Fussball

PSG-Neuzugang Leandro Paredes wird zum Schlüssel: Tuchels Problemlöser

Leandro Paredes avanciert bei Paris Saint-Germain zur Schlüsselfigur im Mittelfeld.

Er kam wie Kai aus der Kiste. Ein 47 Millionen Euro schwerer Kai. Leandro Paredes flog bei Zenit St. Petersburg unter dem Radar des europäischen Spitzenfußballs. Innerhalb weniger Wochen entwickelte er sich bei PSG zur Schlüsselfigur im Mittelfeld. Thomas Tuchel schwärmt von seinem neuen Problemlöser und meint: Er ist bereit für Manchester United (21 Uhr im LIVETICKER).

Alle Wege führen nach Rom. Manchmal auch eine Blutgrätsche, gekonnt zweibeinig eingesprungen wie es sonst nur der 36 Jahre alte Mechaniker aus dem Nachbarsdorf kann, der alle acht Wochen für die Reserve in der Kreisliga C einspringt.

In Paredes' Fall war es Torhüter Augustin Orion, der ihn 2013 auf dem Trainingsgelände der Boca Juniors dermaßen geisteskrank umsenste, dass Paredes zwölf Wochen ausfiel - Bänderriss im linken Sprunggelenk.

Er war 19 Jahre alt, galt aufgrund seiner exzellenten Übersicht als Nachfolger von Klub-Legende Juan Riquelme. Das Talent hatte er. "Vor seinem Karriereende sagte er mir, ich wäre sein Erbe im Fußball", erzählt Paredes heute stolz von seiner engen Beziehung zum ehemaligen Villarreal-Star. Doch Orions Foul änderte alles.

"Die Verletzung war entscheidend für meinen Schritt nach Europa. In dieser Zeit kümmerte sich der Verein nicht so um mich, wie sie es hätten tun sollen. Mein Wechsel hatte daher einen faden Beigeschmack, aber so ist es eben", erklärte Paredes im Gespräch mit Fox Sports Radio.

Giampolo stellt Paredes auf die Sechs

Paredes wechselte für den Rest der Saison auf Leihbasis zu Chievo Verona. Dann schlug die AS Rom zu. Ein Jahr Leihe mit anschließender Kaufoption für sechs Millionen Euro. Paredes war ein Giallorosso. Um Spielpraxis zu sammeln, wurde er zunächst an den FC Empoli verliehen, wo er sofort einschlug und sich zu einem der spannendsten Talente der Serie A entwickelte.

Sein damaliger Trainer, Marco Giampolo (heute Sampdoria), hatte erheblichen Anteil daran. Er setzte Paredes von der Zehn auf die Sechs. Der Argentinier blühte auf.

Zurück in Rom reifte Paredes zu dem Spieler, um den zwölf Monate später halb Europa buhlen sollte. Liverpool, Arsenal, die Bayern, der BVB, Juventus, ManCity, Monaco: die Liste ist so lang wie prominent. Die Roma verkaufte Paredes wegen derselben drei Buchstaben, wegen der sie Mohamed Salah schmerzlich abgab: FFP (Financial Fairplay).

Paredes bietet Tuchel nicht nur eine Option mehr

Den Zuschlag bekam Zenit St. Petersburg. Die Roma wollte ihr Juwel nicht an einen Ligakonkurrenten abgeben. Für Paredes war es der perfekte Zwischenschritt. Für Trainer Roberto Mancini war er unverzichtbar. Paredes brachte 86 Prozent seiner Pässe an den Mann, kreierte die meisten Torchancen (66) und hatte die meisten Ballaktionen aller Feldspieler.

Im Januar 2019 tat sich dann die Option PSG auf: Thomas Tuchel suchte seit der Ausbootung von Adrien Rabiot durch die Klubführung händeringend nach einem adäquaten Ersatz, der als Verbindungsstück zwischen Abwehr und Angriff für Stabilität sorgt. Bisher kompensierte Tuchel den "Ausfall" Rabiots mit Juan Bernat oder Dani Alves auf den Außen, die für zusätzliche Absicherung sorgen sollten. Im Hinspiel gegen Manchester United zog er Marquinhos nach vorne, der sich um Paul Pogba kümmerte. Mit Paredes hat Tuchel nicht nur eine Option mehr, sondern viele, da er sich weniger Gedanken um die Balance machen muss.

Am liebsten hätte er noch einen Sechser im Winter verpflichtet. Aus dem angespannten Verhältnis mit Sportdirektor Antero Henrique, der "seine eigenen Ansichten" hätte, machte er kein Geheimnis. Immerhin: Mit Paredes ist Tuchel bisher hochzufrieden.

Paredes' Bilanz bei PSG

DatumWettbewerbGegnergespielte Minuten
03.02.19Ligue 1Olympique Lyon11
06.02.19Coupe de FranceFC Villefranche120
09.02.19Ligue 1Girondins Bordeaux31
12.02.19Champions LeagueManchester United15
17.02.19Ligue 1AS Saint-Etienne90
20.02.19Ligue 1HSC Montpellier-
23.02.19Ligue 1Nimes Olympique90
26.02.19Coupe de FranceFCO Dijon82
02.03.19Ligue 1SM Caen90

Paredes hat kleine Anlaufschwierigkeiten bei PSG

Nach kleinen Anlaufschwierigkeiten ist Paredes seit einigen Wochen gesetzt im Zentrum. Er kam aufgrund der langen Winterpause in Russland mit physischen Defiziten nach Paris, hatte seit dem 9. Dezember kein Spiel mehr absolviert. Tuchel wollte ihn langsam heranführen. Also gab Paredes sein Startelf-Debüt im Pokal gegen den Drittligisten Villefranche.

Wider Erwarten musste er direkt 120 Minuten ran, fügte sich jedoch gut ein. "Er hat sehr gut gespielt. Er verlor keine Bälle, seine Pässe waren qualitativ sehr hoch. In einigen Momenten war er sehr kreativ", sagte Tuchel, der jedoch noch viel Verbesserungspotenzial sah: "In seiner Physis, bei der Ballrückeroberung, er muss noch aktiver gegen den Ball arbeiten."

Am vergangenen Samstag setzte der 24-Jährige diese Forderung schließlich perfekt um. Beim 2:1-Sieg gegen Caen hatte Paredes 121 Ballaktionen, spielte 100 Pässe, 62 davon in der gegnerischen Hälfte. Aber das Wichtigste in Tuchels Augen: Er gewann 75 Prozent seiner Zweikämpfe und eroberte sieben Mal den Ball.

Tuchel: Paredes ist bereit für Manchester United

"Er war heute sehr wichtig für uns in der Mittelachse. Ich war mir vor dem Spiel nicht sicher, ob ich ihn 90 Minuten spielen lassen sollte, aber ihn auszuwechseln wäre ein Fehler gewesen. Wir brauchten ihn für unsere Stabilität", schwärmte Tuchel nach der Partie.

Tuchel ist sich sicher: "Er ist bereit." Bereit für Manchester United. "Er hat einen großen Schritt nach vorne gemacht. Er hat ein gutes Passspiel und kann unser Spiel als Taktgeber verbessern", erklärte Tuchel.

"Es ist Zeit für Paredes", sagte Riquelme bei seinem Abschied von Boca. Rund sieben Jahren später passt das Statement wieder. Diesmal guckt jedoch die ganze Welt zu.

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