Barca ist Europas König

Von Andreas Lehner / Stefan Rommel
Mittwoch, 27.05.2009 | 22:40 Uhr
Lionel Messi erzielte das 2:0 per Kopf und küsste hinterher seinen Schuh
© Getty

Der FC Barcelona hat zum dritten Mal in seiner Vereinsgeschichte die Champions League gewonnen. Die Katalanen setzten sich im Finale in Rom gegen Manchester United mit 2:0 (1:0) durch. Vor 67.000 Zuschauern erzielten Samuel Eto'o (10.) und Lionel Messi (70.) die Tore.

Barca schaffte damit auch zum ersten Mal das historische Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League. Für United war es die erste Niederlage im vierten Champions-League-Finale.

"Wir hatten in den ersten zehn Minuten große Probleme, das frühe Tor hat uns sehr geholfen. Wir haben Messi etwas mehr in die Mitte gezogen und auf mehr Ballbesitz spekuliert", beschrieb Trainer Pep Guardiola den Schlüssel zum Sieg.

SPOX-Tipp: Erlebe ManUtd live beim Audi Cup in München. Jetzt Tickets sichern!

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Barca ohne die gesperrten Alves und Abidal sowie die verletzten Marquez und Milito. Toure dafür in der Innenverteidigung und Sylvinho auf links. Busquets beginnt vor der Abwehr.

Bei United ersetzt Giggs den gesperrten Fletcher. Scholes nur auf der Bank. Ebenso wie Berbatow.

2.: Freistoß ManUtd. Ronaldo natürlich. 32 Meter Torentfernung. Fieser Aufsetzer. Valdes sieht ganz schlecht aus, wehrt nach vorne ab. Da rettet Pique vor Rooney.

9.: Evra über links. Hohes Anspiel auf Ronaldo. Starke Annahme mit der Brust, Schuss aus 14 Metern. Hauchdünn am langen Pfosten vorbei.

10., 1:0, Eto'o: Unglaublich. Erster Angriff Barca und gleich scheppert's! Iniesta rechts raus auf Eto'o. Der dringt in den Strafraum ein, macht Vidic mit einer Körpertäuschung frisch. Schuss aus sechs Metern mit der Pieke ins kurze Eck. Van der Sar noch dran, der Ball aber drin.

22.: Messi! Hat mal Platz, geht ein paar Meter. Satter Schuss aus 20 Metern - hauchdünn drüber.

Halbzeitfazit: United in den ersten zehn Minuten klar besser, Ronaldo wie aufgedreht. Aber dann: Nach Eto'os Tor riss der Faden bei den Engländern komplett und Barca wurde von Minute zu Minute sicherer in seinem Spiel. Zum Ende der ersten Halbzeit war der Unterschied frappierend: Barca machte, was es wollte, ManUtd schaute nur zu.

48.: Famoser Angriff von Barca! Iniesta auf Xavi. Der links raus zu Henry. Der macht Ferdinand wie nix nass, scheitert dann aber aus sechs Metern per Schlenzer an van der Sar.

51.: Eto'o zieht von rechts zur Mitte. Überragender Pass in die Gasse auf Messi. Der ist alleine vor van der Sar. O'Shea schubst ihn von hinten. Elfer?! Wohl schon.

53.: Freistoß aus 18 Metern. Xavi macht's. Aufs Torwarteck. Van der Sar ist viel zu spät unten, der Ball klatscht an den rechten Pfosten!

70., 2:0, Messi: Flanke von Xavi von rechts, völlig unbedrängt. Ferdinand verliert Messi aus den Augen. Der schraubt sich am Fünfer in die Luft, steht und versenkt das Ding per Bogenlampe ins rechte Eck. ÜBERRAGENDES TOR! Sein 9. Treffer.

72.: ManUnited plötzlich! Der Ball von rechts fliegt an Freund und Feind vorbei. Ronaldo ist am langen Pfosten, schießt aus fünf Metern aber nur Valdes an.

75.: Freistoß Xavi, fast von der Torauslinie. Puyol an der Mitte mit Zug zum Ball, wirft sich in die Flugbahn. Aber per Kopf genau auf van der Sar.

