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Champions League - 3. Spieltag

Mittwoch, 22.10.2008

System auf wackeligen Beinen

Miroslav Klose verzichtete diesmal auf den Salto, den er ja bekanntlich nur nach wichtigen Toren macht. Recht viel unwichtiger hätte sein 1:0 für den FC Bayern München gegen den AC Florenz am dritten Spieltag der Champions League aber kaum sein können - fürs Team und für ihn persönlich.

"Ich bin außer Form, das hat man ja in Karlsruhe gesehen", erklärte Miro Klose mit einem Augenzwinkern seinen Verzicht auf die Turnübung. Dabei hätte er gleich drei Salti schlagen können - nach drei Jahren ohne Treffer in der Königsklasse. Am 7. Dezember 2005 hatte Klose sein letztes Tor in der Champions League erzielt, damals noch in Diensten von Werder Bremen. Nun stieß er mit seinem Treffer das Tor zum Achtelfinale ganz weit auf.

Und die Art und Weise, wie sich Klose am Dienstagabend in der 4. Spielminute gegen Abwehrspieler Juan Vargas durchbiss, ihn abschüttelte und den Ball lässig an Keeper Sebastian Frey vorbei schob, erinnerte den Betrachter doch stark an Bremer Zeiten - an Klose-Zeiten.

"Ich hatte eine gute Vorbereitung und fühle mich jetzt sehr gut", entfuhr es Klose nach dem Spiel nahezu. Ein Mann der großen Töne war er noch nie.

Hurra, wir haben ein System

Aber wenn Klose beim Pressegespräch am Tag danach plötzlich ganz verschmitzt grinst und Selbstsicherheit ausstrahlt, dann weiß man: Bei ihm läuft's wieder. Das sieht auch Jürgen Klinsmann so. "Bei ihm ist es auch im Training offensichtlich, dass er immer besser in Fahrt kommt", meinte der Bayern-Coach am Abend und grinste sich eins.

Immer besser in Fahrt - das passt zum gesamten Offensivspiel der Bayern. Das 4-4-2-System mit der Doppelsechs sowie Franck Ribery und Bastian Schweinsteiger auf den Außen klappt im Spiel nach vorne immer besser.

"Wir haben ihm etwas ins Trinken gemacht."
(Luca Toni kennt den Grund für Kloses gute Leistung)

Ribery und Schweinsteiger entwickeln so was wie Spielfreude, mit Ze Roberto schiebt ein derzeit überragend aufspielender Defensiv-Spieler nach - und schon hat man im Mittelfeld ein Dreieck, das jede Abwehr der Welt vor Probleme stellen kann.

Toni arbeitet für Klose

Hinzu kommt, dass die Stürmer ihre Formkrise wohl überwunden haben.

"Es ist wichtig, dass alle in Bewegung sind und die Mannschaft funktioniert, dann kann ich auch meinen Teil beitragen", meinte Klose. Er selbst fordert die Bälle wieder energischer, die Laufwege passen.

Und Luca Toni brauchte offenbar erst eine schmerzhafte Rippenverletzung, um mit letztem Einsatz jeden Zweikampf anzunehmen und auch mal als Vorbereiter - wie bei Kloses 1:0 - zu glänzen. "Das war eine Anordnung des Trainers", erklärte Toni hinterher. "Ich sollte mich etwas mehr ins Mittelfeld zurückfallen lassen und die Bälle auf Miro ablegen." Toni arbeitet für Klose - auch das ein Indiz für die ansteigende Form des Deutschen.

Allerdings hatte das Spiel der Bayern auch gegen Florenz eine Kehrseite. In die Geschichtsbücher geht ein 3:0 ein - allerdings war da auch eine gehörige Portion Glück dabei. "Der Sieg war verdient, aber in der Höhe ein bisschen zweifelhaft", bemerkte Chef-Kritiker Franz Beckenbauer bei Premiere.

