Loris Karius' Fehler im Finale gegen Real Madrid: Leider kein "Wish Concert"

Sonntag, 27.05.2018 | 13:03 Uhr
Lorius Karius patzte im CL-Finale.
© getty
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Der FC Liverpool hat das Champions-League-Finale gegen Real Madrid mit 1:3 (0:0) verloren. Sündenbock dabei war Torwart Loris Karius mit zwei katastrophalen Fehlern. Karius war nach dem Abpfiff untröstlich - es liegt nun an Trainer Jürgen Klopp, ihn wieder aufzubauen. Aber vom Leistungsgedanken kann er sich dabei nicht verabschieden.

Ein kurzes Interview gab Karius nach dem Spiel. Knapp zwei Minuten, mit rauer, emotionsloser Stimme. Ein bisschen betäubt schien der 24-Jährige, suchte gegenüber dem Reporter von talkSPORT gleich mehrfach nach Worten. "Im Moment fühle ich gar nichts", begann er schließlich. "Heute habe ich das Spiel verloren."

Was nicht heißt, dass Liverpool das Spiel mit einem anderen Keeper gewonnen hätte. Nach der Verletzung von Superstar Mo Salah schien die Elf von Jürgen Klopp geschockt, musste sich in veränderter Formation und neuer Ausgangsposition erst wiederfinden. Vor dem 1:0 hatte Reals Isco bereits die Latte getroffen, dem waren vor dem Seitenwechsel mehrere Chancen für Madrid vorausgegangen.

Dennoch hatte Karius natürlich Recht. Seine zwei haarsträubenden Fehler hatten Real den 13. Europapokalsieg der Vereinsgeschichte auf dem Silbertablett serviert.

Loris Karius: Schwere Fehler gegen Benzema und Bale

Dabei wird vor allem der Blackout gegen Karim Benzema in Erinnerung bleiben: Souverän hatte Karius einen langen Ball vor dem Franzosen abgefangen, wollte dann aber das Spiel schnell machen. Gegen die Laufrichtung Benzemas nach links war alles frei, doch Karius entschied sich um, drehte sich in Benzemas Laufweg und schleuderte den Ball. Benzema musste sein Bein nur ein wenig ausstrecken und den Ball ins Tor prallen lassen. Der französische Stürmer wusste danach vor lauter Glück und Unglauben gar nicht, wie ihm geschehen war.

Karius protestierte zwar, aber auch er wusste, dass alles mit rechten Dingen zugegangen war, dass er niemandem auch nur eine klitzekleine Teilschuld würde anheften können.

Im Vergleich dazu war Bales fulminanter Weitschusstreffer zum 3:1-Endstand fast schon ein herkömmlicher Torwartfehler. "Der Ball hat sich bewegt, ich wollte ihn fangen und habe ihn falsch eingeschätzt", sagte Karius. "Vielleicht hätte ich ihn einfach ins Aus bugsieren sollen."

Loris Karius: "Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte ..."

Aber das hatte er nicht. Zwei Fehler, aus 1:1 wurde ein 1:3. So gnadenlos, so unbarmherzig ist die Fußball-Arithmetik. Und so lag Karius nach dem Abpfiff vollkommen aufgelöst im eigenen Fünfmeterraum, allein mit sich und seinen zentnerschweren Gedanken. "Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich es tun", sagte er später, "ich habe mein Team heute im Stich gelassen. Diese Tore haben uns praktisch den Titel gekostet."

Vielleicht dauerte es auch deshalb ein bisschen, bis sich Karius' Teamkollegen zum eigenen Keeper aufmachten. Wie kann man jemanden angesichts dieser brutalen Wahrheit wirklich trösten? Auch sie mussten erst einmal verarbeiten, dass ihnen in an diesem Abend eine große, womöglich einmalige Gelegenheit durch die Finger geronnen war.

"Alle haben versucht, mich aufzumuntern", beschrieb Karius die Stimmung in der Kabine, als die Siegerehrung abgeschlossen war. "Aber ansonsten war es sehr still, weil alle so enttäuscht waren. Es wird dauern, bis wir darüber hinweg sind."