80.: Ist das arm!!! Scholes, mit seiner ersten Aktion, haut Busquets mit purer Absicht in die Knochen. Danach ist Manchester nicht mal fähig, den Ball ins Aus zu spielen. Und Busacca: Zeigt nur Gelb.

85.: Aus dem Bilderbuch: Iniesta auf Xavi, der sofort in die Gasse zu Puyol. Doch der Rechtsvertveidiger scheitert frei vor van der Sar aus acht Metern.

Der Star des Spiels: Xavi. Ex-Barca-Coach Frank Rijkaard sagte einmal, Iniesta spielt keine Pässe, er verteilt Bonbons. Im Finale hatte er eine ganze Pralinenschachtel dabei. Noch fantastischer allerdings sein kongenialer Partner Xavi. Der Mann mit der Nummer 6 ist der Boss in Barcas Mittelfeld und war die dominante Figur in einem Spiel, das sich im Duell der Mittelfeldreihen entschied. Er war fast an jedem Angriff beteiligt und bereitete den zweiten Treffer vor.

Die Gurke des Spiels: Rio Ferdinand/Nemanja Vidic. Der Engländer und der Serbe gelten als das beste Innenverteidigerduo der Welt. Im wichtigsten Spiel des Jahres waren beide nicht auf der Höhe. Vidic ließ sich beim ersten Gegentreffer schülerhaft düpieren, Ferdinand stand beim zweiten ziemlich schlecht.

Die Pfeife des Spiels: Massimo Busacca. Der Schweizer war ein souveräner Leiter der Partie und ließ das Spiel gut laufen. Teilweise etwas zu großzügig, was die Härte betrifft.

Die Lehren des Spiels: Sir Alex Ferguson hatte vor dem Spiel einen Klassiker angekündigt. Die ersten zehn Minuten machten den Anschein, als hätten das auch seine Spieler gewusst. Während Barca äußerst nervös war, war United sofort präsent.

Anders als der FC Chelsea im Halbfinale versteifte sich ManUtd nicht nur auf die Defensive, sondern kam vor allem über Ronaldo, der im Sturmzentrum begann, zu guten Chancen.

Nach dem 0:1 war das Selbstvertrauen der Engländer dahin, das Team wurde im Laufe des Spiels immer nervöser und wirkte gehemmt. Barca fand dagegen zur Sicherheit in seinem Spiel und ließ den Ball in gewohntem Stil zirkulieren.

Besonders im Mittelfeld fand United in Person von Anderson und Giggs keinen Zugriff. Messi, der ebenfalls im Zentrum und nicht auf Linksaußen spielte, ließ sich immer wieder zwischen Abwehr und Mittelfeld fallen und war so nicht zu greifen. Manchester sorgte wenn überhaupt nur noch mit Diagonalbällen oder dem auf sich allein gestellten Ronaldo für Gefahr.

Mit Barca gewann die spielerisch beste und offensivstärkste Mannschaft (32 Tore) dieser Saison den Titel. Dabei mussten die Blaugrana im Finale nicht mal ihr bestes Spiel zeigen, da es ihnen United nicht allzu schwer machte.

Die Engländer wirkten in der Defensive zum Teil apathisch und nicht spritzig. Selbst körperlich schienen die schmächtigen Xavi, Iniesta und Messi gegen die robusten Ferdinand, Vidic und Carrick Vorteile zu haben.

Am Ende einer langen CL-Saison obsiegte Barcas spielerische Schönheit über ManUtds kraftvolle Kompaktheit (auch wenn davon im Finale nichts zu sehen war).

Pep Guardiola holte damit in seiner ersten Saison als Trainer das Triple und schaffte es als sechster Trainer der Geschichte, die Königsklasse als Spieler und Trainer zu gewinnen.

United musste dagegen nach 25 Spielen in der Königsklasse ohne Niederlage das erste Mal den Platz als Verlierer verlassen und suchte sich dafür einen ganz schlechten Zeitpunkt aus. Dadurch blieb ihnen auch das Kunststück verwehrt, als erste Mannschaft erfolgreich ihren Titel zu verteidgen. Das liegt nun an Barca...

FC Barcelona - Manchester United: Daten & Fakten

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung