Fussball

BVB nach Champions-League-Aus gegen Tottenham: Ein 0:1 als Maßstab fürs große Ziel 

Von Niklas König
Marco Reus und Borussia Dortmund sind aus der Champions League ausgeschieden.

Der BVB verliert trotz guter Leistung erneut gegen Tottenham Hotspur. Das Spiel soll den weiteren Saisonverlauf dennoch positiv beeinflussen.

Minutenlang feierten die Fans auf der Südtribüne ihre Mannschaft. Sie klatschten Beifall und sangen unüberhörbar von der Meisterschaft. Wären da nicht noch die Spieler von Borussia Dortmund gewesen, die mit hängenden Köpfen auf dem Rasen standen, man hätte glatt vergessen können, dass der BVB gerade das Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Tottenham Hotspur 0:1 verloren hatte und damit aus der Königsklasse ausgeschieden war.

Die Ausgangslage war bereits im Vorfeld denkbar schlecht. Das Hinspiel im Londoner Wembley-Stadion hatten die Schwarz-Gelben vor drei Wochen ebenso unnötig wie verdient mit 0:3 verloren. Nicht weniger als ein Fußballwunder wäre am Dienstag also vonnöten gewesen, um das Handicap noch wettzumachen. Ein Wunder, an dem der BVB in der ersten Halbzeit einerseits kräftig schnupperte. Ein Wunder, das andererseits zu jedem Zeitpunkt des Abends in weiter Ferne lag.

Wenn, ja wenn, das Spiel "in der ersten Halbzeit mit ein, zwei Toren für uns in die richtige Richtung gelaufen wäre", sagte Sebastian Kehl später in den Katakomben des Westfalenstadions, "dann wäre mal wieder ein Wunder von Dortmund möglich gewesen." Dass sich die Formulierungen des Leiters der Lizenzspielerabteilung der Borussia im Konjunktiv bewegten, war einzig der Chancenverwertung geschuldet.

BVB: Mentalität und Intensität als Basis

Der BVB erspielte sich insbesondere zwischen der 20. und 46. Minute zahlreiche Möglichkeiten, scheiterte aber immer wieder an einem herausgestreckten Bein, an einem eingedrehten Rücken - oder am blendenden Tottenham-Keeper Hugo Lloris. 19:5 Schüsse für die Dortmunder lautete die Bilanz am Ende, bloß im Tor landete kein einziger der durchaus gefährlichen Dortmunder Versuche.

"Lloris hat hervorragend gehalten. Wir hatten unfassbar viele Chancen, haben es aber nicht geschafft, das Tor zu erzielen", meinte Kapitän Marco Reus. "Wir müssen eine Chance nutzen, dann sieht es anders aus", sagte Sportdirektor Michael Zorc. "Wir hatten in der ersten Halbzeit viele Torchancen. Es ist eine gute Sache, solche Möglichkeiten zu kreieren, aber leider haben wir kein Tor gemacht", bilanzierte Trainer Lucien Favre.

An diesem Abend wäre mehr möglich gewesen, da waren sich alle einig. Es wurde über verpasste Möglichkeiten und mögliche Auswirkungen einer höheren Effizienz philosophiert, es war aber auch die Rede von Stolz und Leidenschaft, von Mentalität und Intensität. Denn ebenjene Dinge, manche nennen sie die Grundtugenden des Fußballs, hatte der BVB zuletzt zumindest teilweise vermissen lassen. Nicht aber gegen Tottenham.

BVB-Torhüter Roman Bürki: "Ich bin sehr stolz"

"Wenn man gesehen hat, wie wir die erste Halbzeit angegangen sind und wie viel Energie im Stadion war, war das schon sehr, sehr, sehr gut, auf sehr hohem Niveau", sagte Mario Götze. "Ich bin sehr stolz, wie wir gespielt haben. Wir sind von Anfang an super aufgetreten, haben aggressiv gespielt, nach vorne gepresst. Tottenham hat schon in der ersten Halbzeit auf Zeit gespielt, das ist ein gutes Zeichen", resümierte Roman Bürki.

Zum mittelschweren Bruch im Spiel kam es in der 48. Minute, als Harry Kane in einer Aktion das verkörperte, was dem BVB am Dienstag wie schon im Hinspiel fehlte: die Durchschlagskraft.

"Er ist ein Biest. Ein Spieler, den jedes Team der Welt gerne in seinen Reihen hätte. Die Spurs haben auf die eine Chance gewartet. Und wenn man Kane vorne drin hat, kann man das so machen. Sie wussten, dass er treffen wird, und so ist es dann auch gekommen", meinte Bürki weiter.

Sebastian Kehl: "Diese Leistung muss die Benchmark für die Bundesliga sein"

Das Gegentor, so der Keeper, sei der Knackpunkt gewesen. "Danach war der Stecker gezogen. Da fehlte dann der Glaube, fünf Tore zu machen", ergänzte Zorc. Dortmund spielte fortan zwar weiter nach vorne, kam aber kaum noch zu so klaren Möglichkeiten wie noch im ersten Durchgang.

Und dennoch war es in Summe die beste Leistung der Borussen im Jahr 2019. Eine Leistung, mit der man die Bundesligaspiele gegen Nürnberg (0:0) und Augsburg (1:2) womöglich anders gestaltet hätte. Aber auch diese Vermutung ist rein hypothetisch. Sicher ist nur: Der BVB kann und muss auf dieser Leistung, auf diesem 0:1, aufbauen.

"Man muss der Mannschaft vor allem für die erste Halbzeit ein Kompliment machen, aber diese Leistung muss auch die Benchmark für die Bundesliga sein. Das sind die Leidenschaft und die Intensität, die die Mannschaft zeigen kann - und damit müssen wir am Samstag wieder anfangen", forderte Kehl in aller Deutlichkeit. Denn nur so werden die Borussen in der Bundesliga eine realistische Chance haben, ihr großes Ziel, das insbesondere nach den vergangenen Wochen niemand klar benennen mag, zu erreichen.

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