Donnerstag, 29.04.2010

Inter Mailand im Champions-League-Finale

Mourinho: Meine epischen, blutigen Helden

Inter-Coach Jose Mourinho machte mit seiner Defensiv-Taktik Barcas Künstler mürbe. Seine Kommentare nach dem Spiel sind schon jetzt legendär. Barcelona beklagt die Grausamkeit des Fußballs.

Jose Mourinho hat gut lachen. Der Portugiese steht nach 2004 zum zweiten Mal im CL-Finale
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Jose Mourinho hat gut lachen. Der Portugiese steht nach 2004 zum zweiten Mal im CL-Finale

Als die 94 elend langen Minuten endlich vorbei waren, ging es den Spielern von Inter Mailand so richtig nass rein. Kapitän Javier Zanetti und Esteban Cambiasso weinten Krokodilstränen der Freude. Der Rest der Nerazzurri tanzte inmitten dicker Fontänen.

Die Sprenkleranlage des Camp Nou sprang unmittelbar nach Spielende an, aber nur dort, wo die Inter-Spieler den ersten Einzug ins Europacup-Finale der Meister seit 1972 feierten. "Schon seltsam. Ich glaube nicht, dass das geplant war. Die wollten uns da wohl weghaben", sagte Wesley Sneijder.

Der Gewinner hat Recht

Dem FC Barcelona ein schlechtes Verlierer-Image anzuheften, wäre verkehrt. Pep Guardiola gratulierte höflich. "Jeder Trainer und jede Mannschaft hat das Recht, so zu spielen, wie sie es für richtig halten. Inters Defensiv-Stil zu kritisieren, steht mir nicht zu. Im Sport hat der Gewinner immer Recht."

Inter kehrte im Camp Nou zu den Wurzeln des jahrzehntelang erfolgreichen Calcio zurück: Catenaccio in seiner reinsten Form. Schon vor Thiago Mottas Platzverweis (28.) verbarrikadierten sich die Nerazzurri in der eigenen Hälfte. In der Schlussphase bildete Inter eine Sechser-Abwehrkette mit Samuel Eto'o als äußerstem Außenverteidiger.

"Unser Trainer findet immer die richtige Taktik, um den Gegner zu zerstören", sagte Sneijder. Jose Mourinho hat mit Inter nicht nur die "nach wie vor beste Mannschaft der Welt" (Mourinho) rausgenommen, sondern zuvor bereits den FC Chelsea mürbe gemacht.

Keine Provokation der Barca-Fans

Mourinho war nach der Abwehr- und Nervenschlacht überschwenglich stolz.

"Das war die schönste Niederlage meines Lebens. Meine Mannschaft hätte ein 0:0 verdient gehabt, weil sie phantastisch verteidigt hat. Wir waren Helden. Wir haben Blut geschwitzt. Es ist eine unglaubliche Freude. Ich habe schon einmal die Champions League gewonnen. Aber das hier ist viel besser. Es ist schade, dass ich im Finale nicht spielen kann, weil ich das gleiche Blut habe wie meine Spieler."

Sneijder erlebte nach dem Schlusspfiff eine neue Facette seines Trainers: "Er hat geschrien wie am Spieß. Das war wild." Mit ausgestreckten Zeigefingern und erhobenen Hauptes rannte der Portugiese über den Platz. Barca-Torhüter Victor Valdes stellte sich Mourinho in den Weg und packte ihn an der Schulter.

"Valdes hat geglaubt, dass ich die Barca-Fans provozieren wollte. Das ist nicht wahr. Ich wollte mit den Inter-Fans jubeln und mit meinen Spielern. Jetzt werden wir ein Festival feiern. Ich will, dass der Flughafen in Mailand brennt, wenn die Spieler nach Hause kommen. Sie waren episch und perfekt. In 40 Jahren werden unsere Enkelkinder noch von diesem Spiel sprechen."

