Fussball

PSG nach Sieg bei Manchester United: Thomas Tuchels Geniestreich

Thomas Tuchel und PSG gewannen im Old Trafford mit 2:0.

Paris Saint-Germain steht nach dem 2:0-Auswärtssieg bei Manchester United vor dem Einzug ins Champions-League-Viertelfinale. Thomas Tuchels Strategie geht auf. Ole Gunnar Solskjaer hingegen kassierte seine erste Niederlage als United-Trainer.

Der Geist von Jose Mourinho schien in der zweiten Halbzeit durch das Old Trafford zu schweben. Manchester United verfiel in alte Muster zurück. Von der mutigen Angriffsmentalität der Anfangsphase oder vielmehr der vergangenen Wochen war nichts mehr zu sehen. United war passiv und defensiv - Mourinho-Fußball.

Das Gesicht des United-Aufschwungs, Paul Pogba, blieb blass. Der Geist von Mourinho? Wohl eher das Resultat von Tuchels Strategie.

Dass Pogba derzeit zu den besten Mittelfeldspielern der Welt zählt, ist unbestritten. In den vergangenen zehn Pflichtspielen für United war der Weltmeister an 13 Treffern beteiligt (8 Tore, 5 Assists). "Wir wussten, dass die Schlüsselszenen bei United meistens über Pogba laufen", sagte Thilo Kehrer bei Sky. Zu diesem Schluss sind Teams wie Arsenal (1:3 gegen United) oder Tottenham (0:1) sicher auch schon gekommen. Entgegenwirken konnten sie dem dennoch nicht über 90 Minuten.

Marquinhos auf "Spezial-Mission" - Pogba entnervt

Tuchel probierte etwas Neues aus. Er zog Marquinhos von der Innenverteidigung ins zentrale Mittelfeld. Dass dieser Plan aufgehen würde, war längst nicht gesichert. Zwar spielte der Brasilianer schon gegen Lyon auf der Sechs. Erstens aber hatte er damals keinen Partner neben sich. Zweitens kassierte PSG die erste Saisonniederlage.

Im Duell mit United spielte Marco Verratti neben Marquinhos. Aus einem simplen Grund: Marquinhos war defensiv Pogba zugeteilt. "Das war die Spezial-Mission", erklärte er nach erledigter Aufgabe. Pogbas Ertrag: ein Torschuss, zwei Torschussvorlagen, 75 Prozent Passquote.

Pogba war entnervt. Seine Gelb-Rote Karte im Anschluss an ein Frustfoul passte ins Bild.

Kylian Mbappe: "Dafür kann man schnell bestraft werden"

Tuchel wurde für seine Risikofreude belohnt. "Es war ein neues System und wir waren es nicht wirklich gewohnt. Unser Mittelfeld war etwas überladen. Wir brauchten Zeit zur Anpassung", sagte Kylian Mbappe und merkte richtigerweise an: "Dafür kann man in der Champions League schnell bestraft werden."

Dass dies aber nicht passierte, war der guten Balance der PSG-Mannschaft geschuldet. Im Spiel gegen den Ball ließ sich Juan Bernat fallen und komplettierte die Viererkette in der Abwehr. Davor rückte Angel Di Maria ins linke Mittelfeld. Aus einem flexiblen 3-4-2-1 wurde ein diszipliniertes 4-4-2.

Thomas Tuchel gewinnt weiter Vertrauen seiner Spieler

"Die taktische Ausrichtung war entscheidend", lobte Marquinhos den Matchplan seines Trainers.

Presnel Kimpembe schob nach: "Er kommt hier in der Mannschaft sehr gut an." Sympathieträger oder nicht - darum geht es nicht. Solange die Spieler Tuchels Strategie vertrauen, ziehen sie mit ihm an einem Strang.

Bezeichnend dafür war Mbappes Resümee über seine neue Rolle im Sturmzentrum. Der Angreifer schien leichte Zweifel zu haben: "Der Trainer sagte mir, dass ich nicht so oft wie sonst an den Ball kommen würde. Er sagte, ich solle mich nicht zu tief fallen lassen, weil ich hinter die Verteidigung kommen soll. Es war ein bisschen schwierig, weil es neu war und ich lerne in dieser Rolle, aber ich habe ein Tor geschossen und wir haben gewonnen."

Und genau darauf kommt es an. Tuchel gewann nicht nur das Trainerduell mit Solskjaer, sondern auch noch ein Stück weit mehr das Vertrauen seiner Spieler.

PSG schöpft Selbstvertrauen aus Plan D

Tuchel kann Plan B - oder eben Plan D. "Dann müssen wir eben auf Plan D zurückgreifen", hatte er noch vor der Partie gesagt, als klar war, dass Neymar und Edinson Cavani verletzt ausfallen. Gerade in Abwesenheit der verletzten Superstars steigert ein solcher Sieg das Selbstvertrauen zusätzlich.

Mbappe brachte das direkt nach dem Sieg zum Ausdruck: "Die Menschen müssen aufhören, Angst zu schüren und Angst zu haben. Natürlich ist Neymar überaus wichtig und Cavani ist fundamental, aber Fußball wird auf dem Platz gespielt. Das haben wir heute Abend gezeigt. Keine Angst, es geht uns gut."

Dass PSG selbst ohne diese wichtigen Stützen ein Team in absoluter Topform dominiert, macht Mut und Hoffnung auf mehr. "Wenn wir die verletzten Spieler zurückbekommen, können wir einiges erreichen", sagte etwa Kehrer.

Während Neymar (Mittelfuß-Verletzung) wohl auch noch im Rückspiel in drei Wochen fehlen wird, könnte Cavani (Hüftverletzung) möglicherweise mithelfen, den Einzug ins Viertelfinale zu sichern. Dann muss sich Solskjaer wohl auf noch mehr Pläne gefasst machen.

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