Fussball

Mats Hummels im Interview: DFB-Comeback? "Ich würde es nicht ausschließen"

Von Dennis Melzer
Mats Hummels wurde 2014 Weltmeister mit dem DFB-Team.

Mats Hummels ist mit dem FC Bayern aus der Champions League ausgeschieden. Anschließend sprach er über die Gründe und nannte dabei unter anderen fehlenden Mut als Ursache für die Niederlage gegen den FC Liverpool.

Außerdem äußerte sich der Innenverteidiger offen und ehrlich zu einem möglichen Comeback im Trikot der Nationalmannschaft, obwohl Bundestrainer Joachim Löw ihm und seinen beiden Mannschaftskollegen Jerome Boateng und Thomas Müller eigentlich die DFB-Türe geschlossen hatte.

Mats, wie geht man mit diesem Ausscheiden um und was bedeutet es für den weiteren Saisonverlauf?

Mats Hummels: Die Enttäuschung ist natürlich groß, aber ich habe gerade schon in der Kabine gesagt, dass es diesmal nicht so bitter ist wie in den vergangenen beiden Jahren. Wir müssen uns eingestehen, dass wir verdient ausgeschieden sind. Wir werden uns aber schnell aufrappeln, weil die Liga noch nicht entschieden ist. Wir wollen die Aufholjagd, die wir gestartet haben, krönen. Deshalb wollen wir versuchen, die Fans am Sonntag von der ersten Minute an wieder auf unsere Seite zu bekommen. Wenn wir die beiden Wettbewerbe, die uns jetzt noch bleiben, positiv gestalten, kann das noch eine gute Saison werden. Auf internationalem Parkett war das allerdings zu wenig.

Wird die Niederlage einen Knacks geben?

Hummels: Natürlich gibt das einen kleinen Knacks, heute und morgen. Aber ich bin mir sicher, dass wir das so schnell wie möglich gutmachen werden. Wenn wir am Sonntag gewinnen, gibt uns das wieder ein gutes Gefühl.

Verfügt Liverpool schlicht über mehr Qualität als der FC Bayern?

Hummels: Bis zum 1:2 war das Spiel ausgeglichen, weil sehr wenig passiert ist. Danach haben wir es nicht mehr geschafft, Druck auszuüben. Liverpool hatte sehr viele gefährliche Konter. Das war sicherlich kein Klassenunterschied, aber wir waren einfach nicht gut genug, um weiterzukommen.

Hätten Sie das Spiel mutiger angehen müssen?

Hummels: Wir sind nach dem 1:2 zwar angelaufen, aber die nötige Überzeugung hat gefehlt. Das müssen wir uns ankreiden lassen. Dass man mal ein Standard-Gegentor kassiert, kann vorkommen. Aber, dass wir es danach nicht geschafft haben, Liverpool vor richtige Probleme zu stellen, war zu wenig. Wenn eine Mannschaft presst, wie Liverpool es gemacht hat, muss man die Pressinglinien überspielen. Nur so knackt man solche Gegner. Wenn wir das mal geschafft haben, konnten wir das Tempo nicht nach vorne transportieren. Wir sind nie auf eine ungeordnete Abwehrreihe getroffen, sondern haben uns fallengelassen und noch mal hintenrum gespielt. So konnten sie sich immer wieder in der Defensive sammeln. Da hat uns der Mut gefehlt.

Warum hat denn der Mut gefehlt? Immerhin haben die Bayern in den vergangenen beiden Bundesliga-Spielen elf Tore geschossen.

Hummels: Liverpool hat deutlich besser verteidigt als Gladbach oder Wolfsburg. Sie sind uns sehr gut angelaufen. Ich möchte das auch nicht zu sehr ausdiskutieren. Wir haben eine gewisse Spielweise, die gegen Mannschaften, die pressen, nicht immer zum Erfolg führt. Da würden uns zwei, drei andere Ansätze in unserem Spiel guttun.

Was ist der Grund für diese fehlenden Ansätze?

Hummels: Da muss ich den Trainer in Schutz nehmen. Er fordert das oft, aber auf dem Platz funktioniert es dann nicht so, wie er das von uns sehen will. Alles, was ich noch dazu sagen könnte, wäre inhaltlich spannend, aber ich weiß, was letztlich daraus gemacht wird. Wenn wir hier einen Fußball-Podcast machen würden, in dem es eine halbe Stunde lang um Taktik geht, würde ich darüber sprechen.

Hat beim 0:1 die Kommunikation zwischen Manuel Neuer und Rafinha nicht gestimmt?

Hummels: Das war eine unübersichtliche Situation. Das kann ich nicht zu 100 Prozent bewerten. Wir fangen uns in der Champions League zuhause gegen die großen Teams allerdings immer sehr interessante Gegentore.

Mussten Sie Manuel Neuer in der Kabine Trost spenden?

Hummels: Nein. Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass man in der Situation von einem riesigen Bock sprechen kann. So ein Tor fällt nicht alle Tage, aber ich sehe da die Schuld nicht bei Manuel und hatte nicht das Gefühl, dass er aufgerichtet werden müsste.

Mit Hinblick auf die Nationalmannschaft hatten Sie vor wenigen Minuten bei Sky erklärt, dass Sie noch ein paar "Körner" haben. Wie war das gemeint?

Hummels: Ich meinte damit, dass ich noch ein paar Jahre auf hohem Niveau spielen kann. Dann schauen wir mal, was in der Angelegenheit noch passiert.

Glauben Sie an ein Comeback im DFB-Trikot?

Hummels: Ich würde es nicht ausschließen. So schlecht sind wir drei (Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller, Anm. d. Red.) noch nicht.

Das klingt danach, als sei das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Hummels: Wir können alle drei noch auf hohem Niveau spielen, deshalb weiß man nie, was passiert. Vielleicht gibt es Verletzungsprobleme, vielleicht sind wir doch noch gut genug, wenn eine EM vor der Tür steht. Es ist alles möglich.

Sie stehen also bereit, wenn der Bundestrainer Sie berufen würde?

Hummels: Wenn es darum geht, für Deutschland zu spielen, steht das über allem.

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