Fussball

Bayern 12, Sporting 1

Von Für SPOX in der Allianz Arena: Thomas Gaber // Florian Bogner
Poldis zweiter Streich: Per Fallrückzieher trifft der Nationalstürmer zum zwischenzeitlichen 2:0
© Getty

Der FC Bayern München hat das Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Sporting Lissabon mit 7:1 (4:1) gewonnen und steht nach dem 5:0 im Hinspiel zum ersten Mal seit 2007 wieder im Viertelfinale der Königsklasse.

Zudem schrieben die Bayern Champions-League-Geschichte. Noch nie schoss ein Team in der K.o.-Phase in zwei Spielen zwölf Tore. Den bisherigen Rekord hatte Olympique Lyon gehalten (3:0 und 7:2 gegen Werder Bremen 2004/2005).

Vor 65.000 Zuschauer in der nicht ganz ausverkauften Münchner Arena erzielten Lukas Podolski (7./34.) Anderson Polga (39./Eigentor), Bastian Schweinsteiger (43.), Mark van Bommel (73.), Miroslav Klose (82./Elfmeter) und Debütant Thomas Müller (90.) die Tore für die Mannschaft von Trainer Jürgen Klinsmann. Für Sporting traf Joao Moutinho (42.).

Klinsmann lobt Podolski

Bayern München blieb durch den Sieg auch im achten Spiel der laufenden Champions-League-Saison ungeschlagen. Die Auslosung der Viertel- und Halbfinals findet am 20. März (12 Uhr) in Nyon statt.

"Wir wollten von der ersten Sekunde an zeigen, wer Herr im Haus ist. Die Mannschaft hat es ernst angehen lassen. Sporting hat schnell gemerkt, dass nichts zu holen ist und dann kam auch das Spielerische", sagte Klinsmann.

"Wir haben jetzt zehn ganz, ganz heiße Wochen vor uns. Da brauchen wir auch Lukas Podolski, und er hat heute den absoluten Willen gezeigt."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Die Bayern erneut ohne die verletzten Luca Toni, Franck Ribery und Tim Borowski. Hans-Jörg Butt vertritt Michael Rensing im Tor und absolviert sein erstes Pflichtspiel für die Bayern. Martin Demichelis bekommt eine Pause, Daniel van Buyten nimmt seinen Platz in der Viererkette ein. Im defensiven Mittelfeld erhält Andreas Ottl eine neue Chance. Sporting im Vergleich zum Hinspiel mit gleich sieben Änderungen.

7., 1:0, Podolski: Polga mit einem unbedrängten Querschläger am eigenen Sechzehner. Podolski bekommt den Ball 20 Meter vor dem Tor auf dem linken Schlappen. Ein Blick, ein Schuss: links im Winkel schlägt's ein.

19.: Die Bayern schieben sich am Sechzehner den Ball wie im Training zu. Van Bommel zieht ab. Patricio pariert nach vorne. Klose im Nachsetzen - der rechte Außenpfosten rettet.

25.: Patricio schießt den Ball ohne Not genau auf Schweinsteiger. Der sieht Ze Roberto rechts frei, spielt den Ball an den Sechzehner. Veloso kommt zu spät, rempelt den Brasilianer von hinten um. Kein Elfmeterpfiff.

34., 2:0, Podolski: Butt haut den Ball einfach mal lang nach vorne. Der Ball hüpft zweimal auf, dann läuft Polga in Torhüter Patricio rein und Podolski schaufelt den Ball per Fallrückzieher vom Elfmeterpunkt ins leere Tor.

39., 3:0, Polga (Eigentor): Polga macht das 3:0 gleich mal selbst. Ecke Schweinsteiger von rechts und Polga tritt im Fünfer wie ein Esel nach dem Ball und bugsiert ihn volley ins rechte Eck.

42., 3:1, Moutinho: Yannick legt zurück auf Moutinho. Der nimmt aus 27 Metern halbrechter Position einfach mal Maß und versenkt den Ball geschmeidig links oben im Winkel.

43., 4:1, Schweinsteiger: Doppelpass Lell und Ze Roberto rechts. Lell legt von der Torauslinie zurück, dort steht Schweinsteiger unbedrängt und versenkt rechts unten.

73., 5:1, van Bommel: Der eingewechselte Müller lässt rechts zwei Lissaboner stehen, flankt auf den zweiten Pfosten. Dort legt Klose mit dem Kopf auf van Bommel zurück. Der legt den Ball einmal gefühlvoll in der Luft über Tonel und verwandelt trocken aus sechs Metern.

