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BVB mit starkem Saisonstart unter Trainer Lucien Favre: Vor dem Plan

Lucien Favre ist als Trainer des BVB weiterhin ungeschlagen.
© getty

Borussia Dortmund war in der Vorsaison eine Großbaustelle und hat deshalb im Sommer einen Neustart ausgerufen. Dieser läuft unter dem neuen Trainer Lucien Favre bislang besser als erhofft an, der BVB hat in dieser Saison schon mehrfach verloren gegangene Werte wie Charakter und Mentalität bewiesen. Mit einem Heimsieg gegen die AS Monaco (21 Uhr im LIVETICKER) könnte der Bundesliga-Tabellenführer den aktuellen Aufschwung auch in der Champions League zementieren.

"Das ist klar." Keine andere Phrase drischt Lucien Favre häufiger, seit er Trainer von Borussia Dortmund ist. Wenn der Schweizer über die Entwicklung seiner Mannschaft spricht, tut er das meist minimalistisch. Zahlreichen seiner Ausführungen wird am Ende noch dieser Satz hinzugefügt und Favres Mimik dabei unterstreicht vor allem die Selbstverständlichkeit, mit der er seine nüchternen Einschätzungen abgibt.

Der Klassiker ist: "Es braucht Zeit, das ist klar." Immer wieder betonte Favre in seinen ersten Wochen diesen Faktor und ja, er hat damit natürlich Recht. Die Aufgabe, die der Coach beim BVB anging, ist und bleibt ziemlich groß, schließlich glich der Kader am Ende der Vorsaison einer Großbaustelle.

Aktuell liegen Favre und die Dortmund sogar vor dem Zeitplan. Acht Pflichtspiele hat die Borussia unter Favres Leitung absolviert und noch keines verloren. Dass man dabei in vier Partien in Rückstand geriet und teils auch wenig Berauschendes zustande brachte, muss ebenfalls erwähnt werden. Aber, so würde Favre wieder sagen, das sei ja klar - weil momentan schon ein bisschen, aber nicht besonders viel Zeit vergangen ist, seitdem er den BVB trainiert.

BVB: Mentalität, Charakter, Qualität

Genauso betont gehört der Umstand, dass Dortmund drei der vier Rückstand-Spiele noch gewonnen und einmal auswärts in Unterzahl ausgeglichen hat. Dies ist die beste Medizin für eine Mannschaft und einen Verein, der sich besonders in der letzten Saison häufig fragen musste, weshalb typische Ruhrpott-Werte wie Mentalität und Charakter verloren gegangen sind.

Nun aber machte der BVB am vergangenen Wochenende innerhalb einer Halbzeit aus einem verdienten 0:2-Rückstand einen beeindruckenden 4:2-Auswärtssieg und rückte damit auf Tabellenplatz eins. "Das zeigt Mentalität, das zeigt Charakter, das zeigt Qualität", sagte mit Jacob Bruun Larsen der wohl größte Gewinner unter Favre nach dem Erfolg in Leverkusen.

Dortmund unter Favre ist bislang defensive Stabilität und großer Glaube. Zwar stehen in der Bundesliga schon starke 19 Tore zu Buche, die Offensivfeuerwerke dauerten bisher allerdings eher kurz als konstant an. Dafür hat es Favre mit seinem aktuellen Mannschaftsgebilde schon jetzt gut hingekriegt, eine neue Gier zu entfachen, die den Kader zu durchdringen scheint. Bestes Beispiel sind hierfür die funktionierenden Einwechselspieler, die trotz geringer Spielzeit mehrfach spielentscheidend beteiligt waren.

Favre gibt beim BVB weiter den Mahner

Momentan scheint es, als habe der BVB die richtigen Schritte eingeleitet, um Problemfelder wie Grüppchenbildung und Egozentrik auszumerzen. Auch die Spieler, die aufgrund des großen Kaders immer wieder auf der Tribüne Platz nehmen müssen, belasten die Atmosphäre nicht. Dies ist auch ein Verdienst des neuen Lizenzspieler-Leiters Sebastian Kehl, dessen stark nach innen wirkende Rolle schwer zu greifen ist, aber erste Früchte trägt.