So viele Torschüsse wie noch nie

23 Torschüsse (Negativ-Rekord) und zehn Eckbälle gestanden die Münchner den Gästen zu. Und hätten sich nicht Alberto Gilardino und Adrian Mutu im Auslassen von Großchancen übertroffen, wäre der Abend wohl etwas ungemütlicher für die Bayern verlaufen.

Kapitän Mark van Bommel gab auch unumwunden zu: "Normalerweise kassiert man ein Tor, wenn man so viele Chancen gegen sich hat. Wir haben uns in der Defensive teilweise nicht gut verhalten. Wir müssen froh sein, dass wir kein Tor kassiert haben."

Als Grund nannte van Bommel taktische Mängel in der Rückwärtsbewegung. "Unser taktisches Verhalten war nicht gut. Florenz hat mit zwei offensiven und einem defensiven Mittelfeldspieler gespielt, so hatte Florenz in Ballbesitz einen Mann mehr", erklärte der Holländer und forderte: "Wir müssen das taktisch besser lösen. Entweder muss ein Stürmer aushelfen oder der linke oder rechte Mittelfeldspieler."

Die Königsklasse - 3. Spieltag
 

"So ein 3:0 sieht souverän aus"

Offensiv war das Spiel der Bayern zum Teil begeisternd und auch im internationalen Vergleich von gehobener Qualität, was Florenz-Keeper Frey sogar zu der wagemutigen Aussage trieb, dass die Bayern in dieser Form zu den Favoriten auf den Champions-League-Titel zählen.

Dabei ist die Umschaltbewegung der Bayern zu langsam und dürfte Jürgen Klinsmann schlaflose Nächte bereiten. Immer wieder hatten die Münchner fünf Spieler vor dem Ball, was die von van Bommel angesprochene Unterzahl im Mittelfeld zur Folge hatte. Schweinsteiger mahnte deshalb, dass man die Defensivarbeit weiter verbessern müsse.

"Die Möglichkeiten, die wir ihnen gegeben haben, müssen wir abstellen", so Schweini. Und Klose pflichtete bei: "So ein 3:0 sieht souverän aus. Aber wir wissen selbst, dass das Umschalten nach Ballverlust zu lange dauert. Für die Champions League haben wir zu viele Torschüsse zugelassen."

In München wollten sie immer eine Mannschaft, die mehr macht, als das Ergebnis zu verwalten und für Spektakel sorgt. Die haben sie jetzt, und solange das Ergebnis stimmt, ist selbst Manager Uli Hoeneß zufrieden: "Das Spiel hätte auch 5:2 ausgehen können. Beide Mannschaften haben Chancen vergeben. Aber am Sieg des FC Bayern gibt es nichts zu diskutieren."

Rensing tut starke Leistung gut

Nichts zu deuteln gab es auch an der Leistung von Michael Rensing. Der zuletzt häufig kritisierte Schlussmann hatte mit starken Paraden großen Anteil am zu Null und wurde nach dem Spiel von Fans mit Sprechchören gefeiert.

Wie gut ihm dieses Spiel tat, war ihm deutlich anzumerken. Nach der Welle mit den Fans drehte er sich mehrmals um, applaudierte den Fans und klopfte sich auf das Vereinswappen.

"Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu unseren Fans und weiß, was sie manchmal für Strapazen auf sich nehmen, um ins Stadion zu kommen. Deswegen gehe ich nach dem Spiel immer hin und bedanke mich", sagte der Kahn-Nachfolger.

Die einzige schlechte Nachricht gab es von Philipp Lahm. Der hatte im ersten Durchgang den Stollen eines Gegenspielers aufs rechte Sprunggelenk bekommen und humpelte am Mittwoch mit einem Gips aus der Praxis von Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Wie lange der Linksverteidiger ausfällt, ist noch ungewiss.

Die Gruppe F im Überblick

Florian Bogner / Thomas Gaber

Champions-League-Finale

3:0 gegen Florenz: Das Ergebnis verklärt das Erlebte. Die Offensive kommt langsam auf Touren, der Defensivbereicht hinkt noch hinterher.

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