Leistung.

Die Gurke des Spiels: Petri Pasanen erwischte einen üblen Start, haute sich das 0:1 selbst ins Netz und wurde beim 0:2 von Crouch gefühlte drei Meter im Kopfballduell übersprungen. Konnte den staksigen Angreifer auch bei dessen Ablagen nach hohen Bällen nur selten stören. Kein guter Abend für den Finnen. Nebenmann Prödl war deutlich ruhiger und abgeklärter.

Die Pfeife des Spiels: Massimo Busacca hatte die faire Partie jederzeit im Griff. Mit der nötigen Ruhe behielt er auch in den wenigen hektischen Phasen den Überblick. Souveräne Vorstellung des Schweizers.

Analyse: Thomas Schaafs Überlegungen revidierte der Bremer Coach bereits in der ersten Halbzeit zweimal. Zuerst stellte er von 4-4-2 auf 4-3-3 um, nach Hunts Einwechslung auf ein 4-2-3-1.

Trotzdem hatte Werder in der ersten Halbzeit mit dem breit angelegten Konterspiel der Engländer unheimliche Schwierigkeiten, weil der unheimlich starke Bale und Lennon konsequent die Seitenlinien besetzten und entweder selbst oder aber van der Vaart in die dadurch großen Lücken der Viererkette stoßen konnten.

Erst als Fritz besser gegen Bale verteidigte und die gesamte Bremer Mannschaft das Spiel gut zehn bis 15 Meter weiter nach vorne verlagern und dadurch früher attackieren konnte, bekamen die Gastgeber die Partie in den Griff. Zudem kam das frühe Ausscheiden von van der Vaart kurz nach der Pause. Der Niederländer war bis dato an jedem englischen Angriff beteiligt.

Bremen verstand es leider nicht mehr, seine Chancen energischer zu nutzen. Viele gute Angriffe wurden überhastet abgeschlossen oder der besser postierte Nebenmann einfach übersehen. Das Remis ist unterm Strich für Bremer trotz des Spielverlaufs zu wenig. Jetzt stehen zwei Auswärtsspiele an, in denen Werder schon wieder unter Druck steht und unbedingt punkten muss.

Tottenham wurde die fehlende Cleverness zum Verhängnis. Eine Partie derart im Griff zu haben und trotzdem nicht - sogar schon frühzeitig - für sich zu entscheiden, sollte einem Spitzenteam nicht passieren. Aber nicht umsonst waren die Spurs seit fast 50 Jahren nicht mehr für die Königsklasse qualifiziert.

Werder Bremen - Tottenham Hotspur: Daten zum Spiel

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