Daumenkino: Mottas Rot-Foul und Piques Tor
28. Minute: Schiri De Bleeckere zeigt Inters Thiago Motta die Rote Karte. Wie kam es dazu?
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28. Minute: Schiri De Bleeckere zeigt Inters Thiago Motta die Rote Karte. Wie kam es dazu?
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An der linken Seitenlinie gehen Thiago Motta und Barcas Sergio Busquets ins Duell
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An der linken Seitenlinie gehen Thiago Motta und Barcas Sergio Busquets ins Duell
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Der Inter-Spieler ist schneller am Ball und schiebt seinen Körper rein
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Dabei fährt Motta den rechten Arm aus
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Und er fährt ihn nicht nur aus, er zieht auch quasi komplett durch
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Und er fährt ihn nicht nur aus, er zieht auch quasi komplett durch
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Dabei trifft er Busquets direkt am Hals
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Dabei trifft er Busquets direkt am Hals
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Der Barca-Spieler wird getroffen und geht zu Boden
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Der Barca-Spieler wird getroffen und geht zu Boden
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Busquets hält sich noch im Fallen den Kopf, dabei sollte man ihm allerdings keine Schauspielerei unterstellen
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Unter dem Strich war die Entscheidung, hier einen Platzverweis auszusprechen, etwas hart
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Unter dem Strich war die Entscheidung, hier einen Platzverweis auszusprechen, etwas hart
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Das 1:0 für Barcelona enstand folgendermaßen: Xavi steckt den Ball Richtung Pique durch
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Das 1:0 für Barcelona enstand folgendermaßen: Xavi steckt den Ball Richtung Pique durch
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Ob Pique dabei im Abseits stand, ist nicht final zu klären
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Barcas Abwehrchef sieht den Ball auf sich zukommen, die Inter-Verteidigung wird in der Vorwärtsbewegung erwischt
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Der Ball kommt durch, Pique nimmt die Kugel an
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Pique entwischt Cordoba und steuert aufs Tor von Cesar
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Cesar legt sich auf den Boden, Cordoba grätscht - da steigt Pique erstmal auf den Ball drauf
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Die beiden Inter-Spieler rutschen ins Leere, Pique dreht sich um die eigene Achse
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Die beiden Inter-Spieler rutschen ins Leere, Pique dreht sich um die eigene Achse
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Cesar und Cordoba sehen dabei ziemlich unglücklich aus. Pique hat das leere Tor vor sich
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Für Pique ist das ganze dann kein Problem mehr
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Sechs Minuten vor Schluss nagelt Pique den Ball ins Tor
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Der Treffer kam jedoch zu spät, Barca gelang kein weiterer Treffer mehr und schied aus
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Laporta: Grausamkeit des Fußballs

Wahrscheinlich werden seine Ururenkel Mourinho noch als Coach erleben. The Special One hat noch lange nicht genug. "Ich bin heute 47, das heißt, dass ich noch 23 Jahre Trainer sein werde. Ich hoffe, dass Gott mir hilft, dass ich gesund bleibe. Dann werde ich noch viel gewinnen und verlieren, noch viel weinen und viel jubeln."

Beim FC Barcelona war das Scheitern in der Königsklasse schnell abgehakt. "Wir mussten diesmal die ganze Grausamkeit des Fußballs erfahren. Aber unsere Mannschaft hat Applaus verdient. Sie hat alles gegeben. Jetzt zählt für uns nur noch die Liga. Wir wollen mit aller Macht Meister werden", sagte Präsident Joan Laporta.

Mourinho von Bayern begeistert

Ein technisch perfektes Tor von Abwehrspieler Pique war zu wenig, um erneut ins Champions-League-Finale einzuziehen. "Madrid wäre schön gewesen. Wir haben dort zuletzt gute Erfahrungen gemacht. Aber es sollte nicht sein. Jetzt stehen eben Inter und Bayern im Finale", sagte Mittelfeldstratege Xavi.

Der nächste Gegner hat es Mourinho besonders angetan.

"Der FC Bayern ist ein Vorbild für viele Vereine. Die Bayern haben in dieser Saison nicht gut begonnen und sich in einer schweren Situation befunden, aber sie haben die Ruhe bewahrt. Und nun stehen sie im Champions-League-Finale, im Pokalendspiel und sind Erster in der Liga. Dank Louis van Gaal. Bayern hat eine großartige Mannschaft und die Kultur eines Champions."

FC Barcelona - Inter Mailand

Thomas Gaber

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