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Oliver Kahn: "Es wird Zeit für Klopp, etwas Silber in die Höhe zu halten"

Von Martin Volkmar, Mario Rieker
Champions-League-Finale 2001: Oliver Kahn ist der jubelnde und umjubelte Matchwinner.

Oliver Kahn spricht bei SPOX/Goal und DAZN über die Ausgangslage für Jürgen Klopp und den FC Liverpool im Champions-League-Finale gegen Tottenham Hotspur (live auf DAZN) sowie den enormen Druck im Profi-Fußball.

Vor einem Jahr bekam Oliver Kahn das Drama aus nächster Nähe mit: Als TV-Experte verfolgte der frühere Weltklasse-Torwart das Champions-League-Finale zwischen dem FC Liverpool und Real Madrid (1:3) in Kiew, das durch zwei groteske Patzer des Reds-Keepers Lorius Karius entschieden wurde.

Erneut stand Jürgen Klopp damals mit leeren Händen da. Seit dem DFB-Pokalsieg mit Borussia Dortmund 2012 hat der Trainer sechs Endspiele in Folge verloren - drei mit dem BVB, drei mit Liverpool. Nun macht er im Champions-League-Finale gegen die Tottenham Hotspurs (Samstag, ab 20.30 Uhr live auf DAZN und im Liveticker) den nächsten Versuch.

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"Ich würde es Jürgen Klopp natürlich gönnen. Er hat ja selber angedeutet, dass es langsam mal Zeit wird, etwas Silber in die Höhe zu halten", sagt Kahn im Gespräch mit DAZN und SPOX.

"Das Finale letztes Jahr gegen Real Madrid war sehr dramatisch und auch unglücklich für Liverpool. Möglicherweise ist jetzt der Zeitpunkt, dass sie es packen können."

Kahn: Weder Tottenham noch Liverpool Favorit

Allerdings sieht er den Meisterschaftszweiten der Premier League keineswegs als klaren Favoriten, obwohl die Reds in der Liga beide Spiele 2:1 gegen die Spurs für sich entscheiden konnten: "Auf den ersten Blick würde man Liverpool favorisieren. Ich wäre da allerdings ganz, ganz vorsichtig. Ich habe Tottenham in dieser Saison häufig gesehen, die sind auch brandgefährlich. Das ist eine Truppe mit sehr starker Mentalität und einem exzellenten Torhüter. Also einen richtigen Favoriten würde ich da nicht sehen."

Kahn selbst stand mit dem FC Bayern in zwei packenden Champions-League-Finals: 1999 verloren die Münchner durch zwei Gegentore in der Nachspielzeit noch 1:2 gegen Manchester United, zwei Jahre später gewann die Mannschaft von Ottmar Hitzfeld im Elfmeterschießen gegen den FC Valencia. Matchwinner damals war Kahn, gegen den gleich drei Strafstöße nicht verwandelt werden konnten.

Jürgen Klopps bisherige Finals

WettbewerbSaisonKlopps TeamGegnerErgebnis
DFB-Pokal2011/12Borussia DortmundFC Bayern5:2
Champions League2012/13Borussia DortmundFC Bayern1:2
DFB-Pokal2013/14Borussia DortmundFC Bayern0:2 n.V.
DFB-Pokal2014/15Borussia DortmundVfL Wolfsburg1:3
Ligapokal2015/16FC LiverpoolManchester City2:4 i.E.
Europa League2015/16FC LiverpoolFC Sevilla1:3
Champions League201718FC LiverpoolReal Madrid1:3

Kahn über Druck: "Man zahlt einen hohen Preis"

"Als ich den letzten Ball halten konnte, da habe ich danach erst mal zur Mittellinie geschaut, weil ich in dem Moment tatsächlich nicht wusste, ob ich gerade den entscheidenden Ball gehalten habe. So sehr war ich nur in meiner Welt damit beschäftigt, dass ich jeden Ball halten muss", erinnert sich Kahn an seine größte Stunde als Profi.

Diese enorme Anspannung sei allerdings auch gefährlich. "Du zollst dem Druck später Tribut für die Substanz, die man jedes Mal aufwenden muss, um auf höchstem Niveau jahrelang erfolgreich zu spielen. Dafür zahlt man natürlich einen Preis. Man kann nur hoffen, dass er nicht zu hoch ist", warnt der 49-Jährige.

"Viele Ex-Profis haben später Probleme mit dem Körper oder auch mit der Psyche. Denn wenn diese Extremsituationen irgendwann vorbei sind, dann ist es, als ob einer in einem hell erleuchteten Raum den Stecker zieht. Dann kann es ganz, ganz dunkel werden. Viele versuchen es dann zu kompensieren, aber diese Emotionalität eines Champions-League-Finals gibt es nach dem Fußball in vergleichbarer Form nirgends mehr."

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