Fussball

"Benfica? Kann einem angst und bange werden"

Von Interview: Tristan Ebertshäuser
Theo Redder gewann mit dem BVB den DFB-Pokal und den Europapokal der Pokalsieger

Mit 5:0 hat Borussia Dortmund 1963 Benfica, die damals beste Mannschaft Europas, im Achtelfinale hochkant aus dem Europapokal der Landesmeister geworfen. Vor dem erneuten Duell in der Champions League der beiden Klubs (Di., 20.45 Uhr im LIVETICKER) spricht der frühere BVB-Verteidiger Theo Redder, der zwischen 1963 und 1969 115 Spiele für die Schwarz-Gelben bestritt, im SPOX-Interview über das "Jahrhundertspiel". Der mittlerweile 75-Jährige äußert sich zudem zu den jüngsten Auftritten der Dortmunder, die ihm wenig Hoffnung machen.

SPOX: Herr Redder, am Dienstag steht das Champions-League-Spiel gegen Benfica an. Werden Sie es sich anschauen?

Theo Redder: Ja, natürlich guck ich mir das Spiel an! Ich gehöre ja zum Ältestenrat des BVB und normalerweise lädt der Verein uns da schon auch mal ein. Aber wir waren gerade erst beim Spiel gegen Sporting vor Ort, daher bleiben wir diesmal hier.

SPOX: Freuen Sie sich darauf?

Redder: (Lacht) Naja, man sagt ja immer: "Die Hoffnung stirbt zuletzt." Was wir am Samstag gegen Darmstadt abgeliefert haben, war nicht so berauschend, aber das wissen die Jungs selbst. Als alter, erfahrener Hase weiß ich natürlich, dass solche Spiele passieren können. Aber das war schon eine mittlere Katastrophe, es passte gar nichts. Wenn man dann an Lissabon denkt, eine Mannschaft die Tabellenführer ist und das Heimspiel hat, kann einem angst und bange werden. Optimistisch bin ich im Moment nicht gerade.

SPOX: Obwohl der BVB in der Königsklasse meist sein schöneres Gesicht gezeigt hat?

Redder: Ich glaube, wir haben in der Vorrunde insgesamt ein bisschen besser gespielt. Man hat natürlich immer wieder mal Ausreißer nach unten, aber was mir ein bisschen Sorge macht, ist unsere Abwehr. Ich habe nicht das Recht, zu kritisieren, wir haben früher ja auch nicht immer gut gespielt. Man kann nur hoffen, dass das einigermaßen über die Bühne geht. Sie haben Recht: International haben wir bis jetzt hervorragend gespielt. Vielleicht klappt das am Dienstag auch und man kann sich so das nötige Selbstvertrauen für die restlichen Spiele holen.

SPOX: Sie waren selbst Verteidiger und als giftiger Zweikämpfer bekannt. 1963 gelang Ihnen mit dem BVB, was der Verein nun wieder schaffen will: Benfica im Achtelfinale auszuschalten. Wie?

Redder: Ich war wohl eher der Typ "robuster Spieler" und das Hinspiel in Lissabon war mein erstes großes internationales Spiel. Wir haben dort zwar nur mit 1:2 verloren, aber wenn man ehrlich ist, hätte es genauso gut 1:5 oder 1:6 ausgehen können. Es ging ständig nach dem Motto: Latte, Pfosten, Hans Tilkowski. Und wir waren gerade in der Abwehr ziemlich überfordert. Man darf nicht vergessen, Benfica war damals Europapokalsieger in Serie und hatte natürlich eine Bomben-Mannschaft. Wir hatten viel Glück, auch wenn wir uns in der zweiten Halbzeit stabilisierten.

SPOX: Im Rückspiel gelang schließlich der legendäre 5:0-Sieg.

Redder: Wir konnten eigentlich nur gewinnen. Wir hatten ja eine coole Mannschaft und richtig gute Spieler mit Timo Konietzka, Lothar Emmerich, Aki Schmidt oder Franz Brungs, der mit drei Toren seine Sternstunde hatte. Und dann kam uns etwas entgegen: Es war eisig kalt, der Boden gefroren - das waren die Lissaboner mal gar nicht gewohnt. Außerdem fehlte ihnen Eusebio, der Spieler, der vielleicht den Unterschied gemacht hätte. Ich sag mal so: Die Portugiesen sind nicht richtig warm geworden und auf einmal stand es 2:0, 3:0 und wir hatten leichtes Spiel.

SPOX: Die Kälte war also ein entscheidender Grund für die BVB-Sternstunde?

Redder: Was uns vielleicht noch geholfen hat ist Folgendes: Im Estadio da Luz hatten sie ein Flutlicht, da waren wir fast geblendet. Und unser Flutlicht in Dortmund schien nicht ganz so hell. (lacht) Ohne unseren Sieg schmälern zu wollen, war es einfach so, dass alles passte. Die Fans, der gefrorene Boden - und wir spielten richtig guten Fußball.

SPOX: Zwischen der 33. und der 36. Minute gelangen dem BVB drei Tore.

Redder: Ich weiß gar nicht mehr genau, wer das 1:0 gemacht hat, ich habe mir die Artikel auch nicht aufgehoben. Das ist jetzt 53 Jahre her! Schön war es, als Borussia zum 50. Jubiläum des Duells 2013 Eusebio eingeladen hat. Ich konnte ihn persönlich betreuen und wir sind gemeinsam zum Essen gegangen. Das war ein wunderbares Erlebnis! Allerdings war er zu dieser Zeit bereits sehr krank und ist leider vier oder fünf Wochen später gestorben.

Seite 1: Theo Redder über das Flutlicht und fröstelnde Portugiesen

Seite 2: Theo Redder über den Platzsturm und die wahre Besucherzahl

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