82., 6:1, Klose (Elfmeter): Klares Foul von Pedro Silva an Klose. Klose schießt selbst, trifft rechts unten. Kloses siebtes Tor in der CL - damit ist er jetzt alleiniger Erster der Torjägerliste.

90., 7:1, Müller: Ecke von links. In der Mitte springt der Ball von Mann zu Mann, Müller drückt den Ball schließlich über die Linie. Was für ein Debüt!

So lief das Spiel: Sieben Minuten brauchten die Bayern, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Dann packte Podolski seinen linken Hammer aus. Von da an entwickelte sich ein munteres Scheibenschießen. Die Bayern hatten Platz ohne Ende und nutzten diesen zu weiteren Toren. Lissabon ergab sich früh in sein Schicksal, Moutinhos sehenswerter Treffer war das einzige Highlight aus Sporting-Sicht.

Klinsmann brachte zu Beginn der zweiten Halbzeit mit Breno und Jose Ernesto Sosa zwei Tribünen- oder Bankdauergäste, darunter litt der Spielfluss. Die Portugiesen spielten etwas engagierter, ließen aber einige Torchancen aus und verpassten dadurch ein erträglicheres Ergebnis. Klinsmann leistete sich 20 Minuten vor Schluss den Luxus und verhalf dem 19-jährigen Thomas Müller zu seinem Champions-League-Debüt. Der Stürmer leitete mit einem fulminanten Spurt das 5:1 durch van Bommel ein und verwandelte selbst zum 7:1.

Der Star des Spiels: Lukas Podolski. Je näher der Abschied des Stürmers, desto besser kommt Podolski in Fahrt. Gegen Sporting bewies der 23-Jährige seine Torjägerqualitäten, ging weite Wege und holte sich die Bälle teilweise schon in der eigenen Hälfte. In dieser Form ist Podolski eine absolut brauchbare Alternative für den Angriff.

So bewerteten die SPOX-User die Bayern-Spieler!

Die Gurke des Spiels: Eigentlich könnte man außer Joao Moutinho alle Sporting-Spieler nehmen. Doch zwei Männer stachen aus einer miserablen Mannschaft noch heraus: "Torhüter" Rui Patricio und "Abwehrspieler" Anderson Polga. Patricio konnte kaum einen Ball festhalten, rannte Mitspieler über den Haufen, zog bei Podolskis 1:0 die Hände weg und schaufelte mehrere Abschläge den Bayern vor die Füße. Zusammen mit Eigentorschütze Anderson Polga wohl das dümmste Duo seit Jim Carrey und Jeff Daniels.

Die Lehren des Spiels: Bis zu 80 Euro bezahlten die Zuschauer für ein mehr oder weniger bedeutungsloses Spiel. Ihre Befürchtungen, die Bayern würden die Partie zu einer lockeren Trainingseinheit nutzen, bestätigten sich in keinster Weise.

Die Mannschaft war von Beginn an gewillt, Gas zu geben. Die Bayern nutzten die sich bietenden Räume, ließen Ball und Gegner laufen und hatten vor allem eins: Spaß. Mittelfeld und Stürmer waren permanent in Bewegung. Bei Ballbesitz Sporting hatten die Bayern meist neun Spieler hinter dem Ball, weil entweder Klose oder Podolski mit zurück gingen.

Die Abwehr wirkte nicht immer hochkonzentriert und leistete sich vor allem in der ersten Halbzeit den einen oder anderen Abspielfehler. Keeper Butt war bei seinem Bayern-Debüt stets auf Ballhöhe und am einzigen Sporting-Tor machtlos. Die eingewechselten Breno und Sosa konnten sich nicht für weitere Einsätze empfehlen.

Sporting Lissabon blieb wie schon über weite Strecken des Hinspiels den Nachweis der Champions-League-Tauglichkeit schuldig. Ein schlechteres Team hat die Königsklasse seit ihrer Einführung 1992 im Achtelfinale wohl noch nicht erlebt.

Insofern ist die Konkurrenzfähigkeit der Bayern mit den besten Teams im Europa nur schwer einzuschätzen. Im Viertelfinale warten ganz andere Kaliber. Aber die Bayern haben in 180 Minuten gegen Sporting jede Menge Selbstvertrauen getankt. Die beste Vorrunden-Bilanz aller 32 Mannschaften und zwölf Tore in zwei K.o.-Spielen beeindrucken bestimmt auch Liverpool und Co.

Bayern - Sporting: Daten und Fakten

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