Karius in der Kurve mit den Liverpool-Fans: You'll never walk alone

Mehrere Real-Spieler, darunter Doppeltorschütze Gareth Bale, bewiesen nach dem Schlusspfiff im Angesicht des Sieges Größe und versuchten, Karius aufzumuntern. Der eine oder andere Betreuer kam hinzu und legte den Arm um ihn. Aber es dauerte eine Weile, bis der Deutsche seinen schwersten Gang des Abends antreten konnte: in die Kurve, zu den über 20.000 mitgereisten Fans.

Immer wieder bat er um Vergebung, winkte und legte sich die Hand als Eingeständnis der Schuld aufs Herz. Und immer wieder versteckte er sein Gesicht unter dem Kragen seines schwarzen Trikots, um die Tränen abzuwischen.

Er lief allein. Und lief doch nicht allein.

Denn die Zuschauer, viele immer noch mit versteinertem Gesicht, sie klatschten. Sie munterten den jungen Karius auf, in der schwärzesten Stunde seiner Karriere. You'll never walk alone.

Klopp muss Karius nach Fehlern wieder aufbauen

"So ist das Leben", bilanzierte ein äußerlich gefasster Jürgen Klopp am Sky-Mikrofon. "Es tut mir natürlich sehr leid für ihn, das wünscht man seinem schlimmsten Feind nicht." Auch er wusste, dass er Karius nur bis zu einem gewissen Punkt aus diesem Loch ziehen konnte: "Er ist ein schlauer Junge, da gibt es nichts zu sagen."

Die gute Nachricht: Wenn es einen perfekten Trainer für eine solche Situation gibt, dann ist es Jürgen Klopp. Der 50-Jährige ist ein Menschenflüsterer, mit einer warmherzigen Ader und dem Talent, die Dinge auf den Punkt zu bringen. "Manche Leute sind doof genug, dir das ein Leben lang aufs Brot zu schmieren", entgegnete er auf die Frage, ob die Ereignisse in Kiew an diesem Abend Karius verfolgen könnten. Im Klartext: Der Spieler muss die Fehler verarbeiten und abhaken. Aber Fans und Medien müssen das eben auch.

Klopp hat Karius im Sommer 2016 aus Mainz nach Liverpool geholt, über zwei Jahre trotz diverser Rückschläge an ihm festgehalten und ihn zur Nummer eins aufgebaut. Karius, der die Saison als Champions-League-Torwart begann, aber erst im Januar zur unangefochtenen Nummer eins aufstieg, dankte es ihm mit ansteigenden Leistungen. Wenn jemand weiß, wie Karius wieder Selbstvertrauen eingeimpft werden kann, dann ist es Klopp.

Kosten die Fehler Karius seinen Stammplatz in Liverpool?

Aber beide, Trainer und Spieler, wissen ebenso, dass nicht nach Mitleid oder Sympathie aufgestellt werden kann. Dass im Fußballgeschäft der Leistungsgedanke zählt, weil er eben zählen muss.

Und so wird sich Klopp neben aller Unterstützung für seinen Schützling fragen müssen, wie weit die Loyalität zu Karius gehen kann, oder ob nicht doch ein Keeper der Kategorie "Weltklasse" nötig ist. Einer wie Allison von der AS Rom, nach dem die Reds ihre Finger Medienberichten zufolge schon im Frühjahr ausgestreckt haben sollen.

Das Team hat mit mitreißendem Fußball die Fans begeistert, ist völlig unerwartet ins Finale eingezogen, nun gilt es, die Schwachstellen zu bearbeiten, damit der Erfolg dieser Saison kein One-Hit-Wonder bleibt. Virgil van Dijk kam für die Abwehr, im Mittelfeld darf man sich auf den Leipziger Naby Keita freuen. Bleibt der Platz zwischen den Pfosten.

Klopp, der ganze Verein, auch die Fans sind gefragt, um Karius aus dieser Krise wieder herauszuhelfen. Aber das heißt nicht, dass er seinen Stammplatz nicht an einen Konkurrenten verlieren kann. Das weiß Karius auch. Er ist ein schlauer Junge und das Fußball-Geschäft kein Wish Concert.

Karius' Leistungsnachweis beim FC Liverpool

WettbewerbEinsätzeGegentoreSpiele ohne Gegentore
Premier League292613
Champions League13166
FA Cup432
League Cup321
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