Jörg Butt: "Überraschend? Für mich nicht!"

Von Für SPOX in Turin: Florian Bogner
Mittwoch, 09.12.2009 | 09:08 Uhr
Ganz lässig schiebt Jörg Butt (M.) den Elfmeter zum 1:1 ein. Buffon blieb lange stehen
© Getty
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So stark hat man den FC Bayern in dieser Saison noch nicht gesehen: Mit einer beeindruckenden Leistung fertigten die Münchner am 6. Spieltag der Champions League Juventus Turin mit 4:1 (1:1) ab und zogen ins Achtelfinale ein. Jörg Butt besorgte in der 30. Minute mit einem souverän verwandelten Elfmeter den Ausgleich in Turin. Der Bayern-Torwart im Interview über seine Rolle als Strafstoßschütze, die akribische Vorbereitung von Trainer Louis van Gaal und die Konsequenzen für das Titelrennen in der Bundesliga.

Nicht nur wegen seines Elfmetertores in Turin soll Jörg Butt jetzt bei Bayern München verlängern. "Er ist eine herausragende Persönlichkeit. Leistung wird beim FC Bayern immer honoriert - und Jörg bringt hervorragende Leistungen", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger. Der Kontrakt des 35 Jahre alten Butt läuft im Juni 2010 aus.

Unmittelbar nach dem Sieg bei Juve nahm siich Jörg Butt Zeit für ein Interview.

Frage: Jörg Butt, wie liefen die Sekunden kurz vor Ihrem Elfmeter ab? Warum haben Sie geschossen?

Jörg Butt: Es war abgesprochen. Ich habe direkt gesehen, dass mich zwei, drei Spieler rufen und dann war für mich sofort klar, dass ich schieße.

Frage: Schießen Sie jetzt immer die Elfmeter?

Butt: Nein. Wir haben einige gute Schützen. Auch der Mario oder der Schweini hätten schießen können. Aber ich war auch immer auf der Liste des Trainers.

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Frage: Christian Nerlinger hat gesagt, dass Sie bei Elfmetern die Nummer eins sind und wenn Sie sich gut fühlen, schießen Sie auch. Gab es überhaupt schon mal einen Elfmeter, den sie nicht geschossen haben, weil Sie sich nicht gut fühlten?

Butt: Nein. Aber wenn der Spielverlauf anders ist, schieße ich nicht. Beim Stand von 2:1 für uns hätte ich sicher keinen Elfmeter geschossen. Das kommt immer auch auf das Ergebnis drauf an. Außerdem: Wenn ein Stürmer hingeht, sich den Ball schnappt und sich hundert Prozent sicher ist, komme ich sicherlich nicht von hinten angelaufen und nehme ihm den Ball weg. Das wäre der größte Fehler, den man machen kann. Ich habe schon oft gesehen, wie sich Spieler um den Ball streiten und das ist oft in die Hose gegangen.

Frage: Warum hätten Sie beim Stand von 2:1 nicht geschossen?

Butt: Das war jetzt nur ein Beispiel. Wenn wir kurz vor Schluss einen Elfmeter bekommen hätten, dann hätte ein Stürmer auch was für sich machen können. Beim 4:1 hätte ich definitiv nicht geschossen, weil es für einen Stürmer dann viel wichtiger ist, dass er noch ein Tor macht.

Frage: Haben die Bayern so ein Spiel gebraucht, so eine Alles-oder-Nichts-Situation?

Butt: Auch wenn das jetzt für Außenstehende überraschend war, dass wir so deutlich gewonnen haben - für mich war es das nicht, weil sich schon in den letzten Spielen angedeutet hat, dass sich die Mannschaft zusammengerauft hat. Wenn man es genau beobachtet hat, hat man gesehen, dass es innerhalb der Mannschaft stimmt. Die Situation vor vier Wochen war ziemlich dramatisch, aber die Mannschaft hat gemeinsam da raus gefunden.

Frage: Ist es hilfreich, dass die Mannschaft zuletzt viermal mit derselben Startelf spielte?

Butt: Sicher ist es nicht schlecht, wenn man mit einem eingespielten Team spielt. Andererseits kommen immer wieder Spieler rein, die sich gut einfügen. Vorher mal Andreas Ottl, heute Anatolij Tymoschtschuk, zum Beispiel. Der Trainer lernt jeden einzelnen besser kennen. Wir sind auf einem guten Weg und die Dinge, die der Trainer vorgibt, werden immer besser umgesetzt.

Frage: Hat Louis van Gaal Juve-Trainer Ciro Ferrara ausgecoacht? Die Bayern wussten ja genau, was sie zu tun hatten.

Butt: Das war nicht nur diesmal so. Es ist unbestritten, dass der Trainer gerade im taktischen Bereich ein absoluter Fachmann ist. Er bereitet sich und die Mannschaft immer gut vor und stellt die Mannschaft immer sehr, sehr gut ein.

Frage: Wie geht der Trainer mit so einem Sieg um?

Butt: Ich glaube, dass sich der Trainer jetzt schon Gedanken über das Spiel in Bochum macht. Er ist jemand, der unheimlich akribisch arbeitet und viele Möglichkeiten durchspielt. Wir vor dem Spiel die Möglichkeit durchgegangen, was ist, wenn man kurz vor Schluss noch ein Tor braucht. Er gibt der Mannschaft und jedem einzelnen sehr gute Hilfestellungen.

Frage: Wird das Spiel in Bochum nun besonders leicht oder besonders schwer?

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Butt: Wir müssen das Juve-Spiel spätestens am Mittwoch abhaken. Das ist nicht einfach, aber wenn wir das schaffen, bin ich mir sicher, dass wir in Bochum gewinnen. Fakt ist, das wir in der Bundesliga noch vier Punkte zurück sind. Wir dürfen das jetzt schon ein bisschen genießen, aber morgen muss das abgehakt sein. Im Winterurlaub können wir uns dann über das Spiel freuen.

Frage: Sind sechs Punkte aus den letzten beiden Spielen Pflicht?

Butt: Ja.

Frage: Sind das jetzt wieder die "Mir-san-mir-Bayern"?

Butt: Das ist sicher ein Signal an die Bundesliga, aber das waren auch schon die Spiele zuvor. So ein Spiel gegen Gladbach muss man erst mal gewinnen. Wir haben gewonnen, die anderen am letzten Spieltag nicht. Nehmen wir das Spiel Hannover gegen Leverkusen. Wir haben die Woche davor in Hannover 3:0 gewonnen, diese Woche war Hannover dem Sieg näher als Leverkusen. Es gibt in der Bundesliga keine leichten Spiele. Wichtig ist, dass man sie gewinnt. Man kann nicht erwarten, dass wir jedes Spiel 3:0 oder 4:0 gewinnen.

Juventus Turin - Bayern München: Daten zum Spiel

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