Und so schnell kann es dann gehen, dass man wieder Selbstvertrauen in die eigene Stärke entwickelt. Zwar gelang der Borussia im Vorjahr unter Peter Bosz der Saisonstart ähnlich eindrucksvoll, defensiv stabil wirkte die Mannschaft dabei aber nie. "Das wird uns diesmal nicht passieren", ist sich Kehl gegenüber dem kicker bereits sicher. "Die Mannschaft ist defensiv stabiler und mental gefestigter. Das gibt ihr Halt, ebenso wie die Gewissheit, dass wir immer für Tore gut sind."

BVB-Pflichtspiele unter Lucien Favre in der Saison 2018/19

DatumWettbewerbGegnerErgebnis
20. August 2018DFB-PokalGreuther Fürth2:1 n.V.
26. August 2018BundesligaRB Leipzig4:1
31. August 2018BundesligaHannover 960:0
14. September 2018BundesligaEintracht Frankfurt3:1
18. September 2018Champions LeagueClub Brügge1:0
22. September 2018BundesligaTSG Hoffenheim1:1
26. September 2018Bundesliga1. FC Nürnberg7:0
29. September 2018BundesligaBayer Leverkusen4:2

Favre dagegen kann sich zu nicht mehr als einem "Das ist sehr schön, ein guter Start" durchringen. Der Trainer verfällt nicht der Euphorie, die sich im Umfeld bereits dezent Bahn bricht. Er gibt weiter den Mahner, der Unzulänglichkeiten deutlich anspricht und sich nicht von Ergebnissen blenden lassen möchte. Gefragt, ab wann es sich erstmals lohne, auf die Tabelle zu blicken, entgegnete er kürzlich: "Am letzten Spieltag."

Dortmunds Kader-Gleichgewicht scheint wieder hergestellt

In das Champions-League-Duell mit der in der Liga strauchelnden AS Monaco geht der BVB nun als Favorit. Favre erläuterte auf der Pressekonferenz am Dienstag, dass seine Mannschaft noch ein "besseres Gleichgewicht" finden müsse, um 90 Minuten souverän agieren zu können.

"Es gibt noch ein großes Potenzial für eine Weiterentwicklung, technisch und taktisch", sagte er, um danach, man ahnte es schon, wieder nachzuschieben: "Wir haben viele junge Spieler. Das braucht Zeit, das geht nicht in zwei, drei Monaten. Da braucht man wesentlich länger, vor allem mit jungen Leuten."

Das Gleichgewicht im Kader haben die Verantwortlichen, die zum Saisonstart noch von zwei Transferperioden sprachen, bis sich Dortmunds neues Gesicht herauskristallisieren könnte, derzeit wieder hergestellt.

Kehl: "Wenn man Favre lachen sieht, ist das ein gutes Zeichen"

Erfahrene Spieler wie der unter seinem früheren Gladbacher Coach aufblühende Marco Reus, die Neuzugänge Axel Witsel und Thomas Delaney sowie der formstarke Torhüter Roman Bürki helfen bereits jetzt, die Balance und Intensität während der Partien aufrecht zu erhalten.

Legt der BVB gegen Monaco den zweiten Sieg in der Königsklasse nach, würde dies die starke Phase abrunden und gerade nach den internationalen Enttäuschungen des Vorjahres für einen ersten Schritt Richtung Wiedergutmachung sorgen.

"Es gibt noch Luft nach oben, wir müssen uns natürlich noch verbessern", sagte Kehl am Samstag in bester Favre-Manier. Und schmunzelte, als er über den emotionalsten Sieg unter dem neuen Trainer sprach: "Wenn man ihn schon einmal lachen sieht, ist das ein gutes Zeichen."

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